Turbulente Strömungen und schöne Gruppenringe: Fast 2 Millionen Euro Fördermittel für junge Mathegenies
Matthias Weidemann
30.09.2011
Dr. László Székelyhidi
Foto: Uni Leipzig
Zwei junge Wissenschaftler der Universität Leipzig dürfen sich über Fördergelder von jeweils 900.000 beziehungsweise 870.000 Euro freuen. Der Europäische Forschungsrat (ERC) bedenkt auf diese Weise zum ersten mal junge Forscher in Leipzig mit den renommierten, sogenannten Starting Grants.
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Prof. Dr. Andreas Thom und Dr. László Székelyhidi vom Mathematischen Institut sind die beiden Auserwählten die sich über die Beträge in den kommenden fünf Jahren freuen dürfen. Der Vertragsbeginn ist laut Universität am 1. Oktober. Die Materie, mit denen sich die beiden Mathematiker beschäftigen, werden sicher viele von uns in den Orkus gnädigen Vergessens schulischer Anstrengungen verbannt haben.
Székelyhidi zum Beispiel, der am 1. Oktober die Professur für Angewandte Mathematik an der Universität Leipzig antritt und zuvor an der Universität Bonn eine Professur inne hatte, befasst sich im Rahmen seines ERC-geförderten Forschungsprojektes mit Partiellen Differentialgleichungen. Speziell mit Gleichungen, die turbulente Strömungsbewegungen beschreiben. "Ich möchte verstehen, wie Wirbelstrukturen entstehen und wie dadurch die Energie verteilt wird", sagt der 34-Jährige. "Dabei geht es um einen erstaunlichen Zusammenhang zwischen den internen Mechanismen turbulenter Strömungen und der Geometrie von Flächen." Der ERC-Grant ermögliche "eine außergewöhnliche Freiheit in der Forschung, die in unserem Wissenschaftssystem als Luxus gilt".
Gefördert: Dr. László Székelyhidi möchte verstehen, wie Wirbelstrukturen entstehen und wie dadurch die Energie verteilt wird
Foto: Uni Leipzig
Auch das Forschungsfeld von Andreas Thom dürfte für Menschen, die Mathematik nur noch vage aus Schulzeiten in Erinnerung haben, so undurchschaubar wie die Sächsische Staatskanzlei sein. Andreas Thom hat seit Oktober 2009 die Professur für Theoretische Mathematik an der Universität Leipzig inne. Er bekommt das ERC-Grant für sein Forschungsthema: "Geometrie und Analysis von Gruppenringen". "Gruppen sind Grundlage der Symmetrie und Schönheit in der Welt", erläutert der 33-jährige gebürtige Dresdner. Er studiere diese Gruppen mit Mitteln der Geometrie und der Analysis - eine Kombination, die neu ist.
Mit seinen gewonnenen Erkenntnissen will er wissenschaftliche Vermutungen beweisen, die seit mehr als 30 Jahren ungelöst sind. Seine Grundlagenforschung habe mehr langfristige Auswirkungen. Das Potenzial des Wirtschaftsstandortes Deutschland beruhe beispielsweise zu einem Großteil auf der mathematischen Grundlagenforschung. Allgemein befasse er sich in seinen Forschungen an der Universität mit dem Wechselspiel zwischen Algebra, Geometrie und Analysis. "Ich versuche, die Vorteile dieser drei Gebiete miteinander zu verbinden. Das ist das Besondere an meiner Arbeit", erklärt er. Das Starting Grant sei für ihn "eine riesige Chance", sich verstärkt seinen Forschungen zu widmen. "Ich kann unter anderem international anerkannte Fachleute zu Gastvorträgen nach Leipzig einladen. Das wird die Bedeutung der Mathematik an der Universität erhöhen", sagt Prof. Thom.
Prof. Dr. Andreas Thom bekommt das ERC-Grant für sein Forschungsthema: "Geometrie und Analysis von Gruppenringen".
Foto: Uni Leipzig
In der Vergangenheit hatten drei Professoren der Universität Leipzig so genannte Advanced Grants gewonnen. Alle drei sind allerdings Direktoren von Max-Planck-Instituten und haben die Fördergelder für ihre Häuser eingeworben. Das Starting Grant umfasst hauptsächlich Personalmittel für den Aufbau einer Forschergruppe, aber auch Gelder für Fahrten zu wichtigen Tagungen oder für die Einladung renommierter Gastredner nach Leipzig. Der European Research Council (ERC) wurde von der Europäischen Union 2007 ins Leben gerufen. Bei der Auswahl seiner Förderprojekte sind die wissenschaftliche Exzellenz des Forschers und das innovative Potenzial der Forschungsidee die einzigen Kriterien. Die ERC-Grants werden ausgeschrieben (siehe Link).
Das Gremium vergibt seine Starting Grants an Nachwuchs- und die Advanced Grants an etablierte Wissenschaftler, die auf ihrem Forschungsgebiet bereits führend sind.
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