Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche




Tagesübersicht Leipziger Internet Zeitung
Alle Nachrichten von: heute | gestern | vorgestern

Kurze, lakonische Stories aus Hamburg: Ich wäre tendenziell für ein Happyend

Ralf Julke
Ich wäre tendenziell für ein Happy End.
Ich wäre tendenziell für ein Happy End.
"Geschichten wie Bilder von Edward Hopper", schwärmt der Verlag. Das Hamburger Abendblatt zeigt cineastische Kenntnisse: "Prosa, deren Skurrilität und schnelle Schnitte an Filme wie 'Short Cuts' und 'Pulp Fiction' erinnert." Knapp daneben ist auch fast getroffen.

Anzeige

Nicht nur in der Schwierigkeit mit Mehr- und Einzahl. Denn an "Short Cuts" erinnern die Short Stories des 1971 geborenen Nils Mohl vor allem deswegen, weil der Autor, dessen Geschichten als Vorlage zu Robert Altmans Film "Short Cuts" dienten, wohl auch zur Lieblingslektüre von Nils Mohl gehört: Raymond Carver. Mit "Short Cuts" erlebte der 1988 an Lungenkrebs und kaum 50 Jahre alt gewordene us-amerikanische Autor in Deutschland 1993 noch einmal ein kleines Revival. Und Altman bekam eine Menge Lob dafür, mit welcher Kompetenz er die kargen, zuweilen boshaften Geschichten Carvers in Filmbilder umgesetzt hat.

Immerhin geht es da nirgendwo um hollywoodreife Effekte, um Abenteuer oder gar Action. Mit präzisem Blick und minimalistischen Dialogen bildete Carver die Verlorenheit, die Hilflosigkeit und die Selbstquälerei der amerikanischen Mittelklasse ab. Paare und Mini-Familien auf der Suche nach ein bisschen Sinn im Leben, der Erfüllung einer Partnerschaft im Eigenheim draußen in der wüsten Landschaft vor der Stadt – ein Leben zwischen Highway und Weekend, Swimmingpool und Ratlosigkeit.

Geschichten, die in kurzen, präzisen Szenen und Dialogen auf einen tragischen Höhepunkt zuzutreiben scheinen – und dann endet die Sache doch wieder in einem lakonischen Schulterzucken, dem endlosen Schrillen eines Telefons, der Heimkehr in Verhältnisse, die irgendwie genau das zu sein scheinen, was Jean-Paul Sartre einst als Hölle empfand.

Nils Mohl: Ich wäre tendenziell für ein Happy End.
Nils Mohl: Ich wäre tendenziell für ein Happy End.
Und das Ganze scheint auch auf die Geschichten des Hamburgers Nils Mohl zuzutreffen, der immer wieder in einschlägigen Kurzgeschichten-Anthologien auftaucht, auch schon Preise bekam für das, was er da anstellte. Zweimal platzierte er sich für den MDR-Literaturpreis. Aber seine Pasta verdient er sich wohl doch noch mit Werbetexterei und einer Arbeit als Dozent. Wenn er nicht raucht, hat er vielleicht eine Chance, dem Schicksal Carvers zu entkommen und zum Lob einiger Feuilletonisten auch ein paar erfolgreiche Bücher und mehrere Leser zu generieren. Genug, die es sich zutrauen, in seine keineswegs glatten Geschichten einzusteigen. Geschichten, für die es oft genug keinen Schlüssel gibt, kein Erklärungsfähnchen und schon gar kein Happy End.

Auch wenn es sich der Held der tendenziell ersten Geschichte so wünscht. Aber wünschen kann man sich viel auf deutschen Autobahnen und im Gefühlsleben der beiden Geschlechter, um die es zwar meistens geht, wenn man über Gefühle, Sex und Erfüllung in der Welt der Halb, Fast- und Ganz-Erfolgreichen erzählt.

