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Eine Anatomie des Terrors: Olaf Sundermeyer auf den Spuren rechter Gewalt

Martin Schöler
Olaf Sundermeyer: Rechter Terror in Deutschland.
Olaf Sundermeyer: Rechter Terror in Deutschland.
Cover: C. H. Beck
Seit dem 4. November 2011 ist die Berliner Republik in heller Aufregung. Was viele nicht für möglich hielten, war passiert: Eine rechte Terrorzelle lebte über ein Jahrzehnt im Untergrund und ermordete währenddessen zehn Menschen. Das Besondere: Die Verfassungsschutzbehörden, die die Anschlagsserie hätten verhindern müssen, haben von den Aktivitäten des Trios – angeblich – nichts bemerkt.

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In seinem Buch "Rechter Terror in Deutschland" hinterfragt der Journalist Olaf Sundermeyer nicht nur die vermeintlichen Ursachen für das Behördenversagen. Er seziert zusätzlich rechte Gewalt in der Bundesrepublik von ihren Anfängen bis zur Gegenwart.

Herausgekommen ist eine bislang wohl einzigartige Geschichte brauner Gräueltaten, die Jahrzehnte vor dem "Nationalsozialistischen Untergrund" ihren Anfang nimmt. Schon in den 1970er Jahren bewiesen Neonazis ihre ausgesprochene Affinität für Waffen, veranstalteten Wehrsportübungen und ließen sich - wie später Uwe Mundlos - in der Bundeswehr ausbilden. Sundermeyer zieht eine klare Traditionslinie von den Wehrsportgruppen der 1970er und 1980er-Jahre zu den Gewaltexzessen des NSU.

Olaf Sundermeyer: Rechter Terror in Deutschland.
Olaf Sundermeyer: Rechter Terror in Deutschland.
Cover: C. H. Beck

Mit der Wiedervereinigung war ein rascher Anstieg rechter Gewaltdelikte zu beobachten. Neonazis gelang die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl, indem sie Anfang der 1990er Jahre in steter Regelmäßigkeit Asylbewerberunterkünfte angriffen. Ein einmaliger Vorgang in der bundesrepublikanischen Geschichte.



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Rechter Terror in Deutschland
Olaf Sundermeyer, C. H. Beck, München 2012,, 16,95 Euro
Bis zum ersten NSU-Mord im Jahr 2001 töteten Neonazis über 100 Menschen. Dass deren Schicksal, im Gegensatz zu dem der RAF-Opfer, nicht ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist, liegt Sundermeyer zufolge allein an dem Umstand, dass sich die rechten Gewalttäter vornehmlich an Minderheiten vergreifen, die keine öffentliche Lobby besitzen. Sogar im medienwirksamen Fall des NSU werde mehr über die Täter als über die Getöteten berichtet. Recht hat er. Jeder Bundesbürger dürfte mit dem Namen Beate Zschäpe vertraut sein, aber die Wenigsten kennen beispielsweise İsmail Yaşar, den die Terroristen am 9. Juni 2005 in Nürnberg ermordeten.

Sundermeyers Buch zeigt dem Leser die direkten Zusammenhänge zwischen neonazistischer Ideologie und rechter Gewalt auf, die den Sicherheitsbehörden vor Auffliegen des NSU offenbar entgangen sind. Dass der Autor ein brillanter Erzähler ist, ist das Sahnehäubchen auf einem wichtigen Werk, das eigentlich vom Verfassungsschutz hätte verfasst sein müssen.



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