Zwei Leipziger Radiomoderatoren greifen zum Glas: BöFis Bierfibel
Ralf Julke
11.06.2011
BöFis BierFibel.
Foto: Ralf Julke
Das kann man sich schon gut vorstellen, wie die beiden kurz nach 10 Uhr mit trockenen Kehlen vom Studiostuhl aufstehen und ermattet "Tschüss!" sagen und "Bis Morgen!" und dann auf schnellstem Weg das Radiozentrum in der Thomasgasse 2 verlassen, um den nächsten Freisitz anzusteuern: Höchste Zeit für ein Bier.
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Immerhin ist das für Thomas Böttcher (45) und Uwe Fischer (42) schon Feierabend. Da haben die beiden Moderatoren fünf Stunden am Stück geplappert und versucht, die Sachsen aus dem Schlaf zu rütteln. Ihre Studioschicht beginnt wochentags um 5 Uhr. Da sind in Leipzigs Innenstadt noch nicht einmal die Straßenkehrer unterwegs. Die ersten Büromenschen tauchen gegen 7 Uhr auf, die Lieferfahrzeuge meist erst zwei Stunden später.
Um 10 Uhr, wenn "BöFi", wie sich das Moderatoren-Duo seit Jahren abkürzt und wie es schon auf verschiedenen Sendern im Ländle zu hören war, das Radiozentrum verlässt, da öffnen gerade die Geschäfte. Die ersten Touristen laufen offenen Mundes durch die Stadt. Und natürlich fragt da der eine den anderen - gerade in diesen sommerlichen Tagen: "Noch Lust auf ein Bier?" - "Naja. Eins kann ja nicht schaden."
Da hatten Bötcher & Fischer eine Menge Spaß: BöFis BierFibel.
Foto: Ralf Julke
Zuweilen werden es doch mehr. Zumindest lässt sich das vermuten, wenn die beiden in diesem Taschenbuch aus dem Hallenser Projekte-Verlag über das Bier erzählen. Oder besser: viele Biere. Von A wie Altbier bis zum Zoigl. Sie tun es ohne Bierernst. Und sie tun es mit Witz. Der Leser merkt, dass die beiden, die fest zum Namen des Radiosenders "R.SA - Mit Böttcher & Fischer" gehören, 20 Jahre Training am Mikrophon hinter sich haben. Wer das Publikum morgens auf der eigenen Welle fesseln will, braucht Sprachwitz und den Sinn für passende Pointen. Auch wenn das manchmal nur eine witzige Wortspielerei ist - wenn's klug ist und sitzt, hebt man sich auch als Moderator deutlich ab vom üblichen Wellengeplapper. Und abheben müssen sich die beiden. Denn R.SA teilt sich die Frequenz mit dem Uni-Radio Mephisto. Das geht ab 10 Uhr auf Sendung. Da darf kein Bruch sein, sonst wird's peinlich.
Und so unterscheidet sich die Bierfibel, die die beiden auf Anregung des Journalisten Frank Richter verfasst haben, auch positiv von den meisten Bier-Spaß-Büchern der Nation. Sie kennen zwar die Abgründe, in die man geraten kann, wenn man zu viele Helle oder Dunkle in sich hineingeschüttet hat oder wenn der Stammtisch sich im Testosteron-Rausch übertrifft im Maulheldentum, sie bevorzugen aber die freundliche und selbstironische Art, über das Thema zu sprechen. Immerhin gehört das Bier ja zu den Grundnahrungsmitteln vieler deutscher Männer. Da kennen viele Bauchträger und Lokalpatrioten keinen Spaß.
Dass das Lieblingsgetränk vieler Deutscher ein ganzes kleines Weltall von Späßen, Anekdoten, Kalauern und Anspielungen um sich versammelt hat, gibt Böttcher und Fischer Stoff genug, sich fröhlich und pointiert mit dem Gerstensaft zu beschäftigen. Mit Bieren aller Art (und solchen, die gar keine sind), mit der (nicht ganz ernst zu nehmenden) Jahrtausende alten Geschichte der Bierherstellung, einem kleinen Schnellkurs in der Bierchemie, mit Biergläsern und diversen Gesundheitsaspekten und der kulturellen Bedeutung von Getränkestützpunkten dort, wo es sonst keine Restkultur mehr gibt in sächsischen Dörfern.
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Man kann auch sein Bier dazwischen trinken und hat zumindest seinen Spaß, egal, ob man Obergäriges oder stärker Gehopftes bevorzugt, Malziges oder Bockiges. Man kann ja Maß halten und nach dem vierten oder achten aufhören. Vielleicht auch schon vorher. Denn Bier ist nicht unbedingt ein Politikum (auch wenn es zuweilen dazu gemacht wird) und schon gar nichts, was unbedingt bis zur letzten Neige getrunken werden muss. Was ja bekanntlich manchmal solche kopfschmerzenden Folgen hat am anderen Tag. Denn wie Böttcher und Fischer nun schon aus eigener Erfahrung feststellen durften: Feierabendbier gibt es eigentlich nur in der Mehrzahl. Da muss man aufpassen.
Besonders so gegen 11 oder 12 Uhr, wenn Leipzig endlich munter geworden ist und zwei bekannte Moderatoren sich im Freisitz anschauen mit der stillen Frage: Noch zwei?
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