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Methodische Übungen: Wie sich Jochen Plogsties mit Malerei beschäftigt

Daniel Thalheim
Jochen Plogsties: Sein Katalog zum LVZ-Kunstpreis 2011.
Jochen Plogsties: Sein Katalog zum LVZ-Kunstpreis 2011.
Foto: Daniel Thalheim
Es ist da. Der schmale Katalog zum LVZ-Kunstpreis 2011 bringt dem Kunstfreund das nahe, was er mit seinen eigenen Augen nicht erfassen und erklären kann. Warum wandte sich Jochen Plogsties der gegenständlichen Malerei zu? Wie geht ein Verfechter der ungegenständlichen Malerei mit den Alten Meistern um? Beschäftigt er sich mit künstlerischen Techniken oder kopiert er nur?

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Ein Künstler bricht aus. Wer Plogsties bisher kannte, staunt über seinen Bruch mit der abstrakten Malerei. Vielleicht ist die Wende nur kurzfristig und Plogsties blickt demnächst wieder auf ein beruhigendes Farben- und Formenspiel. Sein von MdbK-Direktor Hans-Werner Schmidt herausgegebener Katalog geht ebenfalls den klassischen Weg.

Die Aufteilung folgt einem klassischen Muster: Textteil, Bildkatalog, Verzeichnis. Nicht ganz. Zwischen die farbigen und schwarzweißen Abbildungen mogelt sich ein Text von Veit Görner. Nicht ganz ans Ende gestellt, schummeln sichauch noch das Abbildungsverzeichnis und die Kurzvita des Künstlers zwischen die Bildtafeln. Man merkt: Wie der Künstler augenzwinkernd mit den Alten Meistern umgeht, spielt das Layout mit dem Leser Versteck.

Keine Versteckspiele sind die Texte, die sich mit Plogsties Beschäftigungen mit der frühneuzeitlichen und modernen Malerei Europas befassen. Hier erklären Bernd Radestock, Vorsitzender des Vorstands der Förderer des Museums der bildenden Künste Leipzig e.V., Hans-Werner Schmidt, Direktor des Museums der bildenden Künste, Kunsthistorikerin Britt Schletthahn und Veit Görner, um was es Plogsties gehen könnte. Radestock spricht: "Mit seiner Malerei baut Plogsties auf Bewährtem auf und setzt gleichzeitig interessante neue Zeichen und er fasziniert damit. Von ihm ist noch viel zu erwarten!"

Bezaubert Kunsthistoriker mit projizierten Alten Meistern.
Bezaubert Kunsthistoriker mit projizierten Alten Meistern.
Foto: Daniel Thalheim

Schmidt beschäftigt sich mit dem Typus der künstlerischen "Nachbilder", die aus der Literatur definiert unter anderem Nachbilder sind. Klar soll hier werden: Plogsties stellt sich in eine Tradition - die Beschäftigung des Künstlers mit dem Original, um seine Entwicklung voran zu treiben. Für Schmidt bestellt Plogsties ein Beet, das von Sigmar Polke und Roy Lichtenstein angelegt wurde. Der Museumsdirektor stellt heraus, dass Plogsties' Hommage an Lucas Cranach d.Ä., Picasso, Albrecht Dürer, Rembrandt & Co. immer noch seine Handschrift tragen würde.

Nach "Copy And Past", nicht "Paste", fragt Britta Schletthahn. Damit meint sie "Kopieren und Vergangenheit". Sie vertieft Schmidts Ausführungen um den Künstler, der sich an den Originalen der Alten Meister abarbeitet. Wie kopiert man Kunst, ohne sie zu kopieren?

Von "Kopiervorgang" ist die Rede, nicht von Projektion, wie es der Künstler selbst von seinen Arbeiten sagte. Die Methode seines Arbeitens bleibt in den Texten versteckt - Bild durch einen Projektor jagen, auf die Leinwand werfen und nachmalen. So beschrieb es die Ausstellungskuratorin Tanja Kluß vor der Ausstellungseröffnung zur LVZ-Kunstpreisverleihung.

Plogsties will zitieren, lässt Schletthahn zwischen den Zeilen durchblicken. Sie sagt: "Plogsties wendet nun eine Kombination aus beiden Momenten auf seine Arbeitsweise an, indem er den Kopiervorgang ganz bewusst in die Erfahrungswelt seiner Geste von Malerei integriert." Er verwische die Grenzen der exklusiven Rezeption Alter und Neuer Meister und Alltagsbildwelt, so Schletthahn weiter. Von zeitgemäßer Form ist die Rede.

Der Künstler würde bei all dem Nachmalen immer noch erzählerisch sein, weil er mit den Bildgrößen spielt, mit den Motiven spielt, mal schärfer stellt, mal unschärfer. Veit Görner stellt heraus, dass Plogsties "Figuration nach Fotografie" zeigt: "Krude, schrundig dicke Malweise..., keine süffige Farbigkeit, wie bei vielleicht David Schnell oder Daniel Richter." Görner weiß, Plogsties beherrsche seine Mittel, verweigere sich der gängigen Erwartung. Welche, sagt er nicht. Nur das eine: "Jochen Plogsties ist es gelungen, seine Malerei jenseits des Erbes zu positionieren." Wessen Erbe, lugt im Wortschleier als "Neue Leipziger Schule" oder "Alte Meister" hervor. Für Görner ist Plogsties' Weg ein Hoffnungsschimmer für jeden HGB-Hochschüler.

Veröffentlichungsdaten

Jochen Plogsties - Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung 2011, Kerber Verlag, 2011, 22,50 Euro

Webseite:

www.kerberverlag.com/de/detailansicht/controller/Shop/action/show/product/1792.html


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