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Der Papst ist ein Schwede: Ein polnischer Monolog ohne deutsche Antwort

Redaktion
Dörthe Stanke. Die Blickrichtung der Welt ist seit Jahrzehnten eindeutig westwärts gerichtet: Europa blickt nach Nordamerika, Deutschland blickt nach Frankreich und Polen blickt nach Deutschland. In der von Katrin Heinau verfassten Erzählung "Der Papst ist ein Schwede", erschienen in der Leipziger Edition ERATA, geht der Blick umgekehrt von Berlin nach Krakau.

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Zwei Frauen begegnen sich in Berlin, die eine deutsch mit Mann, Kind und Job, die andere eine junge Polin ist zum Friedensdienst nach Berlin gekommen und taucht dort ein in die Sprache und Lebensgewohnheiten des Nachbarlandes.

Ihre neugewonnenen deutschen Wörter gibt die namenlose polnische Erzählerin in einem munteren Redestrom wider, der von Thema zu Thema, von Eindruck zu Eindruck, von Gedanke zu Gedanke vor und wieder zurück hüpft. Sie experimentiert spielerisch mit Worten und Bildern der deutschen Fremdsprache, tastet sich an die Bedeutungen heran und nimmt selbst neue Deutungen vor. Heinau wagt den Versuch, so zu schreiben als würde sie selbst ihre Muttersprache erst erlernen.

Das Reizvolle daran ist, dass sich dem Leser ungewohnte Assoziationen eröffnen. Auf einmal stolpert man über die eigene Sprache und beginnt sich zu wundern woher Ausdrücke und Sprachbilder eigentlich kommen und welche anderen Bedeutungen, die man aus der Blindheit, die aus Gewohnheit entsteht, bislang übersehen hat, sich noch hinter ihnen verbergen mögen. - "Ich benutze jetzt oft dieses da-, darin, darüber, dafür, dagegen, damit, darauf, dazwischen, hast du bemerkt? Ich bin dazwischen, schon immer. Alle lachen, aber ich lebe auch. Ehrlich gesagt, du weißt schon, ich bete zu sein so wie Papst in Polen, ich habe konkret gar keine Ahnung, konkret habe ich nur gelacht meistens bei Männern."

Dieses Sprachexperiment ist zunächst interessant-befremdlich, ermüdet jedoch rasch im Laufe der Seiten. Der Redestrom gerät zum Rauschen. Die kühne Idee, die eigene Sprache in einer fremden Linse zu brechen, trägt nicht über knapp 100 Seiten. Zumal das Erzählerische über diesem Experiment zu kurz kommt. So wie die Worte und Bedeutungen schwanken und changieren bei Heinau auch die Figuren, Situationen und die damit verbundenen Ereignisse. Sie haben alle keinen festen Boden unter den Füßen. Wie und warum sind sich die beiden Frauen begegnet bzw. begegnen sie sich überhaupt, oder laufen sie nicht vielmehr aneinander vorbei?

Was verbindet sie? Gibt es überhaupt Kommunikation zwischen ihnen? Machen sich die Frauen gemeinsam auf die Reise oder handelt es sich vielmehr um die bloße Imagination einer solchen Reise durch die polnische Erzählerin? - Heinaus freie Assoziationsketten enden im Nirgendwo. Zu viele Fragezeichen ohne Antworten.Katrin Heinaus Erzählung ist ein polnischer Monolog, der auf keine deutsche Antwort trifft. Eine Metapher des deutsch-polnischen Verhältnisses?

Leider erfährt der polenunerfahrene Leser in "Der Papst ist ein Schwede" im Grunde wenig über das östliche Nachbarland und seine Menschen. Zur Sprache kommen vielmehr all die gemeinhin bekannten Bilder von Polen: Papst und Katholizismus, Auschwitz und Birkenau, Juden und Zweiter Weltkrieg, das polnische Dorf und die polnischen Frauen, die in erster Linie heiraten sollen. Ist das wirklich alles, was es über dieses Land zu erzählen gibt?

Katrin Heinau: Der Papst ist ein Schwede, Edition ERATA, 2007, 13,95 Euro

Katrin Heinau liest auf der Leipziger Buchmesse am 16. März um 10.30 Uhr auf der Leseinsel Junge Verlage, Halle 5, D200



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