Ein Senf-Büchlein hat noch gefehlt in der Mini-Reihe des Buchverlags für die Frau. Jetzt ist es da, aufgelegt natürlich mit einem regionalen Senf-Partner – in diesem Fall der Thüringer Firma Born. Mit Senf kann man sich, wie man sieht, einen Namen machen. Oder Ärger einhandeln, wie eine berühmte Redewendung verrät.
Anzeige
Natürlich geht es um die Wendung "seinen Senf dazugeben", von Ute Scheffler, der Autorin des Buches, lakonisch erklärt mit den Wirten des 17. Jahrhunderts, die es "mit ihrer Lust alles und jedes mit Senf zu versehen (passend oder nicht), derart übertrieben haben, dass wir bis heute unseren Senf dazugeben'". Man kennt ja ein paar Wirte: Aus purer Lust tun diese Burschen in der Regel nichts.
Das klingt dann ein wenig nach dem, was auch im senf-blog (ja, auch so etwas gibt es) zum Thema zu lesen steht. Da will man eine Erklärung im PM-Magazin gefunden haben: "Diese Redewendung stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert. Damals galt Senf als ein Gewürz, welches jede Mahlzeit als genüsslicher gelten ließ, selbst dann wenn es überhaupt nicht dazu passte. Sämtliche Wirte jener Zeit servierten, ob erwünscht oder nicht, einfach ihren Gästen Senf zur Speise dazu."
Komische Wirte. Sie müssen mit dem 17. Jahrhundert ausgestorben sein. Oder anders formuliert: Man kommt auch beim Senf nicht an einem bärtigen Burschen namens Karl Marx vorbei: Hinter aller Kultur steckt eiskalte Berechnung. Und bei Wirten, die in der deutschen Überlieferung gern als knauserig, geizig und habgierig geschildert werden, erst recht. Sie hatten eigentlich nie etwas zu verschenken. Auch keinen Senf. Und schon gar nicht im kriegsgeplagten 17. Jahrhundert. Trotzdem stellten sie Senf hin – auch zu den unpassendsten Gelegenheiten. Denn Senf galt als wertvoll.
Ute Scheffler: Senf-Büchlein.
Und so erklärt das Kindermagazin GEOlino die Sache noch am deutlichsten: "Damals galt Senf als etwas sehr Wertvolles. Wenn bei einer Mahlzeit Senf dabei war, dann dachten die Gäste, es sei ein besonderes Essen. Deshalb wandten manche Wirte einen Trick an: Sie gaben zu jedem Essen, das jemand in ihrer Wirtschaft bestellte, auch ein wenig Senf dazu. So sollte das Mal kostbarer wirken." Tja, und die Rechnung fiel dann eben ein bisschen höher aus.
Dass Senf diesen Ruf hatte, ist schon erstaunlich, denn – anders als orientalische Gewürze wie etwa der Pfeffer – war Senf im Mittelalter in vielen deutschen Küchen heimisch. Die Senfpflanze wuchs in mitteleuropäischen Gefilden, nur die Herstellung in Senfmühlen war ein wenig aufwändiger, so dass der oft auch auf besondere Art gewürzte Senf zuallererst natürlich in feudalen Haushalten zu finden war. In bürgerliche Haushalte hielt er erst mit der (vor-)industriellen Produktion im 18. und 19. Jahrhundert Einzug.
Aber das sorgte auch über Jahrhunderte für eine Wertschätzung, die selbst Luther zum Ausdruck bringt, wenn er seine Ehefrau als "senf gesetzet" bezeichnet, als würzige Zutat zu ihm selbst, dem eigentlichen Braten. Das ist das Herrliche an Luthers Sprich-Worten: Sie sind so treffend.
Ansonsten erzählt Ute Scheffler kurz und skizzenhaft von der langen Geschichte des Senfes, der seit Jahrtausenden zur menschlichen Küche gehört. Ein wenig intensiver geht sie auf die Geschichte des Hauses Born ein, was vielleicht die Senf-Spezialisten in Bautzen und Altenburg ein bisschen ärgern wird.
Kurz deutet sie an, wie vielfältig die Geschmacksrichtungen von Senf sein können. Man kann sich seinen ganz speziellen Senf auch selbst zusammenrühren. Dazu gibt es ein kleines Grundrezept, das dann mit einigen Tipps abgewandelt werden kann. Und der größere Teil des Büchleins bringt dann Rezepte, in denen der Senf entweder die Hauptrolle spielt oder die zweite Geige. Dass es dabei auch verrückte Kreationen wie Senf-Eis oder einen Melonen-Senf-Cocktail gibt, dürfte moderne Experimental-Köche nicht überraschen. Traditionalisten werden ganz gewiss Senf-Suppe und Senfeier bevorzugen. Man muss ja nicht an alles seinen Senf dazugeben.
Ute Scheffler "Senfbüchlein", BuchVerlag für die Frau, Leipzig 2009, 5 Euro.
