"FAKE OFF!": Leipzig als Austragungsort einer virtuellen Liebesbeziehung
Redaktion
15.11.2007
Susanna M. Prautzsch/tick-topics. Alex ist eine gut aussehende Frau um die 40, erfolgreich und sehr engagiert in der Medienbranche tätig. Aus zerrütteten Familienverhältnissen kommend, hat sie es geschafft, sich einen beachtlichen Lebensstandard aufzubauen und bewohnt eine schöne Single-Wohnung zentrumsnah in Leipzig. Nur mit dem Partner hat es bisher noch nicht geklappt.
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Den will sie ausgerechnet in einer Internet-Single-Börse finden. Der Roman von Anke Behrend räumt auf mit den Klischees von Chat-Liebesbeziehungen - sie stimmen!
Anke Behrend, selbst in der Medienbranche tätig, debütiert mit einer sehr zugespitzten Geschichte über das Streben von Frauen nach einer glücklichen Beziehung und erfüllten Liebe, eingebettet in die schöne virtuelle Welt des Internets und der Chatbekanntschaften. Die Hauptfigur Alex scheint der Prototyp von Frau zu sein, der mitten auf den Stufen der Karriereleiter steht, aber ohne Mann und Kind ist: Erfolgreich, ledig, sucht. Zu wenig Zeit und ungenügende Gelegenheiten vis à vis jemanden kennen zu lernen, meldet sie sich bei verschiedenen Single-Börsen im Internet an. Dort will sie scheinbar ganz unkompliziert den Mann finden, der ebenso allein, intelligent, selbstständig ist und bisher ohne Erfolg bei der Suche nach seiner Königin der Herzen blieb.
Die sich im Chat einer Single-Börse und über Telefongespräche anbahnende romantische Beziehung zwischen Alex und "Listen2me", der im "Real Life" den einfachen Namen Roman trägt, entpuppt sich für den Leser viel zu schnell, aber für Alex erst ganz allmählich als Alptraum. Obwohl das erste Treffen in einer dreckigen Wohnung und ohne entsprechende Gastlichkeit im Hessischen stattfand - was eine Frau wie Alex bereits hätte abschrecken müssen -, lud sie Roman nach Leipzig ein. Er konnte und wollte das Zugticket nicht bezahlen und so kam die Frau selbst dafür auf, immer noch bereitwillig an den Traumprinzen zu glauben, getreu ihrem Mantra "Den Mann will ich!". Doch nachdem ein schmuddeliger Koffer mit nasser stinkender Wäsche und ein wasserscheuer sowie kettenrauchender Roman zum Vorschein kamen, machten sich auch bei Alex immer größere Zweifel breit. Aber solch einen Mann, den man sich in den rosigsten Farben verschönert, sehnlichst herbeigewünscht und in das eigene Bett geholt hat, lässt sich nicht so leicht abservieren.
Schnell und leicht fliegen die einzelnen Seiten dahin. Häufig mit Teilen der Chat-Gespräche gespickt, in denen weder Großschreibung noch die korrekte Rechtschreibung eine Rolle spielen, verfolgt man die schier unglaublich erscheinende Chat-Affaire in flottem Tempo. Ganz so, als wäre der Text auf den einzelnen Buchseiten nur ge"posted" und flüchtig wahrnehmbar, wie das Internet es einem in seiner Schnelllebigkeit oft genug suggeriert.
Kunstvoll dahin geschriebene Sätze klingen zudem so, als würden sie direkt aus dem Single-Internetforum XY stammen. Nicht als Roman im eigentlichen Sinne kommt "FAKE OFF!" daher. Mit bissiger Selbstironie und einem Sprachwitz, bei man nicht weiß, ob man herzhaft lachen oder sprachlos nach Luft ringen soll, bewegt sich das Buch der Wahl-Münchnerin Anke Behrend nicht nur in der geschilderten Story zwischen den Welten des Internets und des "Real Life".
Anke Behrend "Fake off", Röschen-Verlag, Frankfurt / Main 2007, 9,40 Euro
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