Klimawandel: Trockenere Sommer erhöhen im Elbegebiet Anpassungsdruck für Schifffahrt und Landwirtschaft
Redaktion
30.11.2009
Elbeflut 2002.
In der vergangenen Woche nahm nicht nur das Mitteldeutsche Klimabüro offiziell seine Arbeit auf. Auch die Elbe rückte in den Fokus der Aufmerksamkeit: Sachsen hat – mit den anderen Bundesländern im Elbe-Einzugsgebiet – einen Internationalen Bewirtschaftungsplan verabschiedet.
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„Sachsen ist durch eine hohe Siedlungsdichte, Industrieansiedlungen sowie eine umfangreiche landwirtschaftliche Nutzung entlang der Gewässer geprägt", erläuterte Sachsens Umweltminister Frank Kupfer das Problemfeld. "Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Gewässer bewirtschaftet, verbaut, verlegt oder auf andere Weise belastet wurden."
Sachsen selbst will in den nächsten Jahren rund 650 Millionen Euro zur Verbesserung des Gewässerzustandes der Elbe einsetzen. „Mit diesem Geld werden wir unter anderem Investitionen in den Ausbau der Abwasserbehandlung unterstützen, um den Eintrag von Schad- und Nährstoffen in die Gewässer zu reduzieren“. Ebenso sei Geld vorgesehen um die Gewässerdurchgängigkeit zu verbessern, Erosionen zu verhindern oder Gewässerbelastungen aus Bergbaufolgen zu sanieren.
Aber nicht nur um die Beseitigung der Schäden aus vergangenen Jahren geht es in Sachen Elbe. Der wichtigste Fluss in Ostdeutschland bekommt auch zunehmend Probleme mit dem Klimawandel.
Das untersucht das um das UFZ in Leipzig angesiedelte Forschungsprojekt GLOWA-Elbe.
Extremereignis 2002: das Hochwasser der Elbe.
Foto: UfZ/Künzelmann
GLOWA-Elbe betrachtet flächendeckend das Elbegebiet für den Zeitraum bis 2055 und spielt dabei unterschiedliche Szenarien der klimatischen und sozio-ökonomischen Entwicklung durch. Das zur Analyse angewandte Modellsystem umfasst dabei neben Klimamodellen auch Wasserbewirtschaftungs-, Bevölkerungs-, Landnutzungs- und Wassernachfrage-Modelle sowie Modelle zur ökonomischen Bewertung der Folgen unterschiedlicher Szenarien.
Unter anderem zeigen die Szenarienstudien, dass ein fortgesetzter Temperaturanstieg bis zur Mitte des Jahrhunderts um 2 bis 3 Grad Celsius (und das ist der eher zurückhaltende Ansatz, von dem auch das sächsische Umweltministerium ausgeht) zu einer deutlichen Änderung des Wasserhaushaltes im Einzugsgebiet der Elbe führen wird.
Es kommt zu einem weiteren Rückgang der Sommerniederschläge bei zunehmenden Winterniederschlägen. Das Abflussmaximum der Elbe und ihrer Nebenflüsse verlagert sich weiter vom Frühjahr in den Winter, Niedrigwasserphasen treten früher ein, dauern länger an und unterschreiten das gewohnte Niveau noch deutlicher. Einige Flussbetten können sogar zeitweise trockenfallen.
Die gesellschaftlichen Konsequenzen dieser Entwicklung wurden von Ökonomen des UFZ und der TU Berlin ermittelt. Es zeigte sich dabei, dass insbesondere die Beregnungslandwirtschaft, stauregulierte Feuchtgebiete, die Binnen- und Freizeitschifffahrt sowie Wasserkraftwerke die am stärksten betroffenen Wassernutzergruppen sein werden. Hierbei handelt es sich um vom Durchfluss abhängige beziehungsweise stark verdunstungssensitive Nutzungen, deren Fähigkeiten zur Anpassung an geringere Wassermengen eher gering sind.
Interessanterweise sind demgegenüber besonders wasserintensive Nutzungen wie die Trinkwasserversorgung, die Industrie und thermische Kraftwerke nach bisherigen Ergebnissen kaum betroffen. Dies hängt mit den entlastenden Trends der Wassernachfrage dieser Sektoren zusammen, die nicht zuletzt auf ihrer Anpassungsfähigkeit beruhen. So ist beispielsweise im Bereich der Kraftwerkstechnik durch die Einführung geschlossener Kreislaufkühlsysteme mit einem erheblichen Rückgang des Kühlwasserbedarfs zu rechnen. Bliebe eine derartige Anpassung jedoch aus, so wäre auch hier mit stärkeren Verlusten zu rechnen, so die Wissenschaftler.
Die Landwirtschaft muss sich umstellen: Die Sommer werden wärmer und trockener.
Foto: UfZ/Künzelmann
Insgesamt ist im Einzugsgebiet der Elbe zwar mit keiner flächendeckenden Zunahme der Wasserknappheiten zu rechnen – einzelne Wassernutzer, -nutzungen und Regionen können aber durchaus gravierend betroffen sein.
Die Ergebnisse lassen ferner die Folgerung zu, dass vor allem bei solchen Wassernutzungen, die bisher schon in trockenen Sommern von Wassermangel betroffen waren – wie etwa die Schifffahrt – mit verstärkten Wasserdefiziten zu rechnen ist. Für die Entwicklung von Anpassungsstrategien bedeutet dies, dass man sich auf bereits heute wahrnehmbare Probleme konzentrieren kann.
Zur Anpassung an den globalen Wandel und den Klimawandel wurden im Austausch mit Praxispartnern aus Behörden, Verbänden und Wirtschaft bereits mögliche Handlungsoptionen aus den Bereichen Talsperrensteuerung, Wasserüberleitungen, Feuchtgebietsmanagement und Nachfragemanagement identifiziert.
Bis zum Abschluss von GLOWA-Elbe im Herbst 2010 sollen mehrere zentrale Handlungsoptionen hinsichtlich ihrer Effekte und Kosten analysiert und bewertet werden. Dies geschieht mit Hilfe der Elbe-Expert-Toolbox, einem Softwaresystem, in dem sämtliche Modelle von GLOWA-Elbe integriert werden und das eine umfassende Analyse und Bewertung unterschiedlicher Szenarien und Handlungsoptionen ermöglicht.
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