Bit Mags: René Meyer stellt auf der Leipziger Buchmesse olle Magazine aus
Redaktion
19.02.2009
René Meyer.
Foto: Ralf Julke
Die Grenzen sind fließend geworden. Ein spannendes Buch wird zum Film, aus dem Film ein Computerspiel, aus dem Spiel ein Buch. Über die Spiele wird in Magazinen geschrieben. Und siehe da: Auch eine alte Zeitschrift ist auf einmal Lesefutter. Und Sammelspaß für René Meyer.
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Computer-Spiel-Vernarrte kennen den 39-Jährigen als Kopf hinter der Spiele-Tricks-Website www.mogelpower.de. Er ist Journalist und Autor zahlreicher Bücher rund ums Spielen mit und am PC. Auf der Games Convention brillierte der Leipziger mit seiner Ausstellung von mittlerweile historischen Spiel-Konsolen. Und er gibt zu, dass es nicht seine einzige Sammel-Leidenschaft ist.
„Ich kann einfach nichts wegwerfen", sagt er. Selbst seine Schulbücher hat er aufgehoben – nebst der sich fröhlich vermehrenden Sammlung von Büchern aller Art. Und dem, was ihn seit 1990 auch täglich beschäftigt: Literatur über Computer und Computerspiele. „Als ich damals anfing, stellte ich als erstes fest, dass ich über die Geschichte der Computer und der Spiele überhaupt nichts wusste", sagt er. Und taucht in diesem Jahr auch auf der Buchmesse als Aussteller auf.
Er zeigt unter dem Titel "Bit Mags" erstmals eine Sonderausstellung mit Zeitschriften und Büchern aus 30 Jahren Computer- und Computerspielliteratur. Angfangen mit raren Erstausgaben von zwischenzeitlich berühmten Magazinen wie CHIP, Telematch oder c't. "
Lässt zur Buchmesse in sein Archiv schauen: René Meyer.
Foto: Ralf Julke
„Das war mein erster großer Kauf damals", sagt er, „zehn Regalmeter Computerzeitschriften." Kurz nach 1990 kein großes Ding: Da war selbst der PC noch so jung, dass Literatur über das Daddeln am Bildschirm noch als Wegwerfware galt. Alte Spiele aus den 1980ern waren Geschichte. Wen interessierte das schon? – Einen wie Meyer natürlich, der sich berufsmäßig hineinwühlte in die alte Zeitschriften – und der heute stolz die alten Geräte aufblättert und sogar die damaligen Preise hat: hübsch sortiert in den Anzeigen der Zeit.
Womit "Bit Mags" sich nicht nur als eine Schau für Eingeweihte und Spiele-Versessene erweisen wird. Sie zeigt auch einen anderen Aspekt von Literatur: Ihren Reichtum als Fundgrube gerade dort, wo das Gedruckte nichts anderes zu sein scheint als ein Wegwerfprodukt für den Tag. – Das Gerät ist veraltet? Das Spiel läuft nicht mehr? – Weg damit ...
Was dann zum Ergebnis hat, dass es heute wenige Sammler gibt, die über ein so reiches Reservoir verfügen und selbst das junge Spieler-Leser-Volk wieder in den Bann ziehen. „Retro ist in", sagt Meyer. Weiß aber auch, dass das, was er da hat, mittlerweile auch Wirtschafts- und Mediengeschichte ist. Er zeigt Romane und Comics zu Videospielen, Handbücher und Making-of-Bücher, verfügt aber auch über all das, was in ganz anderen Welten der Literatur über den Computer und die Spiellust der Menschen geschrieben wurde – Philosophisches, Soziologisches.
Die Grenzen zwischen dem gedruckten, dem gesprochenen und dem digitalisierten Wort sind fließend geworden. Genauso fließend wie die zwischen der erzählten und der animierten Geschichte, dem Comic und dem Fantasy-Spiel. Und so bekommt die Buchmesse einen weiteren Baustein, der zeigt, wie das Geschriebene ausstrahlt in andere – am Ende wohl in alle modernen Lebensbereiche.
Das könne auch wieder aufs Buch ausstrahlen. Warum nicht die ersten Seiten von Stevensons Schatzinsel mit einbauen ins nächste Schatzinsel-Computerspiel? "Das kann doch neugierig machen." Moderne Filmproduktionen hätten doch längst gezeigt, wie sie die Aufmerksamkeit für ein Buch wieder wecken können. Und die Spiele, die ihre Grundidee aus einem Buch haben, sind Legion.
Den Zugang kann man auf verschiedenen Wegen finden. Einer davon kann auch ein altes, zerfleddertes Computer-Magazin sein.
300 olle Spielkonsolen: Leipziger Sammlung kommt ins Buch der Rekorde
Foto: Schreibfabrik
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