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Integrationsprojekt für 14 mutige Leipziger Jugendliche: Auf der Seilbrücke über den Karl-Heine-Kanal

Redaktion
Brücken schlagen.
Brücken schlagen.
Das war denn mal ein Abenteuer so recht nach dem Herzen junger Leute: Hoch überm kalten Wasser des Karl-Heine-Kanals auf einem wackeligen Seil von Ufer zu Ufer spazieren. Eine Herausforderung für 14 Jugendliche in der Berufsorientierungsphase, solche also, die bisher noch ohne Lehrstelle sind.

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Die jungen Leute bauten im Rahmen eines integrativen Projekts der Uni Leipzig eine 30 Meter lange Seilbrücke über den Karl-Heine-Kanal. Die einwöchige Maßnahme begann mit dem Knüpfen des Brückenbausatzes selbst am 19. Oktober - drei Tage Mühsal und Geduld, bevor überhaupt an eine Umsetzung de Mutprojektes gegangen werden konnte. Auch das ein Teil des Lernprozesses für die Jugendlichen, die auch deshalb noch keine Lehrstelle haben, weil ihnen neben ein paar guten schulischen Noten auch ein paar Erfahrungen in sozialem Miteinander und Arbeitsfleiß fehlten. Dinge, die nicht unbedingt zum Soll-Pensum der Schule gehören, in der Regel auch vorausgesetzt werden, wenn durch den proppevollen Lehrstoff gejagt wird - sehr theoretisch bis zum für viele meist frustrierenden Finale.

Nach dem Bau der Brücke war auch Mut gefragt beim Überqueren ...
Nach dem Bau der Brücke war auch Mut gefragt beim Überqueren ...
Foto: Karin Lange / Institut für Soziologie Uni Leipzig
Da ist Praxis der bessere Lehrmeister. Und am Donnerstag, 22. Oktober, konnte die 14 jungen Leute das Ergebnis ihre Arbeit dann selbst austesten und in der Nähe des Stelzenhauses im Stadtteilpark Plagwitz ihre Burma-Seilbrücke spannen.

"Brücken bauen" hieß die Kooperation denn auch sinnigerweise, in der die Uni Leipzig mit dem GaraGe e.V., dem City Kids e.V und der Stadt Leipzig zusammenwirkte.

Das Projekt richtete sich an benachteiligte Jugendliche in den Stadtteilen Lindenau und Plagwitz. Und natürlich ging es um die oben erwähnten so wichtigen sozialen Voraussetzungen für einen möglichen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Die TeilnehmerInnen lernten im Laufe der Maßnahme Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und in einer Gruppe zusammenzuarbeiten sowie nachhaltig Selbständigkeit und Selbstvertrauen zu stärken. "Brücken bauen" bedeutete also auch: Brücken hinüber ins Erwerbsleben, in eine Ausbildungsperspektive oder einen beruflichen
Alltag.

Die Herausforderung sei, so das betreuende Institut für Soziologie der Universität Leipzig, eine für alle zu lösende Aufgabe, bei der die Jugendlichen ihre Stärken und Schwächen besser kennen und einzuschätzen lernen. Das kennt man irgendwie: So werden auch hochdotierte Manager-Trainings aufgezogen. Aus gutem Grund: Team-Fähigkeit, wie es da so schön heißt, ist nicht nur für den Neuling im Unternehmen eine hohe Tugend, sondern auch für die Entscheider auf höheren Ebenen. Eine des-integrierte Chef-Etage ist in der Regel noch gefährlicher für das Unternehmen, als ein desinteressierter Mitarbeiter. Es sei denn, der Staat übernimmt die Folgekosten im Namen der Steuerzahler.

... auf schwankendem Seil über dem Karl-Heine-Kanal.
... auf schwankendem Seil über dem Karl-Heine-Kanal.
Foto: Karin Lange / Institut für Soziologie Uni Leipzig
Also auch ein schwieriger Balance-Akt, den die jungen Leute da am Donnerstag auf schwankendem Seil zu bewältigen hatten. Denn Höhepunkt des Projekts war ja nach dem Bau der Brücke die anschließende Überquerung, wie Gerd Thielicke, Erlebnispädagoge von City Kids e.V., erklärt.

Die Seilbrücke wurde nach der Überquerung wieder abgebaut. Der Bausatz blieb jedoch im Anschluss an das Projekt im Stadtteil und soll zu einem mobilen Kinderspielplatz umgebaut werden, der von den Jugendlichen in Kindergärten, Grundschulen aufgebaut und betreut werden kann.

Die Idee zu "Brücken bauen" entstand im Rahmen des EU-Projektes REURIS am Institut für Soziologie der Universität Leipzig. "Das Projekt REURIS beschäftigt sich mit der Revitalisierung urbaner Gewässer, wobei es beim Karl-Heine-Kanals eher um eine Revitalisierung der lokalen Identifikation des Gewässers geht. Der Kanal soll eine pulsierende Ader für Lindenau und Plagwitz werden", erläutert die Sozialwissenschaftlerin Karin Lange den Ansatz des Projekts.

Die Stadt Leipzig unterstützte das Projekt finanziell über den Verfügungsfonds Leipziger Westen. Und wenn die Sache den so wichtigen Funken ausgelöst hat, dann haben die 14 mutigen Jugendlichen jetzt nicht nur etwas mehr Zutrauen zu ihrem Heimat-Stadtteil, sondern auch zu sich selbst. Und haben vielleicht auch den Mut, sich für eigene Träume und Wünsche künftig die richtigen Partner zu suchen.

www.reuris.uni-leipzig.de


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