Wissenschaftler, Politiker und Naturschützer diskutieren: HTWK-Kolloquium beschäftigt sich mit Hochwasserschutz in Leipzig
Ralf Julke
04.10.2011
Deichrodungen im Februar 2011.
Foto: Gernot Borriss
Das Geholze auf Leipzigs Deichen - es beschäftigt nun auch die Wissenschaftler. Das Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) lädt am Mittwoch, 5. Oktober, zum 3. Leipziger Kolloquium "Wasserwirtschaft, Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft" ein.
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Ab 9.00 Uhr kommen in der Karl-Liebknecht-Straße 132 Vertreter aus Politik, Verwaltung, Verbänden und Wissenschaft zusammen, um über Maßnahmen zum Thema "Hochwasserschutz im Kontext der Wasserrahmenrichtlinie" zu diskutieren.
Wie wichtig Hochwasserschutzmaßnahmen sind, haben die verheerenden Hochwasser der letzten Jahre gezeigt. Dabei gilt es, jedoch nicht nur technische Lösungen für die hochwassergefährdeten Gebiete zu finden, sondern auch die verschiedenen Interessen von Wasserwirtschaft, Naturschutz, Kommunen und Landwirtschaft zu vereinen.
Wie kontrovers dies sein kann, haben nicht zuletzt die Proteste gegen das Fällen der Bäume auf den Leipziger Deichen nach dem letzten Winterhochwasser gezeigt, bei denen die sächsische Landestalsperrenverwaltung und das Umweltamt der Stadt Leipzig auf die vom "Tornadoerlass" gedeckte Komplettabholzung aller Bäume auf und hinter den Leipziger Hochwasserschutzanlagen setzen, obwohl auch das Hochwasserschutzkonzept andere Handlungsmöglichkeiten eröffnet.
Deichrodungen im Februar 2011.
Foto: Gernot Borriss
Doch auch neun Jahre nach dem Elbe-Hochwasser setzen Freistaat und Kommune auf teure technische Lösungen und verweigern sogar die Einbeziehung kompetenter Umweltverbände, um nach nachhaltigen und vor allem für alle preiswerteren Strategien zu suchen.
Zusätzlich zum Hochwasserschutz müssen auch die Forderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie Beachtung finden. Laut dieser sollen sich bis zum Jahr 2027 sämtliche Oberflächengewässer in einem guten ökologischen Zustand befinden bzw. ein gutes ökologisches Potential aufweisen. Allerdings erfüllen derzeit nur etwa 4 Prozent der westsächsischen Fließgewässer diese Vorgabe - von den innerstädtischen Gewässer in Leipzig kein einziges. Baden in der Elster oder der Pleiße, wie vor 100 Jahren noch, ist weiterhin nicht möglich. Zahlreiche Sedimentablagerungen sind mit Schwermetallen vergiftet.
In dem Fachkolloquium am 5. Oktober diskutieren die Teilnehmer über die genannten Problemlagen und suchen gemeinsam nach bestmöglichen Lösungen für den Hochwasserschutz. In den Vorträgen des Kolloquiums sprechen lokale und überregionale Vertreter von Ministerien, Umweltämtern, Naturschutz- und Landesverbänden, Hochschulen und Kommunen über Umsetzbarkeit, bisherige Erfahrungen, Anforderungen und Vereinbarkeit von Hochwasserschutz und Wasserrahmenrichtlinie aus ihrer Sicht.
Zudem werden aktuelle Projekte wie die Wiedervernässung des Auenwaldes vorgestellt und Fragen wie der Standsicherheitsbeeinträchtigung von Deichen bei Baumbewuchs nachgegangen. Professor Dr.-Ing. Hubertus Milke von der Fakultät Bauwesen der HTWK Leipzig moderiert die Veranstaltung.
"Wir wollen mit unserem diesjährigen Kolloquium eine Plattform für mehr Verständnis zwischen den Interessenslagen bieten, die sich oftmals kontrovers gegenüber stehen", so Prof. Milke. In den Pausen besteht für die Gäste zudem die Möglichkeit, eine Firmenausstellung und die Wasserbaulabore der HTWK Leipzig zu besichtigen, sowie sich über den neuen Masterstudiengang "Change Management in der Wasserwirtschaft" zu informieren.
Mittwoch, 5. Oktober 2011, Beginn: 9.00 Uhr, HTWK Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße 132, Geutebrückbau, Audimax G 329.
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