Der Papst ist ein Schwede: Ein polnischer Monolog ohne deutsche Antwort
Redaktion
03.03.2008
Dörthe Stanke. Die Blickrichtung der Welt ist seit Jahrzehnten eindeutig westwärts gerichtet: Europa blickt nach Nordamerika, Deutschland blickt nach Frankreich und Polen blickt nach Deutschland. In der von Katrin Heinau verfassten Erzählung "Der Papst ist ein Schwede", erschienen in der Leipziger Edition ERATA, geht der Blick umgekehrt von Berlin nach Krakau.
Anzeige
Zwei Frauen begegnen sich in Berlin, die eine deutsch mit Mann, Kind und Job, die andere eine junge Polin ist zum Friedensdienst nach Berlin gekommen und taucht dort ein in die Sprache und Lebensgewohnheiten des Nachbarlandes.
Ihre neugewonnenen deutschen Wörter gibt die namenlose polnische Erzählerin in einem munteren Redestrom wider, der von Thema zu Thema, von Eindruck zu Eindruck, von Gedanke zu Gedanke vor und wieder zurück hüpft. Sie experimentiert spielerisch mit Worten und Bildern der deutschen Fremdsprache, tastet sich an die Bedeutungen heran und nimmt selbst neue Deutungen vor. Heinau wagt den Versuch, so zu schreiben als würde sie selbst ihre Muttersprache erst erlernen.
Das Reizvolle daran ist, dass sich dem Leser ungewohnte Assoziationen eröffnen. Auf einmal stolpert man über die eigene Sprache und beginnt sich zu wundern woher Ausdrücke und Sprachbilder eigentlich kommen und welche anderen Bedeutungen, die man aus der Blindheit, die aus Gewohnheit entsteht, bislang übersehen hat, sich noch hinter ihnen verbergen mögen. - "Ich benutze jetzt oft dieses da-, darin, darüber, dafür, dagegen, damit, darauf, dazwischen, hast du bemerkt? Ich bin dazwischen, schon immer. Alle lachen, aber ich lebe auch. Ehrlich gesagt, du weißt schon, ich bete zu sein so wie Papst in Polen, ich habe konkret gar keine Ahnung, konkret habe ich nur gelacht meistens bei Männern."
Dieses Sprachexperiment ist zunächst interessant-befremdlich, ermüdet jedoch rasch im Laufe der Seiten. Der Redestrom gerät zum Rauschen. Die kühne Idee, die eigene Sprache in einer fremden Linse zu brechen, trägt nicht über knapp 100 Seiten. Zumal das Erzählerische über diesem Experiment zu kurz kommt. So wie die Worte und Bedeutungen schwanken und changieren bei Heinau auch die Figuren, Situationen und die damit verbundenen Ereignisse. Sie haben alle keinen festen Boden unter den Füßen. Wie und warum sind sich die beiden Frauen begegnet bzw. begegnen sie sich überhaupt, oder laufen sie nicht vielmehr aneinander vorbei?
Was verbindet sie? Gibt es überhaupt Kommunikation zwischen ihnen? Machen sich die Frauen gemeinsam auf die Reise oder handelt es sich vielmehr um die bloße Imagination einer solchen Reise durch die polnische Erzählerin? - Heinaus freie Assoziationsketten enden im Nirgendwo. Zu viele Fragezeichen ohne Antworten.Katrin Heinaus Erzählung ist ein polnischer Monolog, der auf keine deutsche Antwort trifft. Eine Metapher des deutsch-polnischen Verhältnisses?
Leider erfährt der polenunerfahrene Leser in "Der Papst ist ein Schwede" im Grunde wenig über das östliche Nachbarland und seine Menschen. Zur Sprache kommen vielmehr all die gemeinhin bekannten Bilder von Polen: Papst und Katholizismus, Auschwitz und Birkenau, Juden und Zweiter Weltkrieg, das polnische Dorf und die polnischen Frauen, die in erster Linie heiraten sollen. Ist das wirklich alles, was es über dieses Land zu erzählen gibt?