Die Straße des 18. Oktober ist lang. Länger, als mancher denkt. Sie beginnt am Bayrischen Platz, führt schnurstracks zum Deutschen Platz und danach quer durchs alte Messegelände zum Völkerschlachtdenkmal. Eigentlich ist sie auch die Magistrale der Alten Messe, auch wenn sie derzeit nicht so aussieht. Aber sie soll wieder so aussehen. Stückweise ab 2013. mehr…
In „Voland & Quists Literatursalon“ im Horns Erben (Arndtstraße 33) tritt am Freitag, 10. Februar, ab 20 Uhr die Dresdner Lesebühne Sax Royal auf. Sax Royal sind der Kolumnist, Blogger und Moderator Michael Bittner, der Poetry-Slam-Bühnenheld Julius Fischer („Ich will wie meine Katze riechen“), der Lyriker und Prosaist Roman Israel, der Erzähler, Cartoonist und E-Orgel-Alleinunterhalter Max Rademann sowie Stefan Seyfarth. mehr…
„Anders wachsen – Eine sächsische christliche Initiative gegen die Ideologie des Wirtschaftswachstums“ lautet das Thema eines Vortrags- und Gesprächsabends am Freitag, 10. Februar. Die Veranstaltung im Pfarrhaus der Gnadenkirche Leipzig-Wahren, Rittergutsstraße 2, beginnt um 20 Uhr. mehr…
Die Selbsthilfegruppe für Kinderlose sucht neue Mitstreiter zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch. Nächster Treff ist am kommenden Mittwoch, 8. Februar, um 19 Uhr im Soziokulturellen Zentrum „Die Villa“ (Beratungsraum 3. Etage, Lessingstraße 7), teilt das Gesundheitsamt mit. mehr…
Ganz unbekannt ist Anne Dorn als Lyrikerin nicht. Aber trotzdem feiert die 1925 in Wachau bei Dresden Geborene mit 86 eine Premiere: Erstmals erscheinen ihre Gedichte in einem eigenen Band - und das noch als Nummer 1 der Reihe "Neue Lyrik", die im Poetenladen erscheint. Ein Auftakt in Quittegelb. mehr…
Die Fördermittelvergabe durch den schwarz-gelb regierten Freistaat orientiere sich offenbar weniger an den tatsächlichen Problemlagen als an Parteipräferenzen, meint Ilse Lauter. Eine solche Einschätzung lege die jüngste Analyse der Dresdner Vergabepraxis für die Jahre 2007 bis 2010 nahe, nach der Leipzig insgesamt 600 Millionen Euro weniger Mittel erhalten hat als die Landeshauptstadt. mehr…
„Zum jetzigen Zeitpunkt sind Kürzungen bei der Förderung im Bereich erneuerbare Energien und energieeffizientes Bauen das völlig falsche Signal. Es fehlt ein schlüssiges Gesamtkonzept. Die Energiewende ist so nicht zu schaffen“, erklärt Reinhard Schröter, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, vor der Sitzung des Vermittlungsausschusses (8. Februar) zwischen Bund und Ländern zur steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung. mehr…
Das Viertelfinale im europäischen Cupwinners Cup ist für die Handballerinnen des HC Leipzig zum Greifen nah. Im Achtelfinal-Hinspiel am Sonntag gab die Madsen-Sieben ihren mazedonischen Gästen von Metalurg Skopje einen 12-Tore-Rucksack mit auf die Heimreise. Ob der schwer genug ist, wird sich bereits am kommenden Sonntag herausstellen. mehr…
Die beiden sind eigentlich putzig. Mutti macht in Frankreich Wahlkampf und der Kleine kommt sicher auch mal vorbei, wenns 2013 losgeht. Obwohl man kaum glaubt, dass dies etwas nützen sollte. Und natürlich nur wenn er gegen den bösen Sozialisten die Wahl gewinnt. Heute saßen sie traut vereint vor der ZDF-Kamera und erklärten die Welt. mehr…
Martin Scorsese ist Cineasten bekannt für harte Stoffe. Seine Mafia-Trilogie hat längst Kultstatus. Zuletzt tischte er dem Publikum mit "Shutter Island" (2010) einen düsteren Psychothriller auf. Sein Kinderfilm-Debüt "Hugo Cabret" entpuppt sich dagegen als leicht verdauliche Kost höchster Güte. mehr…
Kettcar ist mit "Zwischen den Runden“ zurück. Und wie! Vor allem anders als erwartet. War ihre letzte Scheibe „Sylt“ eine wütende, eher weniger positive Bestandsaufnahme der Gegenwart, so dominieren jetzt die persönlichen, auch ruhigeren Töne. Auf einmal gewinnen die Texte enorm an Bedeutung. Für Radio Mephisto ist die CD schon jetzt das Album der Woche. mehr…
Armin Zarbock ist Schauspieler. Sonst oft in den Leipziger Cammerspielen zu sehen, verschlägt es ihn am 8. Februar ins Horns Erben. Zusammen mit Susanne Bolf und August Geyler erzählt er die Geschichte von Adolf Südknecht und Familie. Mal historisch verbürgt, mal halb wahr, mal völlig erfunden. Armin Zarbock erzählt mehr. mehr…
"Stellplatzbaupflicht - Fluch oder Segen?" heißt eine Veranstaltung im Tapetenwerk am 8. Februar. In der "K3 Werkstatt" im Haus K diskutieren Verkehrsexperten über den Sinn oder Unsinn von Parkplätzen. Die so genannte Stellplatzbaupflicht gehört dazu. Jürgen Kasek, Vorsitzender BUND Regionalgruppe Leipzig, gab der L-IZ im Interview einen Einblick rund um das Auto und seinen Stellraum. mehr…
Dietmar Pellmann rechnet gern. Eigentlich ist der Landtagsabgeordnete der Linken studierter Historiker. Aber mit Zahlen lässt sich Geschichte ganz hübsch illustrieren. Diesmal hat er den Finanzminister nach den sächsischen Staatspensionären gefragt. 4.519 gab es davon zum Stichtag 31. Dezember 2011. Dazu 816 Witwen und Waisen. mehr…
Während Bürgerinitiativen in Frankfurt, München, Berlin und Leipzig verzweifelt darum kämpfen, den Fluglärm über ihren Köpfen eingedämmt zu bekommen, hat die EU-Kommission gerade eine Verordnung auf den Weg gebracht, die Betriebsbeschränkungen an Flughäfen aufheben kann, wenn sie den Wettbewerb einschränken. mehr…