Aber irgendwie ist die alte bräsige Bundesrepublik in den letzten 20 Jahren dem Amerika der Nixon-Ära erstaunlich ähnlich geworden. Es ist nicht einmal die viel kritisierte Werbung vom geilen Geiz, die hier ihre seltsamen Auswirkungen zu zeigen scheint, sondern der fast biedere Spruch einer Sparkassen-Werbung, die eigentlich einmal witzig gedacht war: Mein Haus, mein Boot, mein Auto. Oder so ähnlich. Und der leider nie witzig genug war, diese Art Vorstellung vom Wichtigen im Leben ad absurdum zu führen.

Und so treiben Nils Mohls Heldinnen und Helden genauso hilflos und erfolgsgenötigt durchs Leben wie die Figuren in Carvers Geschichten, sprechen über das, was sie quält und umtreibt mit niemandem, aber quälen einander in einem Tanz der leeren Worte, falschen Rollen. Die Erfolgsattribute der schönen neuen Welt machen einsam, Liebesgeschichten werden zu Kraftakten. Manchmal scheint's dann doch, ganz unverbindlich, mit einer Grazie namens Mia-Marie zu klappen. Wenigstens die Erfahrung eines Liebesabenteuers am Flussstrand.

Mehr Bücher:



Stöbern in unserer Bücher-Rubrik
Seit 2004 bespricht die L-IZ regelmäßig die neuesten Bücher aus Leipzig.
Aber man ahnt schon irgendwie: Auch diese diätgeformte Schönheit wird nach dem letzten Punkt in der Geschichte ihren Rucksack schnappen und wieder verschwinden aus dem Hier und Jetzt. Oder die zu erwartenden Dramen passieren dann auf er weißen Seite nach der Geschichte, wenn der Held eigentlich schon weiß: Es wird passieren. Selbst wenn er jetzt aufsteht und geht.

Es gibt auch zwei Geschichten, da wird das Drama samt Finale geschildert. In der letzten, "Birth. School. Work. Death" wird es dann ganz furios, kehrt Mohl seine Arbeitsmethode um und entwickelt aus lauter kleinen Es-passiert-ja-doch-nicht-Geschichten eine große Verwicklung, in der dann alles auf einmal passiert. Sehr zur Freude des Dorfpolizisten.

Und das Happy End an dieser Besprechung? – Es gibt keines. Zumindest für Leute, die derart genaue Blicke in die unheilige Welt moderner Einsamkeiten nicht mögen. Wer Carver mag, ist hier bestens bedient. Und wird sich – wie bei Carver – wünschen, dass da noch mehr kommt. Hauptsache, der Bursche lässt das Rauchen sein.

Nils Mohl "Ich wäre tendenziell für ein Happy End", Plöttner Verlag, Leipzig 2009, 14,90 Euro.


Funktionen

del.icio.us Mister Wong Technorati Blogmarks Yahoo! My Web Google Bookmarks




Weitere aktuelle Nachrichten der L-IZ.

Am 10. Februar: Canella-Trio musiziert für die Orgel in der Emmauskirche

„Pro Organo“ - eine Konzertreihe zugunsten der Orgel in der Emmauskirche Sellerhausen - beginnt am Freitag, 10. Februar, mit einem Familienkonzert. „Pro Organo“ heißt die Konzertreihe mit der die evangelische Kirchgemeinde Sellerhausen Spenden für die notwendige Reparatur und Erneuerung ihrer Orgel in der Emmauskirche (Wurzner Straße 160) sammelt. mehr…

Am 8. Februar im Fundbuero: Freiheit und Demokratie – Eine offene Debatte

Am Mittwoch, 8. Februar, um 19:00 Uhr lädt Das Fundbuero ein zur Diskussion unter dem Thema „Freiheit und Demokratie – Eine offenen Debatte.” - Freiheit und Demokratie, das waren die zentralen Forderungen im Herbst 1989. Mit dem Ende der SED-Herrschaft, den Runden Tischen und den ersten freien und geheimen Wahlen zur Volkskammer im März 1990 waren diese Forderungen erfüllt. mehr…

Schnicksenpogo: Nel Arta landet mal wieder im schlimmsten Schlamassel

Nel Arta mal wieder in Schwierigkeiten: Schnicksenpogo.
Nel Arta alias Cornelius Artjens hat ein Problem. Sie ist ein bisschen außer Rand und Band. Verständlich nach ihrem recht turbulenten Ausflug nach Brasilien, wo sie ihre Geschlechtsumwandlung eigentlich perfekt machen lassen wollte. Aber billig ist auf dem Markt der Geschlechtsumwandlungen mordsgefährlich. Und das Abenteuer endet keineswegs mit der geglückten Rückkehr nach Deutschland. mehr…

