... du mir auch: Eine kleine, nicht ganz billige Auskopplung mit farbigen Spritzern
Ralf Julke
23.01.2012
... du mir auch.
Foto: Ralf Julke
Es ist lütt - das kleinste Buch, das der L-IZ je ins Postfach flatterte, noch kleiner als die üblichen Minis, 24 Seitchen dünn. Der Inhalt: eigentlich ein Gedicht. "... du mir auch", einer jener Texte von Michael Oertel, in denen man eine Ohrfeige erwartet und dann doch gestreichelt wird.
Anzeige
Er hat den Mehrweg e.V. mit aufgebaut und den "Wolkenschlachtlenkwahl" am Völkerschlachtdenkmal, hat ein gewaltig großes Herz, weil er weiß, dass man da Platz braucht für all die Menschen, die man trifft. Quasi Behinderte aller Art. Denn seine Fotografie-Serien und Bücher geben so nach und nach ja genug Anlass, nachzudenken über das Thema. Sind nicht eigentlich all jene behindert, die nicht mehr mitfühlen, miterleben, teilen und geben können? Die scheinbar perfekten, unlädierten, wohlversorgten Leute, die so gerne "Basta!" sagen und "alternativlos" und "unabdingbar“?
Die selbst den gutmütigsten Menschen mit jeder Botschaft das Gefühl geben, nur gnadenhalber auf Erden wandeln zu dürfen, nur geduldet zu sein. So wie Ausländer, die man gern Ausländer sein lassen möchte ... bis sie gleich wieder raus sind. Die den Flecken Erde, den sie auch noch peinigenderweise mit all den Underdogs und Ungebildeten und Armen teilen müssen, am liebsten verriegeln und verrammeln und mit hohen Mauern umgeben würden, damit keiner reinkommt.
Ein Mini-Mini als Vorgeschmack: ... du mir auch.
Foto: Ralf Julke
Mit Flutlichtanlage, Wachtürmen und ein paar falsch ernährten Wächtern, die nachts mit Sonnenbrille und Schäferhund drumherum laufen. Menschen, hinter deren so schön in Farbe gedrucktem Erfolg die Angst lauert. Die Angst des Geizigen und Gierigen. Die Angst, die sich jovial und volkstümlich gibt. Bis der Feigling den nicht so gut Deodorierten zu nah kommt. Wenn dann die Eier fliegen, die Farbbeutel und die Schuhe.
Klar. Die werden hier alle nicht erwähnt. Die kommen bei Michael Oertel nicht vor. Seine Mission ist der Blick ins Nahe, in die Gesichter der Nächsten. In den eigenen Garten, vors eigene Haus. Seine Welt ist hier, gleich nebenan. Wo das Unkraut wuchert und die Schaukel quietscht und die Kinder lachen. Und die Erwachsenen auch.
"... du mir auch" ist ein Gedicht voller Farben. Voller scheinbar falsch platzierter Farben. Wer Kindern beim Malen zuschaut (bevor unerbittliche Lehrerinnen ihnen mahnend beigebracht haben, dass Bäume grün zu sein haben, Himmel blau und Sonnen bitteschön gelb), weiß, wie schräg und phantasievoll die Dinge sein können, die da aufs Blatt kommen. Der Himmel rot, die Bäume blau. Die Seele schwarz oder grau oder gelb. Ist ja manchmal von der Stimmung abhängig. Und von der Sicht des jeweils Anderen. Der natürlich - darum geht's ja - in der Lage sein muss, Farben noch zu sehen. Und nicht nur Schwarz/Weiß wie manche Richter und Polizeipräsidenten. Denn dann wird es gefährlich. Dann wird es bedrohlich. Denn solchen Leuten wird man nicht mehr erzählen können, wie vielfältig die Welt ist und dass die Vielfalt der Reichtum ist, nicht die Rendite oder der richtige Bückling.
Wer nicht mehr wahrzunehmen versteht, wie die Anderen, erst einmal Fremden, die eigene Welt bereichern und lebendig machen, ist ja eigentlich schon tot. Was hat der noch vom Leben als seine Vorurteile und schwarz-weißen ewigen "Wahrheiten"?
