Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche




Tagesübersicht Leipziger Internet Zeitung
Alle Nachrichten von: heute | gestern | vorgestern

Eine Liebe in Briefen des Jahres 1972 oder Wie schreibt man denn eigentlich an Juliane?

Ralf Julke
Du mußt immer gleich wieder schreiben ...
Du mußt immer gleich wieder schreiben ...
Foto: Ralf Julke
Schon mal im Keller nachgeschaut? Oder auf dem Boden? Steht da vielleicht noch ein alter Karton mit Briefen? - Ist natürlich nur eine hypothetische Frage. So durchsaniert, wie Leipzig mittlerweile ist, dürften solche Funde kaum noch zu erwarten sein. Solche, wie sie Stefan Franks Buch-Ich findet in seiner Not. Er hat einer Dame namens Juliane versprochen, ihr einen Brief zu schreiben. Über sich selbst.

Anzeige

Was - zugegeben - nicht nur eine hohe Kunst ist, sondern auch viel Ehrlichkeit verlangt. Und natürlich anstrengender ist, als ein paar flockige Worte zu twittern, zu posten oder in eine Mail zu schreiben. Briefe zwingen zum Innehalten, zum Sichkonzentrieren. Und zum Nachdenken darüber: Hab ich wirklich was zu sagen?

Das ist auch das Problem des Buchhelden, der kein Held ist, sondern ein verschüchterter Zeitgenosse, der zwar eine schnelle Meinung hat über das, was er in einer Galerie in der Leipziger Südvorstadt zu sehen bekommt - aber beim ernsthaften Nachfragen einer durchaus eindrucksvollen Besucherin der Ausstellung ins Drucksen kommt. Juliane heißt die Dame, von der der Leser bis zum Schluss nicht erfährt, was sie tatsächlich so ist und tut im Leben. Fordernd scheint sie zu sein, selbstbewusst und anspruchsvoll. Bekanntschaften lässt sie, wie es aussieht, nur zu, wenn sich die Herren der Rotweintafel tatsächlich Mühe geben und auch brieflich zu klären vermögen, warum sie nun ausgerechnet die Person Juliane kennen lernen möchten.

Eine Liebe in den 1970ern: Du mußt immer gleich wieder schreiben ...
Eine Liebe in den 1970ern: Du mußt immer gleich wieder schreiben ...
Foto: Ralf Julke

Steckt ein Stück des Autors in diesem verschüchterten Galeriebesucher? - Stefan Frank, 1972 geboren, hat seine Karriere in Leipzig als Maler und Zeichner gestartet. Das Buch ist sein Debüt als Autor. Vielleicht auch mehr. Denn die Briefe, die sein verzweifelter Held da aus dem Keller holt, scheinen zwar von ganz fremden Leuten zu stammen, führen den Leser aber just in die Jahre 1971 und 1972 und in eine aufkeimende Liebe mitten im Alltag der DDR. Die Liebenden heißen Robert und Karin. Karin ist angehende Grundschullehrerin, Robert arbeitet in einer Leipziger Chemiebude. Karin lebt in Wusterhausen, muss aber immer wieder nach Potsdam. Robert arbeitet im Drei-Schicht-System. Und es ist die Reichsbahn, die ihre Lebenswelten verbindet. Und es ist die Deutsche Post.

Mehr zum Thema:

Die erste Liebesgeschichte, neu übersetzt: Adam & Evas Tagebuch
Wer alle gelesen hat aus der Bibliothek ...

Der lange Weg zum Herbst 1989: Im Schatten der Kolossalfiguren
Ja, wie war es denn nun wirklich in diesem ...

Annedore: Zwei Leben in Briefen – grenzüberschreitend
Ein besonderes Buch hat der Plöttner Verlag ...
So tauschen sie sich brieflich nicht nur über ihre gegenseitigen Besuche aus, sondern auch über ihre täglichen Erlebnisse, ihre Träume, Wünsche und Vorlieben. Schon da kommt der späte Leser, der eigentlich nur ein nachahmenswertes Vorbild für seinen eigenen Brief suchte, ins Staunen. Immerhin formuliert die ferne Karin früh schon Forderungen, nimmt ihren Robbie beim Schlafittchen, schreibt ihm, was ihr nicht gefällt und was sie mehr von ihm wissen will. Sie ist eine emanzipierte Frau und ihr Robbie vielleicht ein kleiner Schwerenöter - aber er strengt sich an, rafft sich auf und versucht sich zu ändern. Wozu er schon sehr bald sogar außerordentlich gezwungen ist, denn Karin ist schwanger und die Folgen sind zwangsläufig: Nur wenige Tage, nachdem sie ihren fernen Robbie darauf gestoßen hat, sind beide heftigst mit dem Organisieren der Konsequenzen und der Hochzeit beschäftigt.

