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Schnicksenpogo: Nel Arta landet mal wieder im schlimmsten Schlamassel

Ralf Julke
Schnicksenpogo.
Schnicksenpogo.
Foto: Ralf Julke
Nel Arta alias Cornelius Artjens hat ein Problem. Sie ist ein bisschen außer Rand und Band. Verständlich nach ihrem recht turbulenten Ausflug nach Brasilien, wo sie ihre Geschlechtsumwandlung eigentlich perfekt machen lassen wollte. Aber billig ist auf dem Markt der Geschlechtsumwandlungen mordsgefährlich. Und das Abenteuer endet keineswegs mit der geglückten Rückkehr nach Deutschland.

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Denn nicht nur deutsche Konsule und Polizisten haben so ihre Vorurteile gegen Leute, die irgendwie im falschen Körper zu leben scheinen. Auch Arbeitsagenturen schalten dann, wenn der Klient nicht spurt, gern auf bockig, sprich: bürokratisch. Verhängen Sanktionen, wie das im Deutsch der deutschen Sittenwächter so schön heißt. Was für Nel bedeutet, sie muss sich ihre Brötchen schwarz verdienen.

Müsste vielleicht nicht, wenn sie nicht ganz so jähzornig und dünnhäutig wäre. Eigentlich hat sie gar nicht so wenige gute Freundinnen und Freunde, die zu ihr halten, wenn es hart auf hart kommt. Aber das merkt der junge Bursche mit der Seele einer Frau erst, als er nach einer etwas heftigen Kneipenkeilerei wieder in Polizeigewahrsam und wenig später in einer sehr dubiosen Klapsmühle landet. Heißt heute zwar Maßregelvollzug. Aber das macht die Sache für jemanden, der durch das fadenscheinige Urteil eines selbstverliebten Gutachters hinter dicken Mauern und Türen gelandet ist, nicht besser. Glück für Nel: Es gibt unter all den bedrohlichen Gestalten dort auch noch Gleichgesinnte. Ein neues Gutachten könnte die Erlösung bringen, würde mit Nel nicht immer wieder das Testosteron durchgehen.

Nel Arta mal wieder in Schwierigkeiten: Schnicksenpogo.
Nel Arta mal wieder in Schwierigkeiten: Schnicksenpogo.
Foto: Ralf Julke

Was dann folgt, ist eine turbulente Flucht mit durchaus dramatischen Höhepunkten in Leipzig, wo ein ehemaliger Stasi-Offizier möglicherweise die rettenden Akten verwahrt hat, die der eigentümlichen Mediziner-Clique des Maßregelvollzugs, aus dem sie gerade entkommen ist, vielleicht das Handwerk legen könnten. Es ist schon erstaunlich, wie viele ehemalige Stasi-Offiziere mittlerweile durch ostdeutsche Krimis geistern. Kann man den Osten nicht mehr ohne diesen Geheimverein denken?

Dass die Begegnung mit dem Stasi-Mann für die ohne Nachdenken agierende Nel noch viel gefährlicher werden kann als die Mediziner-Clique aus der brandenburgischen Pampa, merkt das aufgeregte Frauenzimmer natürlich viel zu spät. Schlammlawinen drohen sie im Tagebausee zu ersäufen, weil sie so vertrauensselig ist wie ein blondes Betthäschen.



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Schnicksenpogo
Ria Klug, fhl Verlag Leipzig 2012, 12,00 Euro
Am Ende ist zwar nicht alles gut. Ria Klug hat ihren zweiten Nel-Arta-Krimi auch hübsch mit einer Nummer 2 versehen. Das Ganze schnuppert nach einer Fortsetzung. Denn Nel alias Cornelius ist zwar gerettet vorerst, darf ein paar der Schäden auch wieder ausbügeln, die sie durch ihre zuweilen recht hemmungslose Art der emotionalen Bewältigung angerichtet hat. Aber da die Sache mit der Geschlechtsumwandlung noch längst nicht abgehakt ist und sich die finanziellen und bürokratischen Rahmenbedingungen für diesen Akt der Selbstbestimmung auch nicht geändert haben, kann man eigentlich darauf warten, dass sie bei nächster Gelegenheit wieder mit einem Bürokraten der Edelsorte zusammenrasselt, falsch reagiert und wegen seelischer Überreaktionen in einem Schlamassel landet, in dem es wieder im Leben und Tod geht.


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