Erinnern oder Verdrängen? Celia Isabel Gaisserts Debütroman "Schwarz wie eine Mamba"
Redaktion
07.06.2007
Clara Hirschfeld. Unentschlossen hat Celia Isabel Gaissert ihrem Debütroman "Schwarz wie eine Mamba" zwei Zitate als Mottos vorangestellt. Novalis, der seiner zu früh gestorbenen Geliebten ein Leben lang gedachte, macht das Erinnern gleichsam zur Gegenwart. Ohne die Vergangenheit wäre das Jetzt nicht das, was es ist. Ein altes afrikanisches Sprichwort hingegen preist zuversichtlich die Zukunft. Der Sonne das Gesicht zuwenden heißt, die Schatten hinter sich zu lassen.
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Genau so unentschlossen changiert der Roman, geradewegs schlängelnd, zwischen den Perspektiven der drei Protagonisten. Ihre Lebensepisoden versteht Gaissert kunstvoll zu verknüpfen. Da wäre der erfolgreiche amerikanische Professor Béla Vallaire. Ein alter Mann, den über 50 Jahre alte schreckliche Erinnerungen in seinen Träumen verfolgen. Als Offizier der Waffen-SS wurde er Zeuge von sieben grausamen Morden. Am Lebensabend entschließt er sich, nicht länger darüber zu schweigen. Vincent Reutter erfährt davon aus der Zeitung, auch er hat eine erfolgreiche akademische Laufbahn in den Staaten eingeschlagen.
Er macht seine Halbschwester Saskia, die in Deutschland lebt, auf die Neuigkeiten aufmerksam, denn ihr gemeinsamer Vater war ebenfalls am Ort der Morde stationiert. Diese Konstellation bringt die Drei in Kontakt und löst unterschiedliche Modelle der Vergangenheitsbewältigung aus. Für alle mit unterschiedlichen Konsequenzen. Vallaire aus der Tätergeneration ist der Schlüssel zum Titel des Buches. Er identifiziert sich mit der schwarzen Mamba. Gefährlich und geheimnisvoll will er sein - für Freunde, Bekannte, Kollegen und die Journalisten wird er nach seinem Schritt in die Öffentlichkeit jedoch strittig, eine kontroverse Person. Auch seine Lebensgefährtin begleitet ihn nicht auf dem eingeschlagenen Weg.
Dafür lernt er Saskia kennen, und wohl auch lieben. Sie jedoch verstrickt sich im Netz aus Verdrängen und Erinnern. Im Beruf als Juristin begibt sie sich unbeirrbar idealistisch auf einen gefährlichen Weg und setzt dabei ihr Leben aufs Spiel. Der Geschichte des eigenen Vaters kommt sie nicht auf die Spur. Ihr Bruder Vincent macht andere Erfahrungen. Nach anfänglichem Stöbern in der Vergangenheit lassen Warnsignale seiner Frau und eines Kollegen ihn die Dinge auf sich beruhen.
Die Autorin, Celia Isabel Gaissert, wurde 1955 in Hamburg geboren. Sie studierte Rechtswissenschaften und promovierte in Europarecht. Wie ihre Romanfigur Saskia ist sie als Expertin europäischer Rechtsprojekte in Osteuropa tätig. Die Stärke ihrer Geschichte beruht auf der demonstrativen Unentscheidbarkeit.
Es bleibt vor allem die Unmöglichkeit zurück, eine Position den anderen vorzuziehen, denn für jeden einzelnen Protagonisten erfolgen seine Entscheidungen konsequent und nachvollziehbar. Mit dem irrationalen Moment der Mamba, die als Motiv immer wieder warnend aufleuchtet, wird Vergangenheitsbewältigung zu einer diffusen Gefahr erhoben, der sich jeder stellen muss, so oder so. In der Frage um Erinnern oder Verdrängen bleibt die Autorin eine Antwort schuldig, nur das Vergessen hat keinen Raum.
Celia Isabel Gaissert "Schwarz wie eine Mamba", Plöttner Verlag, Leipzig 2007, 14,90 Euro
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