Stefan Frank: Du mußt immer gleich wieder schreiben ...
Stefan Frank: Du mußt immer gleich wieder schreiben ...
Foto: Ralf Julke
Und jetzt kann man natürlich fragen, woher der 1972 geborene Autor das alles hat. Denn anlesen kann man sich das zwar alles mit der Wohnraumsituation in der DDR, den Ehekrediten und der Lehrervermittlung. Aber fürs bloße Anlesen ist das alles zu konkret, zu detailreich. Man möchte fast wetten, dass es noch Leute gibt, die sich daran erinnern, wie kompliziert es war, mit den Zügen der Reichsbahn nach Potsdam und Wusterhausen zu fahren, wieviel Zeit man auf Umsteigebahnhöfen vertrödelte und zu welchen unsinnigen Zeiten die Züge abfuhren und ankamen. Die gegenseitigen Besuche der beiden sind richtige Abenteuer - und verlangen natürlich Karin so einiges ab.

Schon bald kann der verhinderte Briefschreiber dem Briefwechsel nur noch gespannt folgen, fasziniert von der Ernsthaftigkeit, mit der die beiden sich da 1972 austauschten und ihr Leben in Briefen planten und organisierten. Schon bald schreibt er Juliane den ersten Brief, der eigentlich - wenn man Karins und Roberts Briefe zum Maßstab nimmt - keiner ist. Er ist ein Philosophieren über die Unmöglichkeit, sich in Briefen zu öffnen. Die weiteren Schreiben des Fremde-Briefe-Lesers werden nicht besser, auch wenn er jedesmal darunter schreibt, Juliane möge ihm (noch) nicht antworten.



Bestellen Sie dieses Buch versandkostenfrei im Online-Shop – gern auch als Geschenk verpackt.

Du musst immer
gleich wieder schreiben

Stefan Frank, Mitteldeutscher Verlag 2011, 12,90 Euro
Während der Leser des Buches sehr genau erfährt, wie Karin und Robert 1972 ihr Leben organisierten, erfährt man über den Leser ihrer Briefe tatsächlich nichts - außer dass er über sich selbst, sein Leben und seine Erwartungen nicht schreiben kann. Während die Briefe des Liebespaars Karin / Robert anmuten, als seien sie alle tatsächlich geschrieben und dereinst mit der durchaus flotten Post der DDR auf Reisen gegangen, bleibt der späte Leser konturlos. Was schade ist. Denn so besteht wohl die Gefahr, dass Juliane ihm auch auf sein letztes Schreiben nicht antworten wird. Er hat ja nichts gucken lassen von sich. Und so bleibt uns die nähere Bekanntschaft mit Juliane verwehrt. Auch wenn wir jetzt sehr gut nachempfinden können, warum sie drucksenden jungen Herren derartige Aufgaben stellt.


Funktionen

del.icio.us Mister Wong Technorati Blogmarks Yahoo! My Web Google Bookmarks




Weitere aktuelle Nachrichten der L-IZ.

Schnell wieder schön: Ein paar nützliche Tipps und ein kleines Plädoyer gegen den Schönheitswahn

René Koch: Schnell wieder schön.
Schönheit ist ein Problem in einer Gesellschaft, in der ein winziger Klüngelkreis aus sehr pekuniärem Interesse dekretiert, was als schön zu gelten hat. Jeder Blick an die nächste Leuchtsäule zeigt: Hier wird ein unerfüllbares Ideal verkauft. Doch diese Allgegenwart eines Ewige-Jugend-Ideals hat auch Folgen. Sie setzt die ganz gewöhnlichen Menschen beiderlei Geschlechts unter Legitimationsdruck. Das hat auch René Koch in seinem Berufsleben gelernt. mehr…

