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Mysteriöse Vorgänge beim Wettbewerb um das Berliner Stadtschloss: Johannes Martinis „Parallelaktion“

Ralf Julke
Parallelaktion.
Parallelaktion.
Wenn es um Großprojekte geht wie das heiß diskutierte Stadtschloss in Berlin, um Ersatzbau oder Neubau – dann geht es hinter den Kulissen hoch her, dann wird getrickst, geschoben, Stimmung gemacht. Dann werden kriminelle Leidenschaften lebendig. Stoff für einen rabenschwarzen Krimi.

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Mit dem kleinen Unterschied zum üblichen Standard in diesem Metier: Die Polizei ist an der Aufklärung der Vorgänge, die den kleinen Kokain-Kurier Hermann aus seinem üblichen Trott reißen, nicht sonderlich interessiert. Und auch die Presse der Hauptstadt ist es nicht sonderlich, schon gar nicht Herr Marker, der große Boss beim Express, der mit seiner Reporterin Lydia Sonntag so umspringt, wie das heute in einigen großen und kleinen Medienhäusern so üblich ist: Wer nicht auf Los! den großen Enthüllungstext liefert, der riskiert seinen Job.

Naja: Lydia riskiert ihr Leben und ist der großen Geschichte tatsächlich auf den Fersen, als ein tragisches Malheur dafür sorgt, dass sich Lydias Kokainsucht, Hermanns kleiner Seitensprung und die Machenschaften einiger arrivierter Berliner Herren zu einer verzwickten Geschichte verzwirnen, in der selbst der Leser dann und wann so ein dummes Gefühl bekommt, als hätte er auch gerade ein paar Kristalle eingezogen.

Johannes Martini: Parallelaktion.
Johannes Martini: Parallelaktion.
Der 1971 geborene Johannes Martini spielt mit den Möglichkeiten einer Erzählung, in der der Hauptheld so seine eigenen Probleme mit einer nüchternen Sicht auf die Ereignisse hat. Ein spannender Vorgang – weniger wegen der Helden, die irgendwie wie abgepaust aus den diversen Vorabendkrimis des deutschen Fernsehens wirken, als vielmehr dieses Einklinkens wegen in die Wahrnehmung des Protagonisten, der ein von den Ereignissen Getriebener ist. Man merkt, dass Martini als Psychiater und Neurobiologe arbeitet. Er kennt seine Pappenheimer und die seltsamen Vorgänge, mit denen Menschen ihre Umwelt im Kopf verarbeiten, Schlüsse ziehen und Geschichten spinnen.

Er weiß, wie viele Fettnäpfchen es da gibt – schon für den unbescholtenen Mitmenschen, der keineswegs einen etwas kriminellen Gelderwerb tarnen und ein paar unschöne Ereignisse der letzten Tage vertuschen muss. Wenn dann gar noch ein paar andere Mitspieler die Handlung forcieren, die selbst so ihre Schwierigkeiten mit der eigenen Vergangenheit haben, wird's mehr als turbulent.

Natürlich erfährt man, wer den berühmten Star-Architekten Unzinger umgebracht hat, darf mit Hermann einen etwas verwirrten Blick hinter die Kulissen einer Stadt werfen, in der die scheinbar offenkundigen Ereignisse nie wirklich offenkundig sind. Die Verwirrung hindert den Helden keineswegs daran, aus einer Erkenntnis in die nächste zu stolpern.



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Parallelaktion
Johannes Martini, Plöttner Verlag Leipzig, 2009, 17,90 Euro
Nur die ihn wirklich betreffenden Dinge scheint er recht locker zu nehmen. Wie das so ist, wenn der Geist seine eigenen Wege geht und andere Leute die Initiative haben. Ein Ansatz, der durchaus begreifbar macht, warum ein stromlinienförmiger Mensch wie Hermann einen Kokain-Express für ein gewöhnliches und pfiffige Erfolgsmodell hält.

Ein spannungsgeladenes Buch über die Abgründe menschlicher Erklärungsmuster. Hauptsache, irgendwas wird gut. Der Rest ist dann egal. Irgendwie. Und selbst die Polizei scheint sich über ein paar Leichen mehr oder weniger nicht sonderlich aufzuregen. Eine Geschichte also aus einer durchaus irdischen Welt. Fast ein kleiner Anti-Krimi, der mit dem Glauben aufräumt, man brauche nur zu wissen, wer der Täter war – und alles wird gut.


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