Umzugsfieber: CampusBibliothek startet mit 24-Stunden-Testbetrieb ins Wintersemester
Ralf Julke
18.08.2009
Systematisch gepackt, komen die Bücher sofort ins richtige Regal.
Foto: Ralf Julke
24 Stunden lang Bücher ausleihen, lesen, zurückgeben – mit Start des Herbstsemesters soll das an der Uni Leipzig zum ersten Mal möglich werden. Dann wird die neue CampusBibliothek im Hörsaalgebäude am Augustusplatz zur ersten Rund-um-die-Uhr-Bibliothek an einer deutschen Hochschule.
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„Das könnte ein echter Standortvorteil sein", sagt Charlotte Bauer, stellvertretende Direktorin der Leipziger Universitäts Bibliothek. Und dabei hat man sogar noch Personal gespart. Bis zum Auszug aus dem seinerzeit tageslichtlosen Gelass hatte die Geisteswissenschaftliche Bibliothek um die 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeit. Ein Teil von ihnen ist heute in der Albertina tätig. 13 werden in der neuen CampusBibliothek tätig werden und dabei immer 300.000 Bücher auf drei Etagen zu verwalten haben.
„Normalerweise hätten wir mit dem alten System nur Öffnungszeiten bis 19 Uhr realisiere können", so Charlotte Bauer. „Das haben wir schon alles durchgerechnet." Doch: „Des einen Uhl ist des andern sein Nachtigall." Die Bauverzögerung am Campus hat auch der CampusBibliothek eine Einzugsverzögerung von drei Jahren beschert. Eine Zeit, in der neue Bibliothekstechniken verfügbar wurden und die EU auch noch über eine Million Euro zur Verfügung stellte, um den kompletten Bestand der Bibliothek mit modernen RFID-Chips.
RFID – ausgeschrieben: Radio Frequency Identification – macht die Identifizierung von derart markierten Büchern mit Lesegeräten möglich. Heißt im Klartext: Wer Bücher ausleiht, kann die Ausleihe aus schlanken roten Terminals selbst vornehmen, bekommt – wie es Charlotte Bauer der neugierigen Presse am Montag so schön zeigte – einen Bon ausgedruckt. Alles schön personalisiert, denn zur Registration bekommt jeder Student und Uni-Angestellte ein freundliches, computerlesbares Bibliothekskärtchen.
In Aktencontainer reisen die Bücher aus dem Magazin in die CampusBibliothek.
Foto: Ralf Julke
Wer das Registrieren vergisst und mit dem Buchstapel entfleuchen will, den fängt am Ausgang – wie im Kaufhaus – die Sicherheitsschranke ab. Umgekehrt gibt's dann wieder Wand-Terminals, in die man die ausgeliehenen Bücher einfach hineinschiebt. Der kluge Apparat bemerkt nicht nur die Rückgabe, sondern sortiert die Bücher dann auch noch in die richtige Kiste für die richtige Abteilung ein. Wer will, kann dieses Zauberland der Rückgabetechnik durch eine große Glasscheibe selbst beobachten.
Was natürlich Arbeitskräfte erspart. „Wir können die Mitarbeiter jetzt direkt in der Beratung und Betreuung der Nutzer einsetzen", sagt Ute Stephan, Leiterin der CampusBibliothek. Mehr Beratung und Unterstützung also für die Studierenden. „Und zwar in der Kernöffnungszeit am Tag."
„Damit wird die Universität Leipzig dem Trend gerecht, dass Bibliotheken sich immer mehr zu Lernorten entwickeln", sagt Charlotte Bauer. Die Abend- und Nachtstunden sind also eher Zeiten für die Eigenbrötler, die in aller Ruhe an einem der 500 Arbeitsplätze ihre Lektüre verschlingen wollen. Eine Cafeteria gibt's nicht. Muss auch nicht sein: Zur Mensa braucht man im Grunde nur einmal durchs große Foyer im Hörsaalgebäude zu schlendern, kann dort verpusten, heißen Kaffee trinken. Und dann wieder zurück in die Bibliothek, wo in den späten Stunden der Uni-Wachdienst präsent sein wird, um Umfug zu verhindern.
Lesesaal der CampusBibliothek: Die Bücher stehen gleich in Reichweite.
Foto: Ralf Julke
Soll's geben. Auch unter den Eingeschrieben der drei Fakultäten, deren Buchbestände in der CampusBibliothek nach Jahren des Aufenthalts in drei Interims-Magazinen jetzt wieder vereinigt werden. Seit zwei Wochen rollen die Lastkraftwagen, kommen die Bestände der Mathematik-, der Informatik- und der KMW-Bibliotheken sowie die Lehrbuchsammlung in der CampusBibliothek zusammen. Alles nach einem schon seit Jahren vorliegenden Plan. Das Magazin in der Johannisgasse wurde praktisch schon umgeräumt. „Fünf bis sechs Wochen werden wir wohl noch brauchen", so Charlotte Bauer. Eingeräumt wir gleich nach System. Die Bibliothekarinnen sorgen gleich für die Feinsortierung.
Das wird auch später noch ihr Job sein. „Das Einsortieren geht leider noch nicht automatisch", so Bauer. Doch praktisch für die Nutzer: Sie können hier auch Bücher aus andern Beständen der Uni-Bibliothek zurückgeben. Die RFID-Chips machen's möglich. Ein täglicher Transport bringt die gesammelten Leihstücke dann wieder in die Albertina.
Weil der 24-Stunden-Betrieb noch unerprobt ist, läuft er vorerst ein Jahr als Testphase. Zum Semesterbeginn ist alles einsortiert, verspricht die Leiterin der CampusBibliothek. „Das schaffen wir."
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