OBM-Wahl 2013: SPD will Kandidaten im September wählen - Clobes schlägt Jung vor

Burkhard Jung.
Der Vorstand des SPD-Stadtverbandes hat in seiner Sitzung am Montag, 14. Mai, den Termin für die parteiinterne Wahl des SPD-Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl auf den 17. September 2012 festgelegt. Der Kandidat, der dann für die SPD ins Rennen geht, soll durch eine Mitgliedervollversammlung gewählt werden. mehr…

Gleisbauarbeiten in der Käthe-Kollwitz-Straße: Umleitungen ab 21. Mai

Baustelle.
Vom 21. Mai bis 23. Juni werden im Bereich Käthe-Kollwitz-Straße und Karl-Heine-Straße zwischen Westplatz und Felsenkeller sowie an der Kreuzung Käthe-Kollwitz-Straße/ Klingerweg Gleisbauarbeiten durchgeführt. mehr…

Wundermittel gegen Krebs? - Verbraucherzentrale stellte Nahrungsergänzungsmittel auf den Prüfstand

Wundermittel gegen Krebs?
Wer mit der Diagnose Krebs konfrontiert wird, will alles Menschenmögliche tun, um die Krankheit zu besiegen. Ergänzend zur schulmedizinischen Therapie geistern in den Medien immer wieder Heilsbotschaften, die Hoffnungen wecken sollen. Dabei stehen Nahrungsergänzungsmittel oftmals im Mittelpunkt. Doch ob diese Hoffnungen berechtigt sind, was wissenschaftlich geprüft oder gar sinnvoll ist, bleibt offen. mehr…

Leipziger Kulturdebatte: Kulturetat für freie Szene wird aufgestockt

Kulturdezernent Michael Faber.
Freudige Nachrichten verkündeten Kulturdezernent Michael Faber und Leipzigs Kulturamtsleiterin Susanne Kucharsky-Huniat am 16. Mai. Der Kulturetat der freien Szene wird bis 2015 aufgestockt. Doch woher das Geld kommen soll, ist nicht bekannt und umgehend folgen kritische Töne von der Freien Szene. Denn die neue Vorlage hebelt ihrer Meinung nach den alten Ratsbeschluss "5 Prozent für die Freie Szene" von 2008 aus. mehr…

Der Stadtrat tagt: CDU fragt nach Marketingaktionen für Citytunnel-Eröffnung

Die Causa Citytunnel ist mal wieder auf dem Plan der heutigen Ratsversammlung gelandet. Diesmal ging es rund um die Werbung bzw. Nicht-Werbung für die Röhre unter Leipzig. Denn nach Meinung der CDU-Fraktion „schaffen es Beteiligte und Unbeteiligte noch immer, dieses Projekt in denkbar schlechtestem Licht erscheinen zu lassen.“ mehr…

Der Stadtrat tagt: Linke will intensivere Bürgerbeteiligung bei Umbau der Georg-Schumann-Straße

Das Konzept zum Umbau der im Leipziger Norden gelegenen Georg-Schumann-Straße ist schon längst verabschiedet. Nun soll die Bevölkerung – wie bei den Planungen zur Karl-Liebknecht-Straße – intensiver einbezogen werden. Der Antrag der Linksfraktion ist heute vom Stadtrat mehrheitlich angenommen worden. mehr…

Der Stadtrat tagt: Beschlüsse bald vollständig im Amtsblatt zu lesen

Die Grüne-Fraktion im Leipziger Stadtrat setzt auch weiterhin auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Sie hat heute einen Antrag zur Veröffentlichung der gesamten Stadtratsbeschlüsse im Amtsblatt gestellt. Doch die Verwaltung sieht das als nicht zielführend an und geht einen Schritt weiter: Künftig sollen die Beschlüsse auf der Stadt-Homepage online verfügbar sein. mehr…

Ein Dialog zum Zivilisations-Thema Fettleibigkeit: Streben nach Glück heißt noch immer Jagd auf Kalorien

Gründungsfoto des IFB AdipositasErkrankungen.
Krankhaftes Übergewicht ist nicht allein das Resultat aus übermäßiger Lust am Essen und mangelnder Bewegung. Dass diese Schlussfolgerung zu einfach wäre, gilt in der Forschung seit einiger Zeit als gesichert. Wie kommt es also, dass inzwischen die Hälfte der Deutschen übergewichtig und etwa 20 Prozent bereits fettleibig (adipös) sind? Ist Übergewicht Schuld oder Schicksal? mehr…

