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Bildungsstreik: Max-Klinger-Schüler schreiben einen offenen Brief

Redaktion
Bildungsstreik.
Bildungsstreik.
Sachsens Schüler streiken in dieser Woche nicht zum ersten Mal. Sie streiken auch nicht zum ersten Mal für bessere Bildungsbedingungen. Doch anders als Politiker, die damit in der Regel neue Schulgebäude und tolle Technik assoziieren, geht es auch den Leipziger Schülern bei Bildung zuerst einmal um Inhalte.

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Denn Schulerfolg hat viel mit Chancengleichheit, Praxisnähe und Integration zu tun. Das sächsische Schulsystem war über 15 Jahre lang eines der beliebtesten Mustermodelle für Sparprogramme und Zentralisierung. Und wider besseres Wissen hält die Landesregierung an einem starren Schulsystem fest, das Jahr für Jahr rund 10 Prozent aller Schüler ohne Hauptschulabschluss entlässt. Es wird zwar viel geredet über "Investition in Bildung". Doch im Grunde gehen die politischen Wohltaten am eigentlichen Kern des Themas vorbei.

Das finden auch der Arbeitskreis Bildung und der Schülerratsvorstand der Max-Klinger-Schule. Sie haben einen offenen Brief geschrieben, der schlicht daran erinnert, dass das "Bildungssystem" keine Fabrik ist, die standardisierte Produkte erzeugt, sondern dass Schüler wie Lehrer Individuen sind und moderne Bildung anders gedacht werden muss als im Systemdenken der deutschen Bildungspolitik.

Der offene Brief:

"Leipzig, der 08. Juni 2009

Sehr geehrte Schüler_innen, Eltern und Lehrer_innen,
Jede_r weiß um Missstände im Bildungsbetrieb. Sie fangen an bei zu großen Klassen und Schulschließungsplänen, gehen weiter über Leistungsdruck, Stress und finanziellen Aufwand und enden bei Pfusch am Bildungskanon und bei Einzelnen in Perspektivlosigkeit nach einer katastrophalen, jahrelangen Odyssee durch das Bildungssystem.

Die Probleme sind nicht schulintern zu lösen und brauchen einen größeren Rahmen als Schüler-, Elternratssitzungen und Dienstberatungen. Nötig ist eine breite, gesamtgesellschaftliche Debatte und Sensibilisierung für genau diese Probleme. Darum aber kann es nicht in unserem Interesse sein, Bildungspolitik den Bildungspolitikern zu überlassen. Es liegt eben auch an uns, den betroffenen Schülerinnen und Schülern, Einfluss zu nehmen und uns zu artikulieren.

Aus diesem Grund mobilisieren bundesweit Gruppen zum Bildungsstreik 2009, der versucht, inhaltliche Debatte mit starkem, breiten Aktionismus zu verbinden. Es geht darum zu zeigen: „Wir sind nicht nur Produkte dieses Bildungssystems, wir sind Individuen mit eigenen Vorstellungen und Wünschen.“

An der Max-Klinger-Schule hat sich ein Arbeitskreis aus Schülerinnen und Schülern gebildet, welcher aus eigenem Antrieb die Durchführung des Bildungsstreiks an unserer Schule umzusetzen plant. Dabei haben wir uns dafür entschieden, nicht „nur“ zum Streik aufzurufen, sondern Teile der Schule selbst zu besetzen, um dort in der Woche vom 15. bis 19. Juni in Workshops und Diskussionsrunden gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Studierenden und geladenen Referent_innen ins Gespräch zu kommen um für die Probleme zu sensibilisieren, über profane Kritik hinaus.

Der Bildungsstreik richtet sich nicht gegen Lehrerinnen und Lehrer oder gegen diese Schule im speziellen, jedoch sehr wohl gegen immanente Missstände im Bildungsbetrieb. Wir wollen darum auch selbst Forderungen aufstellen, anstatt sie uns von anderen in den Mund legen zu lassen.

Wir bitten um Verständnis für die Wichtigkeit dieses Anliegens und die Relevanz des Streiks. Es wird zu Unterrichtsausfall kommen, jedoch hoffen wir, dass dieser Streik allen Beteiligten einen Zuwachs an demokratischer Bildung und kritischem Bewusstsein verschaffen kann. Wir berufen uns auf unsere demokratischen Grundrechte und unser Recht, als Teil dieses Bildungsbetriebes auch Einfluss nehmen zu können.

Der Arbeitskreis Bildung & der Schülerratsvorstand der Max-Klinger-Schule"


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