Leipziger Sprachforschung: Wie man historische Sprachentwicklung sichtbar machen kann
Redaktion
06.12.2011
Verteilung der Sprachen und Dialekte.
Karte: ASJP (Ausschnitt)
Das internationale Forscherkonsortium ASJP (Automated Similarity Judgment Program) hat eine Methode entwickelt, mit der automatisch der Zeitpunkt bestimmt werden kann, an dem eine prähistorische Sprache gesprochen wurde. Das Konsortium ist in der Abteilung Linguistik des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ansässig.
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Die Methode baut auf einem bereits als Glottochronologie bekannten Ansatz auf und datiert die Ursprachen aller Sprachfamilien der Welt, zum Beispiel indoeuropäisch, austronesisch und maya. Grundlage der neuen Methode ist die Beobachtung, dass umso mehr Zeit seit der Aufspaltung einer Ursprache in mehrere Tochtersprachen vergangen sein muss, je größer die sprachlichen Unterschiede zwischen ihnen sind. Der Zeitpunkt, zu dem die Ursprache zuletzt gesprochen wurde, wird dann durch die Quantifizierung der Unterschiede im Vokabular zwischen den Sprachen einer Familie bestimmt.
Der Studie liegt eine Datenbank zugrunde, die über mehrere Jahre von den Mitgliedern des ASJP-Konsortiums erstellt wurde und die von bisher nicht dagewesener Größe ist – in ihr ist über die Hälfte der weltweit über 6.000 gesprochenen Sprachen erfasst.
Verteilung der Sprachen und Dialekte entsprechend der ASJP-Datenbank.
Karte: ASJP
„Die ASJP-Daten erleichtern es, Sprachen aus lange vergangenen Zeiten mit archäologischen Befunden und Ereignissen zu verknüpfen und somit mehr über prähistorische Völker zu erfahren“, sagt Søren Wichmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Denn jetzt kann man - wenn die gewählte Methode stimmt - die untersuchte Sprache mit den datierten Bodenfunden in Einklang bringen.
Dass es da noch Schwierigkeiten gerade in interessanten Untersuchungsgebieten gibt, zeigt der von Søren Wichmann und seinen Forscherkollegen erstellte Filmclip, der für Europa noch keine Sprachentwicklung nachweist, während im ganzen Äquatorialgürtel ab der Zeit vor 8.000 Jahren schon die neuen Sprachen aufblitzen. Bis vor knapp 2.000 Jahren scheint Europa ein sprachlich noch unbeleckter Kontinent zu sein.
Ist natürlich nicht so. Sind ja auch noch nicht alle Sprachen im System.
An der Studie waren folgende Institutionen beteiligt: University of California, Los Angeles; Northern Illinois University; University of West Florida; Leiden University; Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie; Universität Leipzig; Justus Liebig Universität Gießen; Radboud Universiteit Nijmegen; University of Amsterdam; University of Lancaster; Moscow State University; Arizona State University; Heinrich Heine Universität Düsseldorf; Kazan State University.
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