Ein Bilderbuch für trübe Monate: Mikkeli, Mekkeli und der Zauber des Herbstes
Ralf Julke
08.05.2010
Mikkeli & Mekkeli.
Foto: Ralf Julke
Es ist eine richtig goldige Geschichte, die dem Grafiker, Designer, Schauspieler und Autor Thomas J. Hauck da gelungen ist mit "Mikkeli & Mekkeli". Goldig, weil Mikkelis Lieblingsjahreszeit darin die Kulisse bildet: der Herbst, wenn die Blätter sich gelb färben und die Luft noch nach Sommer riecht.
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Ein Stück Herbst, das für gewöhnlich viel zu kurz kommt und oft genug schon in trüben Nieselregen und rabiaten Stürmen untergeht. Und da, wo Mikkeli lebt, "in einem Land mit ganz vielen Seen", da muss der Herbst besonders goldig sein. Aber man kann es der Frau mit dem roten Kopftuch und den vielen Sommersprossen nachfühlen: Diese schönen Tage, bevor es für Monate trist und nass und grau wird, die möchte man schon gern festhalten.
Von Gertrud Zucker bunt bebildert: Mikkeli & Mekkeli.
Foto: Ralf Julke
Mikkeli genießt die Tage aus ganzem Herzen, spielt auf ihrem Akkordeon und singt dazu. Mekkeli ist die Ziege, die mit ihr die Einsamkeit am See und bei den drei roten Häuschen teilt. Die beiden sind's zufrieden. Und weil die schönen Tage nicht aufhören, singt Mikkeli immer schöner und fröhlicher. Und eines Tages hebt die Musik sie einfach in die Luft. So möchte man wohl auch mal singen können.
Hauck erzählt, wie es die fröhliche Mikkeli in die große Stadt trägt – mitten hinein in einen Zirkus. Und weil das ein Märchen ist, wird sie von den Artisten nicht geärgert, sondern bekommt vom Direktor einen Vertrag. Drei Mal am Tag darf sie musizieren und zeigen, wie sie samt ihrer Begleiterin Mekkeli unter der Zirkuskuppel schwebt. Und wenn man so recht hinschaut, dann bahnt sich da ganz am Rand der Geschichte eine kleine Liebelei an. Eine ganz klitzekleine, mit Matka, dem Mann, der mit dem Kranich sprach.
Thomas J. Hauck / Gertrud Zucker: Mikkeli & Mekkeli.
Foto: Ralf Julke
Aber weil es ein Märchen ist, wird diese Geschichte nicht erzählt. Denn das Ende ist auf seine Weise wehmütig. So wie der Tag, an dem der schönste Goldherbst immer seinen Knacks bekommt. Irgendein Windstüber aus Norden. Irgendein nasser Hauch aus Ost. Ein kleines Klirren in der Nacht. Man weiß ja, wie das ist jedes Jahr: Irgendwann ist der Zirkus vorbei. Und so geht es auch Mikkeli. Die traurigen Ahnungen krabbeln in ihr Lied. Am Ende flennt der ganze Zirkus und Mikkeli und Mekkeli fliegen wieder nach Hause.
Die Künstlerin Gertrud Zucker, die malt wie eine 14-Jährige, hat die Geschichte illustriert – farbenfroh und liebevoll. Sie lebt in Bad Saarow und ist ein klein wenig älter als 14 und hat schon über 100 Bücher illustriert, Kinderbücher zumeist. Dies hier ist unter anderem auch ein Kinderbuch. Es ist aber auch Buch für die großen Kinder, die noch ein bisschen romantisch sind und nicht immer nur erwachsene Geschichten lesen oder hören oder anschauen wollen. Oder die in diesen trüben sechs Monaten zwischen Goldherbst und Frühling ein bisschen was Sonniges brauchen zum Wiederauftauen.
Thomas J. Hauck / Gertrud Zucker "Mikkeli und Mekkeli", Plöttner Verlag, Leipzig 2009, 12,80 Euro, hier das Buch bestellen
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