Übergewicht, Depression und Schlafmangel: Verblüffendes Forschungsergebnis aus Leipzig
Redaktion
24.08.2010
Haben Depression und Übergewicht die selbe Ursache?
Foto: Ralf Julke
Botenstoffe in unserem Körper spielen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Übergewicht und Depression. Es sind dieselben, die durch Übergewicht und Schlafmangel produziert werden.
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Wissenschaftler am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen der Universität Leipzig sind dem Zusammenhang zwischen Adipositas, Depression und Schlaf ein Stück näher gekommen und haben zugleich wieder neue Fragen aufgeworfen.
In einer Studie konnten sie nachweisen, dass ein erhöhter Spiegel an sogenannten Zytokinen, - das sind Eiweißmoleküle des Immunsystems, die für die Abwehr zuständig sind - zu Depressionen führen kann und eine antidepressive Therapie die Produktion dieser Zytokine drosselt.
Keine leichte Fragen: Wie eng hängen Depression und Übergewicht zusammen?
Foto: Ralf Julke
"Dieses Ergebnis ist für uns sehr spannend", so der leitende Wissenschaftler Prof. Hubertus Himmerich. "Wir wissen aus anderen Studien, dass eben diese Zytokine vermehrt bei stark Übergewichtigen vorkommen, sie werden wahrscheinlich als Antwort auf die großen Fettmassen gebildet. Es ist also relativ wahrscheinlich, dass bei der Entstehung von Depressionen bei stark adipösen diese Zytokine eine große Rolle spielen."
Prof. Hubertus Himmerich.
Foto: Uni Leipzig
Die Freude über die Erkenntnis ist von kurzer Dauer. Bedenkt man, dass auch zu wenig Schlaf die Bildung von Zytokinen hervorruft und zugleich die Ausschüttung von Ghrelin bewirkt, ein Hormon das den Appetit fördert, dann könnte genausogut zu wenig Schlaf die eigentliche Ursache für Übergewicht und in dessen Folge für Depression sein.
Unübersichtlich wird das Untersuchungsfeld, wenn man die Ergebnisse von Studien hinzunimmt, die zeigen, dass atypische Depressionen Heißhunger fördern und zugleich das Schlafbedürfnis erhöhen.
"Es ist unser Ziel", so Himmerich, "in dieses Wirrwarr ein bisschen mehr Licht zu bringen. Am IFB werden wir jetzt genau diese Zusammenhänge zwischen der Regulation von Wachheit, Schlaf, Adipositas und Depression erforschen. In diesem Zusammenhang suchen wir auch noch gesunde, normalgewichtige Probanden zwischen 30 und 60 Jahren."
Diese Untersuchungen sind für die Wissenschaftler wichtig, um herauszufinden, was Henne und was Ei ist. Denn bisher ist unklar, ob Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus Ursache oder Folge der Depression sind, und Übergewicht zur Depression führt oder beispielsweise eine atypische Depression die Ursache für die Gewichtszunahme darstellt. Die Untersuchungen werden voraussichtlich etwa 3 Stunden dauern und beinhalten Fragen, Konzentrationsaufgaben und eine Elektroenzephalografie-(Gehirnstrom)-Messung."
Interessierte, die an der Studie teilnehmen möchten, können sich unter eeg-studie@medizin.uni-leipzig.de oder Mo-Fr von 9-10 Uhr unter Tel. (0341) 97 24535 melden.
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