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Zwei unverwüstliche Klassiker: Buchverlag für die Frau legt zwei Bestseller im Reprint auf

Ralf Julke
Reprint-Doppel-Schuber.
Reprint-Doppel-Schuber.
Foto: Ralf Julke
Geburtstag ist eigentlich erst nächstes Jahr. Aber der Buchverlag für die Frau feiert das kleinere Jubiläum lieber schon im größeren. Denn 2011 wurde der Verlag 65 Jahre alt. Einer seiner Bestseller aber wird im nächsten Jahr 50 und erschien als Reprint im Schuber mit einem anderen Bestseller. Für alle, die Nostalgie mit Freude am Kochen und Backen verbinden.

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Offiziell gilt der 1. Juli 1946 als Gründungstag des Buchverlags für die Frau. Tatsächlich trat er aber in die Tradition des im Juni 1946 enteigneten Otto-Beyer-Verlages ein, eines vor dem 2. Weltkrieg berühmten Verlages, in dem unter anderem die "Deutsche Moden Zeitung" erschien und die Zeitschrift "Beyers für alle". Der Verlag war 1890 gegründet worden. Otto Beyer war Mitinhaber des bekannten Leipziger Modehauses August Polich. Das stand mal da, wo heute das Merkurhaus am Eingang der Petersstraße steht.

Nach 1946 konnten die Mitarbeiter des neu gegründeten Verlags für die Frau die Beyersche Druckerei nutzen. Über die Zeit vor 1954 gibt es nur noch spärliches Archivmaterial - das alte Verlagsarchiv musste auf "Anordnung zentraler Stellen", wie es in der Jubiläumsschrift des Verlages von 2006 heißt, vernichtet werden. Ein Ärgernis für alle, die sich mit der Leipziger Verlagsgeschichte beschäftigen.

"Wir kochen gut" und "Das Backbuch" als Reprint im Schuber.
"Wir kochen gut" und "Das Backbuch" als Reprint im Schuber.
Foto: Ralf Julke

In der DDR produzierte der Verlag für die Frau fast alles, was die moderne Hausfrau und der moderne Hausmann, der Verantwortung übernahm, als Bildungsgut brauchen konnte. Dazu gehörten auch die beiden Standardbücher für die Küche, die - wie es im 1962 erstmals erschienenen "Wir kochen gut" heißt - "unter Berücksichtigung der modernen Ernährungslehre" zusammengestellt wurden. Für das Buch herrschte logischerweise Bedarf. Die Zeit des großen Mangels ging zu Ende, die Versorgungslage hatte sich stabilisiert. Gleichzeitig hatte es ja tatsächlich große Fortschritte im Bereich der Ernährungswissenschaften gegeben. Man beschäftigte sich nun ernsthaft mit Dingen wie dem Kalorienbedarf und der tatsächlichen Kalorienaufnahme.

"Zur Aufrechterhaltung von Gesundheit und Leistungsbereitschaft muß die Energiezufuhr dem tatsächlichen Energieverbrauch des Körpers angepaßt werden", heißt es im einleitenden Kapitel zur Ernährung. Das gilt ja bis heute. Heute eigentlich erst recht, wo immer mehr Menschen in Büros "leichte körperliche Arbeit verrichten", aber Kalorien in sich stopfen, als wären sie Schwerstarbeiter. Eine Tabelle listet nicht nur die Kalorien, sondern auch die Mineralstoffe und Vitamine auf. Entwickelt vom Institut für Ernährung in Potsdam-Rehbrücke. Das gab's auch.

Die Fotos wirken heute wie aus einer anderen Zeit. Aber die Rezepte, die seinerzeit alle in einer eigenen Experimentalküche des Verlages ausprobiert wurden, kann man heute noch genauso problemlos nachkochen. Und bekommt unterwegs auch noch all die notwendigen Tipps, die man braucht, wenn's etwas komplexer wird. Etwa bei Rouladen, wo eine kleine Zeichnung dem unerfahrenen Leser erklärt, was am Schwein eigentlich Kopf, Bauch, Vorderschinken, Nacken usw. ist. Falls man das wirklich so genau wissen will.

