Die Skizze steht am Anfang: Ursula Mattheuer-Neustädts Skizzenbücher in einem Band
Daniel Thalheim
21.12.2011
Foto: Daniel Thalheim
Die Leipziger Kunstpreisträgerin Ursula Mattheuer-Neustädt verschrieb sich der Grafik und Zeichnung. Ein unauffälliges Metier, würden Manche sagen. Dem ist nicht so. "Die Skizze steht am Beginn des Prozesses der Bildfindung. In ihr wird ein Moment, ein oft flüchtiger, Eindruck festgehalten, ein plötzlicher Einfall, das Ergebnis einer Begegnung", sagt die Künstlerin.
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"Sie ist so auch Materialsammlung, ein Fundus. Etwas fällt mir auf, weckt mein Interesse. Ob es mehr wird, vielleicht ein Auslöser einer komplexen Bildidee, oder ob es Skizze bleibt, das steht im Moment seiner Entdeckung und Fixierung nicht fest", sagt die inzwischen 85-jährige Ursula Mattheuer-Neustädt, die im Sommer 2011 in der Galerie Schwind "Rückblicke" gewährte.
Das blaue und schmale Büchlein könnte das gedruckte Erinnerungsstück der damaligen Geburtstagsschau sein. Claudia Rodegast war damals die Kuratorin und tritt im vorliegenden "Skizzenbuch" auch als Herausgeberin in Erscheinung. In dem Buch wurden die Skizzen und Zeichnungen aus einer 50-jährigen Schaffensperiode abgebildet, die die 1926 in Plauen geborene Künstlerin eigens aussuchte.
Im Sommer 2011 beim Leipziger Plöttnerverlag erschienen: Skizzen von Ursula Mattheuer-Neustädt.
Foto: Daniel Thalheim
Von 1947 bis 1997 erstreckt sich der Einblick in das bildnerische Werk der Zeichnung, das Ursula Mattheuer-Neustädt in ihrem selbst verfassten Vorwort in seiner Bedeutung für die Kunst zu Wort kommen lässt.
Für Mattheuer-Neustädt stellt sich die Frage: "Wie kann man ein vollendetes zeichnerisches Werk von der Skizze unterscheiden? Zumal heute, wo sich auf das Skizzenhafte bei vielen bildenden Künstlern, falls sie überhaupt zeichnen, nicht nur dieses Medium reduziert?" Bei ihrer eigenen Arbeit mit Stift und Papier verwischen jedenfalls die Grenzen zwischen Skizze und vollkommener Zeichnung, meint sie selbst. Zeichnen sei für sie die direkte Reflexion zum Gesehenen, das als Seherlebnis auf den Künstler einströmt. "Die Skizze steht am Beginn dieses Prozesses der Bildfindung", so die Künstlerin weiter. Der Moment, die Idee, das Interesse wächst so zu einer Materialsammlung, aus der der Künstler wie ein Forscher für seine wissenschaftlichen Artikel, sein Werk abschöpft.
"In diesem Büchlein sind solche gesammelten Momentaufnahmen vereint", schreibt die Grafikerin. "Ohne inneren Zusammenhang, nach keinem Prinzip geordnet, aber vielleicht gerade durch ihre Zufälligkeit, die sich manchmal zu einem bedeutungsvollen, ästhetisch nach Vollendung suchenden Bild entwickelt, wichtig für das Gesamtwerk." Eine Anregung für jeden Künstler könnten die Bildtafeln mit den Reproduktionen außerdem sein. Eine ausführliche Biografie vervollständigt das blau eingebundene Werk mit dem Goldaufdruck ihrer Signatur. Die Geschichten zu den Studien und Zeichnungen scheinen die Abbildungen selbst zu erzählen.
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