Bestellen Sie diese DVD versandkostenfrei im Online-Shop – gern auch als Geschenk verpackt.
… du mir auch
Michael Oertel, Engelsdorfer Verlag 2011, 8,60 Euro
Das Gedicht erzählt vom Reichtum der Welt, in der andere Farbtupfer noch dazugehören. Die Verse schön groß gedruckt, wechselweise mit Schwarz-Weiß-Fotografien mit farbigen Tupfern. Vorn kann man eine Widmung reinschreiben. Das kleine Erschrecken für die Käufer: 8,60 Euro soll's kosten. Vielleicht ist es da doch gut, lieber zu warten, bis das Buch erscheint, aus dem dieses hier eine Auskopplung ist - sozusagen eine Single. "Ich mach mir Angst" soll das Buch heißen, das Michael Oertel da vorbereitet, Fortsetzung für sein "Tagebuch eines Depressiven".
Noch ein paar Worte zur Volkskrankheit Depression in einer Gesellschaft, in der die Schwarz-Weißen regieren? Nicht nötig, nicht wahr?
Schönheit ist ein Problem in einer Gesellschaft, in der ein winziger Klüngelkreis aus sehr pekuniärem Interesse dekretiert, was als schön zu gelten hat. Jeder Blick an die nächste Leuchtsäule zeigt: Hier wird ein unerfüllbares Ideal verkauft. Doch diese Allgegenwart eines Ewige-Jugend-Ideals hat auch Folgen. Sie setzt die ganz gewöhnlichen Menschen beiderlei Geschlechts unter Legitimationsdruck. Das hat auch René Koch in seinem Berufsleben gelernt. mehr…
Der Vorstand des SPD-Stadtverbandes hat in seiner Sitzung am Montag, 14. Mai, den Termin für die parteiinterne Wahl des SPD-Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl auf den 17. September 2012 festgelegt. Der Kandidat, der dann für die SPD ins Rennen geht, soll durch eine Mitgliedervollversammlung gewählt werden. mehr…
Vom 21. Mai bis 23. Juni werden im Bereich Käthe-Kollwitz-Straße und Karl-Heine-Straße zwischen Westplatz und Felsenkeller sowie an der Kreuzung Käthe-Kollwitz-Straße/ Klingerweg Gleisbauarbeiten durchgeführt. mehr…
Wer mit der Diagnose Krebs konfrontiert wird, will alles Menschenmögliche tun, um die Krankheit zu besiegen. Ergänzend zur schulmedizinischen Therapie geistern in den Medien immer wieder Heilsbotschaften, die Hoffnungen wecken sollen. Dabei stehen Nahrungsergänzungsmittel oftmals im Mittelpunkt. Doch ob diese Hoffnungen berechtigt sind, was wissenschaftlich geprüft oder gar sinnvoll ist, bleibt offen. mehr…
Freudige Nachrichten verkündeten Kulturdezernent Michael Faber und Leipzigs Kulturamtsleiterin Susanne Kucharsky-Huniat am 16. Mai. Der Kulturetat der freien Szene wird bis 2015 aufgestockt. Doch woher das Geld kommen soll, ist nicht bekannt und umgehend folgen kritische Töne von der Freien Szene. Denn die neue Vorlage hebelt ihrer Meinung nach den alten Ratsbeschluss "5 Prozent für die Freie Szene" von 2008 aus. mehr…
Die Causa Citytunnel ist mal wieder auf dem Plan der heutigen Ratsversammlung gelandet. Diesmal ging es rund um die Werbung bzw. Nicht-Werbung für die Röhre unter Leipzig. Denn nach Meinung der CDU-Fraktion „schaffen es Beteiligte und Unbeteiligte noch immer, dieses Projekt in denkbar schlechtestem Licht erscheinen zu lassen.“ mehr…
Das Konzept zum Umbau der im Leipziger Norden gelegenen Georg-Schumann-Straße ist schon längst verabschiedet. Nun soll die Bevölkerung – wie bei den Planungen zur Karl-Liebknecht-Straße – intensiver einbezogen werden. Der Antrag der Linksfraktion ist heute vom Stadtrat mehrheitlich angenommen worden. mehr…
