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Ein Trotzdem-Geburtstagsbuch: B. G. Teubner zum 225. Geburtstag

Ralf Julke
B. G. Teubner zum 225. Geburtstag.
B. G. Teubner zum 225. Geburtstag.
Vorm Haus des Buches im Gerichtsweg steht eine Säule. Gespickt mit den großen Namen des Leipziger Verlagswesens. Man könnte auch einen Friedhof danebensetzen und jeweils um einen Stein ergänzen, wenn wieder ein "großer Alter" verschwindet. B. G. Teubner zum Beispiel.

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Das Schicksal der 1811 von Benedictus Gotthelf Teubner gegründeten Druckerei, die später zu einem der wichtigsten Verlage der Buchstadt wurde, ähnelt verblüffend dem Schicksel das Brockhaus-Verlages. Angefangen von der Doppel-Neugründung nach 1945 in Ost und West, der Restitution und dem fast automatisch Weiterverkauf früher oder später an einen Dritten, der dann in Leipzig einfach alle Zelte abbricht, die Belegschaft entlässt und im Grunde nur eines mitgenommen hat: den Namen.

Im Jahr 2011 wird es eine große Jubiläuumsausgabe geben zum 200. Geburtstag des Verlages, verspricht Jürgen Weiß, bis 2000 Lektor bei B. G. Teubner. Ein Jahr zuvor hatten die beiden Teilhaberinen von Giesecke & Devrient die Anteile an Teubner an Bertelsmann veräußert. 2000 kam das Aus für Teubner – sowohl in Stuttgart als auch in Leipzig.

"Ausschlachten" würde man heute dazu sagen: Alles, was verkäuflich ist, wird weiterveräußert, der kostenintensive Personalblock entlassen. Zeichen weniger für einen "Konzentrationsprozess" auf einem Markt, der trotz alledem noch immer wächst. Sondern eher für eine Umwertung: Nicht mehr die unverwechselbare Handschrift und der eigenständige Qualitätsanspruch zählen, sondern nur noch das schnell vermarktbare Produkt. Oder – wie beim Abräumen der alten Verlage – der wertvolle Name.

Jürgen Weiß: B. G. Teubner zum 225. Geburtstag.
Jürgen Weiß: B. G. Teubner zum 225. Geburtstag.
Buchcover
Ein Name, den sich auch der 1784 in Großknaussnigk als elftes von zwölf Pfarrerskindern geborene Benedictus Gotthof erst erarbeiten musste. Auch wenn seine Ahnenreihe einen Berühmten als Wurzel aufweist: den Annaberger Rechenmeister Adam Ries. Seine Enkelin Anna Ries heiratete 1580 den Leipziger Feldvermesser Thomas Teubner. Eine hoch-mathematische Familie also, die dann mit der mathematischen Fachliteratur, die bei B. G. Teubner verlegt wurde, ihre Fortsetzung fand. Unter anderem, denn Teubner verlegte auch griechische und römische Klassiker, nahm von Brockhaus Aufträge an, erledigte Druckaufträge für den 1831 entstandenen Landtag und druckte auch das Börsenblatt und "Leipziger Zeitung", immerhin die älteste Tageszeitung Deutschlands und – bevor Teubner sie 1831 – so ziemlich auf den Hund gekommen. Teubner frischte das Layout auf, brachte eine modernere Typographie ins Blatt und druckte die Zeitung ab 1834 auch erstmals auf einer Schnellpresse.

Jürgen Weiß wollte mit der Würdigung des Mannes nicht bis 2011 warten. Also hat er die Würdigung in kompakter Form schon einmal vorgezogen auf Teubners 225. Geburtstag und erzählt – mit vielen kleinen Bildern illustriert – die Geschichte der Familie, mit Adam Ries beginnend bis in die Gegenwart, geht dann natürlich auf die Verlagsgründung in der unsicheren Zeit der napoleonischen Besetzung ein und schildert dann natürlich, wie Teubner aus der Druckerei in Reichels Garten ein Unternehmen mit bestem Ruf machte. Immerhin war Teubner der Erste, der sich am entstehenden Augustusplatz ein repräsentatives Haus erbauen ließ. Später entstand ein ganzer Teubner-Komplex an der Poststraße – die Gebäude stehen noch zum Teil. Leer.

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Der teubnersche Geist freilich ist noch lebendig in Leipzig, wird getragen von der 2003 gegründeten Stiftung Benedictus Gotthelf Teubner Leipzig/Dresden/Berlin/Stuttgart. Ein langer Name für eine Stiftung, aber so weitreichend war der Wirkungskreis des Verlages. Seit 2004 verleiht die Stiftung den Teubner-Förderpreis an Personen und Organisationen, die sich um die Vermittlung mathematischer Fertigkeiten besonderes Verdienst erworben haben. Am 18. Mai wird dieser Preis in Berlin an die Mathematische Schülergesellschaft "Leonhard Euler" verliehen.

Und weil der Teubner Verlag so "abhanden" kam, erscheint der Band in einer 2003 von Jürgen Weiß gegründeten Edition im Haus des Buches zu Leipzig: Eagle, was mit dem englischen Adler eher nichts zu tun hat. Es ist die Abkürzung für Edition am Gutenbergplatz Leipzig, was dann nicht nur den Verlagsort würdigt, sondern auch die (teubnersche) Nähe zu Gutenberg und seiner Kunst.

Die Edition widmet sich im Grunde denselben Themenfeldern, die stets zu den Stärken des Teubner Verlages gehörten. Denn der Name wanderte zwar in die Welt – die Kompetenz der Akteure blieb aber in Leipzig. Und so erschienen denn bislang mehr als ein Dutzend Titel bei EAGLE. Die meisten natürlich mathematischen Inhalts. Aber besser kann man die Tradition wohl nicht fortsetzen, der 1856 in Leipzig starb.

Jürgen Weiß "B. G. Teubner zum 225. Geburtstag", Edition am Gutenbergplatz Leipzig, Leipzig 2009, 18,50 Euro.


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