Schlamperei im Amtsgericht: Lok-Schläger kommen nach Überfall straffrei davon

Sein Opfer wird den 11. Juli 2008 nie vergessen: Bei sommerlichen Temperaturen soll Andreas S. in der Nähe des Mockau Centers einen jungen Fan der BSG Chemie Leipzig angegriffen haben. Der Lok-Fan, der von seinen Freunden "Bowale" genannt wird, schlug laut Anklage mehrfach auf sein wehrloses Opfer ein. Der 16-Jährige erlitt eine Platzwunde, entkam aber zunächst seinem Peiniger. mehr…

Untersuchungsausschuss zur NSU-Zelle: SPD-Fraktion wirbt weiter für gemeinsamen Einsetzungsbeschluss

Martin Dulig.
Am Donnerstag, 2. Februar, und Freitag, 3. Februar, kam die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag zu ihrer Jahresauftaktklausur in Radebeul zusammen. Neben dem diesjährigen Schwerpunktthema „Starke Wirtschaft. Faire Arbeit. In Sachsen.“ wurden auch aktuelle parlamentarische Initiativen beraten. So diskutierten die Abgeordneten die weitere Vorgehensweise bezüglich eines Untersuchungsausschusses rund um das Thema der Zwickauer Terrorzelle. mehr…

Uni-Riesen vs. Hanau 80:68 - Die Kraft der sechs Streifen

Ralph Schirmer am Ball. Die Teilnahme an den Playoffs hat er mit seinem Team nun sicher.
Was für ein wichtiger Sieg für die Uni-Riesen. Die Grünweißen besiegten in ihrem Heimspiel am Freitagabend die zuvor fünfmal siegreichen White Wings Hanau mit 80:68 (49:36) und sicherten sich damit die Playoff-Teilnahme um den Aufstieg in die ProA. Doch die Schlussphase geriet zur Nervenschlacht. Spielentscheidend waren insgesamt sechs dunkelgrüne Streifen. mehr…

Schwarwels Fenster zur Welt: Gut(ti) getortet

Gutti getortet! Hahahaaha! Hä? Das könnte man einen klassischen Zielkonflikt nennen. Oder schlicht ein Zeichen für galoppierende Hirnschmelze durchs "24-Stunden-Netzen". Eigentlich hätte die Torten schmeißende "Hedonistische Internationale" einen Aufnahmeantrag für den Gockel dabei haben sollen. Oder wär gleich zu Hause geblieben. Aber eitle Menschen unter sich im hippen Berlin - da konnte man schlecht widerstehen, da musste man hin. mehr…

SC DHfK-Handballer: Nur noch 20 Spiele mit Philipp Seitle

Philipp Seitle auf dem Sprung.
Die Handballer des SC DHfK Leipzig müssen die kommende Saison ohne Spielgestalter Philipp Seitle planen. Das 26-jährige Kraftpaket wechselt im Sommer zurück in seine Heimatregion und wird dort für den Noch-Ligakonkurrenten TV Neuhausen auflaufen. mehr…

Rotwein saufendes Schunkelmonster: Daniel Orange im Interview

Jim Cantona nennt sich der Gitarrist der Rocker aus Altenburg. Er nahm sich Zeit, um etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern. "Daniel Orange" hat 2012 einiges vor. Der Klampfer stellt viele Live-Auftritte in Aussicht, schaut zurück und nach vorne. Wie aber alles am Ende klingen wird, verrät Jim noch nicht. mehr…

Lok: Präsident verkauft seine Anteile von Sponsor Goldgas & weitere Verstärkungen in Sicht

Michael Notzon
Lok Leipzigs Präsident Michael Notzon ist nicht mehr Geschäftsführer beim Lok-Hauptsponsor goldgas. Zusammen mit den anderen drei bisherigen Anteilseignern hat der Geschäftsmann seine Anteile am Gasversorger an den Finanzinvestor Fonds bluO verkauft. Auswirkungen auf den FCL soll das jedoch nicht haben, würde also weiterhin eingeplanten Verstärkungen nicht im Weg stehen. mehr…