Der Back-Klassiker "Das Backbuch" kam etwas später, 1967 heraus. Und wie heißt es hier so schön im Vorwort? - "Wir möchten die Freude am Backen in keiner Weise schmälern, wenn wir in diesem Zusammenhang auf etwas hinweisen, das heute stärker denn je das Anliegen der Ernährungswissenschaftler ist: Gebäck aus Weißmehl sei den Sonn- und Feiertagen vorbehalten!" Denn die DDR hatte zwar immer wieder mit der Knappheit von so Manchem zu kämpfen - aber genug zu essen gab es ab den 1960ern immer. Und die Kinder waren kein bisschen anders als die heutigen, auch wenn heutige Kriminologen da ihre eigene Meinung haben. Und die Eltern waren genauso anfällig für die Bitten der kleinen Quälgeister: "Das möchten wir besonders allen Müttern ans Herz legen, die häufig viel zu unbedenklich die Wünsche ihrer Kinder nach Süßem mit Keks oder anderem Gebäck erfüllen", steht da zu lesen. "Der Gesundheit der Kinder wird dadurch im Laufe der Zeit eher Schaden als Nutzen entstehen."

Die beiden Klassiker aus dem Buchverlag für die Frau als Reprint im Jubiläums-Schuber.
Die beiden Klassiker aus dem Buchverlag für die Frau als Reprint im Jubiläums-Schuber.
Foto: Ralf Julke
Auch die Bevölkerung der DDR litt am Ende unter jeder Menge Übergewicht. Man aß - trotz aller Forschungsergebnisse der Potsdamer Ernährungswissenschaftler - meist zu fett, zu reichlich, zu süß und - auch arbeitsbedingt - falsch. So mancher Satz klingt, als hätte ihn heute die eigene Krankenkasse formuliert, weil sie sich um unsere Gesundheit und auch ein bisschen um unser soziales Wohlbefinden sorgt. In "Wir kochen gut" zu lesen: "Bitte sorgen Sie dafür, daß alle Familienmitglieder wenigstens eine Mahlzeit des Tages gemeinsam einnehmen!"

Ausrufezeichen. Der Mensch weiß ja so viel - er hält sich nur nicht dran. Es ist schon erstaunlich, wie aktuell so ein 50 Jahre altes Kochbuch sein kann. Und wer's noch in einer alten Ausgabe hat, weiß, dass es gespickt ist mit all den Tipps, die man beim Fastfood-Verschlingen nie bekommt. Sie sind - wie die Sache mit dem Schwein - mit kleinen, eingängigen Zeichnungen gespickt, zwischen die Rezepte gestreut - wie man Spaghetti ins Kochwasser gibt, wie man Grieß ins Wasser streut oder Quark durch ein Sieb streicht. Wer die Zutaten heute wieder original im Bio-Laden kauft, weiß, dass man so etwas wissen sollte. Fertigbauteile, die man heute so gern Convenience Food (zu deutsch: Bequemlichkeit) nennt, gab es in der DDR erst in den späteren Jahren. Man kochte und buk noch mit den Originalzutaten.

Und kann's heute wieder. Die Rezepte in beiden Büchern funktionieren alle noch. Die Reprint-Ausgabe im Schuber ist limitiert, teilt der Verlag mit. Was den beiden nachgedruckten Büchern (mit der Ortsangabe 7010 Leipzig) wohl nicht schadet. Sie scheinen, wie auch der Verlag einschätzt, unverwüstlich zu sein. Mit "Wir kochen gut" haben nun schon Generationen von jungen Frauen in Ostdeutschland das Kochen gelernt. Auch deshalb waren diese jungen Frauen ab 1990 im Westen so begehrt. Sie waren nicht nur fleißig und klug - sie konnten auch noch kochen. Und Liebe geht nun einmal durch den Magen.



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Wir kochen gut / Das Backbuch
Buchverlag für die Frau 2011, 19,90 Euro
Wem schenkt man also den Doppel-Klassiker zu Weihnachten? Den nachgewachsenen Mädchen? Oder doch lieber den Herren der Erschöpfung, die den Küchenherd für eine Maschine aus der Zukunft halten? Oder dem nächsten jungen Pärchen in der Verwandtschaft? Da kann die eine backen, der andere kochen und im nächsten Jahr zeigen sie der Königin ihr Kind. Oder so ähnlich.


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