Der Stadtrat tagt: Grüne wollen mehr Transparenz in städtischen Beteiligungsunternehmen

Dass Manager und leitende Angestellte durchaus mehr verdienen als andere Menschen, ist hinlänglich bekannt. Dass die Bezüge manchmal allerdings in keinem Verhältnis stehen, hat beispielsweise der Fall Hanss gezeigt. Der Ex-LVB-Chef wollte sich mit einer über 200.000 Euro teuren Pension einen schönen Lebensabend machen. Damit so etwas nicht mehr vorkommt, wollte die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen heute im Stadtrat mehr Transparenz und eine bessere Überprüfung fordern. mehr…

Blaulicht am Karl-Heine-Kanal: Neue Lichtinstallation an Fußgängerbrücke

Brücke über den Karl-Heine-Kanal.
Die Brücke zwischen Gießerstraße und Engertstraße erstrahlt nun nächtens in Blau. Damit wollen die Leipziger Wissenschaftlerinnen Professor Sylke Nissen und Karin Lange „die Aufenthaltsqualität am Karl-Heine-Kanal auch in den Abendstunden verbessern“. Die Installation ist Schlussstein des REURIS-Projektes der EU zur Revitalisierung urbaner Fließgewässer. mehr…

Leipziger Sommerakademie findet auch 2012 in Höfgen statt: Anmeldungen bis 30. Juni möglich

Sommerakademie 2011.
Allen Gerüchten um die Schließung der Denkmalschmiede Höfgen zum Trotz: Die Leipziger Sommerakademie findet auch in diesem Jahr wieder statt! Die Anmeldung ist noch bis zum 30. Juni 2012 möglich. Wer in den Sommermonaten seine Kreativität ausleben möchte und darüber hinaus neue Impulse tanken will ist in der Leipziger Sommerakademie genau richtig. mehr…

Messe "Orthopädie + Reha-Technik" in Leipzig: Exoskelette sorgen für Furore

Selbst der Rolli muss heutzutage nicht mehr dröge aussehen.
Wenn der Mensch älter wird, braucht er allerlei Hilfsmittel. Es ist sozusagen der technische Kongress zur demografischen Entwicklung Europas, der am Dienstag, 15. Mai, auf dem Leipziger Messegelände begann. Bis Freitag, 18. Mai, präsentiert die "Orthopädie + Reha-Technik" auf dem Leipziger Messegelände sowohl alle Weltmarktführer als auch kleine, innovative Unternehmen aus den Bereichen Prothetik, Orthetik, Orthopädieschuhtechnik, Kompressionstherapie und Technische Rehabilitation. mehr…

NSU-Skandal: Sachsen mauert bei Aufklärungs-Arbeit weiter

Am Dienstag, 15. Mai, stellte die Thüringer Untersuchungskommission unter Führung des ehemaligen Bundesrichters Gerhard Schäfer in Erfurt ihren Abschlussbericht zur Arbeit der thüringischen Ermittlungsbehörden im Zusammenhang mit dem Jenaer Terror-Trio vor, das dann im sächsischen Zwickau unbehelligt untertauchen konnte. Und der Bericht wirft kein gutes Licht auf den Aufklärungswillen der sächsischen Behörden. mehr…

Funk'N'Stein und Schwarzkaffee am 22. Mai im Werk 2 in Leipzig

Funk'N'Stein
Die Leipziger Monsters of Funk von Schwarzkaffee haben es geschafft, sie haben die Funkikonen aus Israel nach Leipzig geholt: Funk'n'Stein, nach langer Zeit endlich wieder auf Europatour, spielen am Dienstag, den 22. Mai ihren einzigen Deutschland-Gig im Werk 2. mehr…

Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Anzeigen.
Veranstaltungshinweise der IHK Leipzig

Veranstaltungshinweise:

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
Zur Website der IHK Leipzig
Grüne Fraktion Leipzig
Zur Website der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH

VERKEHRSMELDUNGEN:

NACHRICHTEN:

SCHNELLER SERVICE:

Aktuelle Dossiers.
Anzeigen.
Leipziger Leselust Leipziger Leselust ... seit 2004 bespricht die L-IZ regelmäßig die neuesten Bücher Leipziger Autoren und Verlage.
Link-Tipps.
Bildblog