Schließen Sie ihre Hütte ab! - Neues aus der Polizeifunkanstalt Leipzig

Die Leipziger Polizei ist nicht müde auf eine wichtige Verhaltensregel hinzuweisen. Es geht nicht ums Radfahren ohne Licht, oder um Geisterfahrten mit dem Auto oder Schwarzfahren mit der Tram. Anscheinend gibt es ein paar Leipziger, die so vertrauensselig sind, dass sie ihre Wohnung unverschlossen verlassen. Erneut kommt ein Hinweis aus dem Pressebüro der Polizei zum Verlassen der eigenen Häuslichkeiten: "Schließen Sie Ihre Hütte ab!" mehr…

Galerie Schwind: Geburtstagsausstellung gratuliert Gero Künzel zum Fünfzigsten

Gero Künzel wird 50. Seit 1990 gehört der Erfurter Maler zum Künstlerstamm der 1989 gegründeten Galerie Schwind. Es ist in Leipzig das Zuhause der "Leipziger Schule" geworden. Der einstige Meisterschüler von Bernhard Heisig ist einer ihrer Vertreter. Die Galerie Schwind ehrt ihn im Februar und März im Tübkehaus in der Springerstraße mit einer Geburtstagsausstellung. mehr…

Richard-Wagner-Verband Leipzig: Erstes Licht fällt auf eine Kooperation zwischen Leipzig und Israel

Noch 2001 endete eine Wagner-Aufführung von Dirigent Daniel Barenboim in Israel mit einem Eklat. Eigentlich wird Richard Wagner in Israel boykottiert. Der Leipziger Sohn galt selbst als "anti-jüdisch". Sogar Philosoph Friedrich Nietzsche wendete sich mit Grausen von ihm ab. Adolf Hitler soll aufgrund des Hörens von Wagner-Opern "erleuchtet" worden sein. Israelis setzten Wagner als Soundtrack für den Holocaust gleich. Es gibt viele Gründe, Wagner nicht zu mögen. Jetzt scheint es anders zu werden. mehr…

Senioren-Residenz in Gohlis: Semmelhaack will Pflegewohnstift im August 2012 fertigstellen

Pflegewohnstift Gohlis.
Ende August dieses Jahres wird das Pflegewohnstift Gohlis in Leipzig fertiggestellt. Das teilt die Wohnungsbaugesellschaft Th. Semmelhaack GmbH mit. Mit einem Investitionsvolumen von rund 13,5 Millionen Euro entsteht an der Ecke Lindenthaler/Georg-Schumann-Straße derzeit eine Pflegeeinrichtung mit 122 Einzelzimmern auf einer Fläche von insgesamt rund 6.765 Quadratmetern. mehr…

Neulich im Landgericht: Bewährungsstrafe nach Parkplatz-Attacke

Landgericht Leipzig
Dass sich die Kooperation mit der Justiz lohnen kann, beweist der Prozess gegen Tom M. Das Landgericht verurteilte den 23-jährigen Colditzer am Freitag wegen räuberischer Erpressung und Körperverletzung zu 14 Monaten auf Bewährung. Er hatte am 7. März 2010 offenbar aus Liebe zusammen mit seiner damaligen Partnerin deren Ex-Freund abends auf dem Aldi-Parkplatz in der Essener Straße in einen Hinterhalt gelockt, angegriffen und ausgeraubt. Die magere Beute: Ein Handy und 110 Euro. mehr…

Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Anzeigen.
Zur Website der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH

VERKEHRSMELDUNGEN:

NACHRICHTEN:

SCHNELLER SERVICE:

Theater der Jungen Welt
Abendveranstaltungen
Weitere Termine unter: www.tdjw.de
Aktuelle Dossiers.
Anzeigen.
Leipziger Leselust Leipziger Leselust ... seit 2004 bespricht die L-IZ regelmäßig die neuesten Bücher Leipziger Autoren und Verlage.
Link-Tipps.
Bildblog



Anzeige