Die Grüne-Fraktion im Leipziger Stadtrat setzt auch weiterhin auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Sie hat heute einen Antrag zur Veröffentlichung der gesamten Stadtratsbeschlüsse im Amtsblatt gestellt. Doch die Verwaltung sieht das als nicht zielführend an und geht einen Schritt weiter: Künftig sollen die Beschlüsse auf der Stadt-Homepage online verfügbar sein. mehr…
Krankhaftes Übergewicht ist nicht allein das Resultat aus übermäßiger Lust am Essen und mangelnder Bewegung. Dass diese Schlussfolgerung zu einfach wäre, gilt in der Forschung seit einiger Zeit als gesichert. Wie kommt es also, dass inzwischen die Hälfte der Deutschen übergewichtig und etwa 20 Prozent bereits fettleibig (adipös) sind? Ist Übergewicht Schuld oder Schicksal? mehr…
Dass Manager und leitende Angestellte durchaus mehr verdienen als andere Menschen, ist hinlänglich bekannt. Dass die Bezüge manchmal allerdings in keinem Verhältnis stehen, hat beispielsweise der Fall Hanss gezeigt. Der Ex-LVB-Chef wollte sich mit einer über 200.000 Euro teuren Pension einen schönen Lebensabend machen. Damit so etwas nicht mehr vorkommt, wollte die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen heute im Stadtrat mehr Transparenz und eine bessere Überprüfung fordern. mehr…
Die Brücke zwischen Gießerstraße und Engertstraße erstrahlt nun nächtens in Blau. Damit wollen die Leipziger Wissenschaftlerinnen Professor Sylke Nissen und Karin Lange „die Aufenthaltsqualität am Karl-Heine-Kanal auch in den Abendstunden verbessern“. Die Installation ist Schlussstein des REURIS-Projektes der EU zur Revitalisierung urbaner Fließgewässer. mehr…
Allen Gerüchten um die Schließung der Denkmalschmiede Höfgen zum Trotz: Die Leipziger Sommerakademie findet auch in diesem Jahr wieder statt! Die Anmeldung ist noch bis zum 30. Juni 2012 möglich. Wer in den Sommermonaten seine Kreativität ausleben möchte und darüber hinaus neue Impulse tanken will ist in der Leipziger Sommerakademie genau richtig. mehr…
Wenn der Mensch älter wird, braucht er allerlei Hilfsmittel. Es ist sozusagen der technische Kongress zur demografischen Entwicklung Europas, der am Dienstag, 15. Mai, auf dem Leipziger Messegelände begann. Bis Freitag, 18. Mai, präsentiert die "Orthopädie + Reha-Technik" auf dem Leipziger Messegelände sowohl alle Weltmarktführer als auch kleine, innovative Unternehmen aus den Bereichen Prothetik, Orthetik, Orthopädieschuhtechnik, Kompressionstherapie und Technische Rehabilitation. mehr…
Am Dienstag, 15. Mai, stellte die Thüringer Untersuchungskommission unter Führung des ehemaligen Bundesrichters Gerhard Schäfer in Erfurt ihren Abschlussbericht zur Arbeit der thüringischen Ermittlungsbehörden im Zusammenhang mit dem Jenaer Terror-Trio vor, das dann im sächsischen Zwickau unbehelligt untertauchen konnte. Und der Bericht wirft kein gutes Licht auf den Aufklärungswillen der sächsischen Behörden. mehr…
Die Leipziger Monsters of Funk von Schwarzkaffee haben es geschafft, sie haben die Funkikonen aus Israel nach Leipzig geholt: Funk'n'Stein, nach langer Zeit endlich wieder auf Europatour, spielen am Dienstag, den 22. Mai ihren einzigen Deutschland-Gig im Werk 2. mehr…