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Würzige Zugabe für Wurst und Wirte: Senf-Büchlein

Ralf Julke
Senf-Büchlein.
Senf-Büchlein.
Ein Senf-Büchlein hat noch gefehlt in der Mini-Reihe des Buchverlags für die Frau. Jetzt ist es da, aufgelegt natürlich mit einem regionalen Senf-Partner – in diesem Fall der Thüringer Firma Born. Mit Senf kann man sich, wie man sieht, einen Namen machen. Oder Ärger einhandeln, wie eine berühmte Redewendung verrät.

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Natürlich geht es um die Wendung "seinen Senf dazugeben", von Ute Scheffler, der Autorin des Buches, lakonisch erklärt mit den Wirten des 17. Jahrhunderts, die es "mit ihrer Lust alles und jedes mit Senf zu versehen (passend oder nicht), derart übertrieben haben, dass wir bis heute unseren Senf dazugeben'". Man kennt ja ein paar Wirte: Aus purer Lust tun diese Burschen in der Regel nichts.

Das klingt dann ein wenig nach dem, was auch im senf-blog (ja, auch so etwas gibt es) zum Thema zu lesen steht. Da will man eine Erklärung im PM-Magazin gefunden haben: "Diese Redewendung stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert. Damals galt Senf als ein Gewürz, welches jede Mahlzeit als genüsslicher gelten ließ, selbst dann wenn es überhaupt nicht dazu passte. Sämtliche Wirte jener Zeit servierten, ob erwünscht oder nicht, einfach ihren Gästen Senf zur Speise dazu."

Komische Wirte. Sie müssen mit dem 17. Jahrhundert ausgestorben sein. Oder anders formuliert: Man kommt auch beim Senf nicht an einem bärtigen Burschen namens Karl Marx vorbei: Hinter aller Kultur steckt eiskalte Berechnung. Und bei Wirten, die in der deutschen Überlieferung gern als knauserig, geizig und habgierig geschildert werden, erst recht. Sie hatten eigentlich nie etwas zu verschenken. Auch keinen Senf. Und schon gar nicht im kriegsgeplagten 17. Jahrhundert. Trotzdem stellten sie Senf hin – auch zu den unpassendsten Gelegenheiten. Denn Senf galt als wertvoll.

Ute Scheffler: Senf-Büchlein.
Ute Scheffler: Senf-Büchlein.
Und so erklärt das Kindermagazin GEOlino die Sache noch am deutlichsten: "Damals galt Senf als etwas sehr Wertvolles. Wenn bei einer Mahlzeit Senf dabei war, dann dachten die Gäste, es sei ein besonderes Essen. Deshalb wandten manche Wirte einen Trick an: Sie gaben zu jedem Essen, das jemand in ihrer Wirtschaft bestellte, auch ein wenig Senf dazu. So sollte das Mal kostbarer wirken." Tja, und die Rechnung fiel dann eben ein bisschen höher aus.

Dass Senf diesen Ruf hatte, ist schon erstaunlich, denn – anders als orientalische Gewürze wie etwa der Pfeffer – war Senf im Mittelalter in vielen deutschen Küchen heimisch. Die Senfpflanze wuchs in mitteleuropäischen Gefilden, nur die Herstellung in Senfmühlen war ein wenig aufwändiger, so dass der oft auch auf besondere Art gewürzte Senf zuallererst natürlich in feudalen Haushalten zu finden war. In bürgerliche Haushalte hielt er erst mit der (vor-)industriellen Produktion im 18. und 19. Jahrhundert Einzug.

Aber das sorgte auch über Jahrhunderte für eine Wertschätzung, die selbst Luther zum Ausdruck bringt, wenn er seine Ehefrau als "senf gesetzet" bezeichnet, als würzige Zutat zu ihm selbst, dem eigentlichen Braten. Das ist das Herrliche an Luthers Sprich-Worten: Sie sind so treffend.

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Ansonsten erzählt Ute Scheffler kurz und skizzenhaft von der langen Geschichte des Senfes, der seit Jahrtausenden zur menschlichen Küche gehört. Ein wenig intensiver geht sie auf die Geschichte des Hauses Born ein, was vielleicht die Senf-Spezialisten in Bautzen und Altenburg ein bisschen ärgern wird.

Kurz deutet sie an, wie vielfältig die Geschmacksrichtungen von Senf sein können. Man kann sich seinen ganz speziellen Senf auch selbst zusammenrühren. Dazu gibt es ein kleines Grundrezept, das dann mit einigen Tipps abgewandelt werden kann. Und der größere Teil des Büchleins bringt dann Rezepte, in denen der Senf entweder die Hauptrolle spielt oder die zweite Geige. Dass es dabei auch verrückte Kreationen wie Senf-Eis oder einen Melonen-Senf-Cocktail gibt, dürfte moderne Experimental-Köche nicht überraschen. Traditionalisten werden ganz gewiss Senf-Suppe und Senfeier bevorzugen. Man muss ja nicht an alles seinen Senf dazugeben.

Ute Scheffler "Senfbüchlein", BuchVerlag für die Frau, Leipzig 2009, 5 Euro.


www.senf-blog.de


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