Katrin Heinau: Der Papst ist ein Schwede, Edition ERATA, 2007, 13,95 Euro
Katrin Heinau liest auf der Leipziger Buchmesse am 16. März um 10.30 Uhr auf der Leseinsel Junge Verlage, Halle 5, D200
2010 trat das Leipziger Forscher-Team um Svante Pääbo erstmals an die Öffentlichkeit mit der Meldung, sie hätten aus einem winzigen Teil eines fossilen Fingerknochens aus der Denisova-Höhle in Südsibirien eine (vorläufige) Fassung des Genoms erstellt. Immerhin ein heißes Eisen: Es war das Genom eines dritten Vertreters der Menschheit. mehr…
Während „normale“ Menschen bei knackigen Minusgraden bibbernd in beheizten Räumen auf bessere Zeiten warten, zieht es einige Mitglieder des Tauchsportvereins „Leipziger Delphine“ gerade jetzt an ihr Hausgewässer, den Kulkwitzer See. Und das aus gutem Grund, denn die strengen Fröste der vergangenen Tage haben den „Kulki“ zufrieren lassen. mehr…
Ein Kompromiss ist ein Interessenausgleich auf der Basis der kleinsten gegenseitigen Verärgerung. Vorangegangen ja gegenseitige Beleidigungen und Provokationen – je nach Naturell laut oder hinter den Kulissen. Im Backstagebereich wird ein Krieg vorbereitet. Solang es ein gerechter ist, solls uns wohl recht sein. mehr…
Lange ließ Jean-Jacques Annaud nichts von sich hören. Zuletzt inszenierte der 67-Jährige, dem das Kino Meisterstücke wie "Der Name der Rose" oder "Sieben Jahre in Tibet" verdankt, im Jahr 2004 das mäßige Tiger-Drama "Zwei Brüder". Sein Spätwerk "Black Gold" ist eine pathetische Zeitreise zurück an die Anfänge des Öl-Booms in der arabischen Welt. mehr…
2011 organisierten Neonazis in Sachsen in etwa genauso viele Konzerte wie im Vorjahr. Dies ergab eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Kerstin Köditz. Nach Angaben von Innenminister Markus Ulbig (CDU) registrierte der Verfassungsschutz die Planung von 44 Konzerten. mehr…
Kreativität muss ja irgendwann erst einmal beginnen. Design, Fotografie und nicht zuletzt ihre wundervollen Songs, zusammen mit dem griechischen Elektrokünstler Kostas, sorgen für Aufsehen – und Bewegung. Am 9. Februar stellt Minette nun zum ersten Male aus. Vernissage. Richtig mit Getränken und Freunden und Staunenden. Wenn Minette die neue Vivienne Westwood ist, können alle Leser sagen, sie sind bei den ersten Schritten dabei gewesen. Interview. mehr…
Das unschöne Loch am Burgplatz „begeistert“ die Leipziger seit über 16 Jahren. Der englische Eigentümer hat auch nach mehrmaliger Anfrage seitens der Stadt nicht reagiert. Es herrscht weiter Unklarheit, was AMEC/KIG mit diesem überaus zentral gelegenen Grundstück anfangen will. Doch der Stadtverwaltung reicht es jetzt. mehr…
Dass in den entscheidenden Ämtern und Behörden in Sachsen noch immer nicht begriffen wurde, was die demografischen Veränderungen im Land eigentlich bedeuten, zeigte gerade der Vize-Vorsitzende des Beamtenbundes, Helmut Overbeck, mit seiner Forderung nach einem sogenannten "Demografie-Tarifvertrag". Gleichzeitig diskutiert die Politik über einen "Demografie-Faktor" im Finanzausgleich. Auch zum Entsetzen der beiden SPD-Abgeordneten Wolfgang Tiefensee und Dirk Panter. mehr…
Sachbeschädigung, Körperverletzung, räuberische Erpressung, Diebstahl, Drogenbesitz. Lucas K. (22) war schon zehnfach vorbestraft, als er am Montag, 6. Februar, im Amtsgericht auf der Anklagebank Platz nahm. Vor fünfeinhalb Jahren kam der Arbeitslose das erste Mal mit der Justiz in Kontakt. mehr…
Auch wenn alles mit rechten und gerechten Dingen zugeht, wird wohl jeder Kustos einer Sammlung bei solch einer Aktion heimlich die eine oder andere Träne wegdrücken. Weil öffentlich, wäre das politisch unkorrekt. 44 Kleinode spätantik-byzantinischer Alltagskultur wurden kürzlich in Leipzig als Eigentum des Berliner Museums für Byzantinische Kunst identifiziert und kehren nun ins Bode-Museum in die Bundeshauptstadt zurück. mehr…
Konrad Riedel, Stadtrat der CDU, macht sich Sorgen um den Winterdienst, die Kleingärtner und die Rentner. Alles gut und schön. Kürzlich veröffentlichte die Leipziger Volkszeitung einen Beitrag darüber, dass der CDU-Abgeordnete im Leipziger Stadtrat eine Fahrradsteuer für Leipzig wünscht. Dann könne man von den Einnahmen die Radwege vom Schnee befreien. Mit der Kfz-Steuer geschehe das doch auch für die Fahrbahnen. mehr…
Rotlicht an. Es wird heiß am Donnerstag, 9. Februar, ab 20 Uhr im Helheim (Weißenfelser Straße 32). Das Leipziger PerformanceTheaterKollektiv FormLos stattet Volly Tanner einen Besuch auf seiner Terrasse ab. mehr…
Die Straße des 18. Oktober ist lang. Länger, als mancher denkt. Sie beginnt am Bayrischen Platz, führt schnurstracks zum Deutschen Platz und danach quer durchs alte Messegelände zum Völkerschlachtdenkmal. Eigentlich ist sie auch die Magistrale der Alten Messe, auch wenn sie derzeit nicht so aussieht. Aber sie soll wieder so aussehen. Stückweise ab 2013. mehr…
In „Voland & Quists Literatursalon“ im Horns Erben (Arndtstraße 33) tritt am Freitag, 10. Februar, ab 20 Uhr die Dresdner Lesebühne Sax Royal auf. Sax Royal sind der Kolumnist, Blogger und Moderator Michael Bittner, der Poetry-Slam-Bühnenheld Julius Fischer („Ich will wie meine Katze riechen“), der Lyriker und Prosaist Roman Israel, der Erzähler, Cartoonist und E-Orgel-Alleinunterhalter Max Rademann sowie Stefan Seyfarth. mehr…
„Anders wachsen – Eine sächsische christliche Initiative gegen die Ideologie des Wirtschaftswachstums“ lautet das Thema eines Vortrags- und Gesprächsabends am Freitag, 10. Februar. Die Veranstaltung im Pfarrhaus der Gnadenkirche Leipzig-Wahren, Rittergutsstraße 2, beginnt um 20 Uhr. mehr…