Neuer "Bildungsmonitor" vom INSM: Bildungsproduktion im Freistaat Sachsen
Ralf Julke
20.08.2010
Bildungsmonitor 2010.
Foto: Ralf Julke
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) nennt es tapfer weiter "Bildungsmonitor". Auch wenn es nicht um Bildung geht, sondern um ihre wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um Input und Output, um Kosten und Effizienz. "Sachsen verteidigt Platz 1", vermeldet das INSM, - Atempause: "im Bildungsvergleich der Länder". Nö.
Anzeige
Hat es nicht. Es gab keinen neuen Bildungsvergleich. Zumindest keinen, der in das neue Ranking eingeflossen ist, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt hat. Es gab zwar einen. Das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen hat ja erst im Juni die Ergebnisse des innerdeutschen Vergleichs der Sprachkompetenzen veröffentlicht. Aber das ist nicht eingeflossen in diese Vergleichsstudie.
Auch so ein schönes Wort. Studie. Eigentlich ist es auch das nicht. Das IW sammelt nur alle Jahre wieder die neuesten oder nicht ganz so neuen Zahlen ein aus allen 16 Bundesländern, bewertet sie und generiert aus dem Zahlenwerk ein - Ranking. Die Zahlen werden 13 Handlungsfeldern zugeordnet und beruhen auf 111 Indikatoren. Indikatoren zeigen etwas an. In diesem Fall die finanzielle Effizienz der Bildungsanstrengungen in den Bundesländern oder - wie es die INSM formuliert: "inwieweit das Bildungssystem eines Bundeslandes einen Beitrag zu mehr Wachstum leistet."
Ein durchaus legitimer Ansatz, wenn man ein Land als Maschine zur Produktion von Bildung begreift. Was immer das heißt. Denn einen tatsächlichen Vergleich der Bildungsergebnisse bietet in diesem Ranking wieder nur das Ergebnis des PISA-Tests von 2006. Ob das Land dann am Ende mehr und besser ausgebildete Nachwuchskräfte hat, bleibt offen. Ob sie dem Freistaat zugute kommen und ihn voranbringen, bleibt ebenfalls offen.
Und so manches Lob für das Modell Sachsen klingt zumindest seltsam.
"Die Erfolge des Freistaates Sachsen belegen, dass die Bildungspolitik die Chancen des demografischen Wandels nutzen sollte", schreibt das INSM in Auswertung der Studie. "Sachsen kann in dieser Hinsicht zum Vorbild der anderen Bundesländer werden. Diese können zum Beispiel die gezielte Förderung von Kindern und Jugendlichen ohne öffentliche Mehrausgaben verbessern, wenn die Landesregierungen wie in Sachsen die durch die sinkenden Schülerzahlen frei werdenden Mittel ins Bildungssystem reinvestieren."
Förderung? - Klar. Kann man auf der Website für den "Bildungsmonitor" ganz bequem aufklappen. Jedes Handlungsfeld kann einzeln aufgeklappt werden. Auch die "Förderinfrastruktur". Doch wer hier komplexe Zahlen sucht zu Leistungsstipendien, Auswahlgymnasien, überregionalen Wettbewerbserfolgen oder Förderprogrammen für leistungsschwächere Schüler, findet sie nicht. Die Einzelkriterien lauten: Akademisierungsgrad Personal Kitas, Ganztagsgrundschüler, Ganztagsbetreuung Krippen. - Ein bisschen wenig, um ein Thema wie „Förderung“ mit Zahlen zu bewerten.
Dass in Sachsen so langsam deftige Probleme in Sachen Bildung heranwachsen, es steckt selbst in diesem Ranking. Nicht immer da, wo man es sucht. Eben wie die Förderung für in diverser Weise lernbehinderte Schüler. Ein Punkt steckt dann im Handlungsfeld "Integration". Da als "relative Schulabbrecherquote Ausländer". Da liegt Sachsen auf einem miserablen 13. Platz. Bei der Gesamtschulabbrecherquote ist es ein 12. Platz. Sachsen hat mit Integration ein Problem.
Ermöglicht keinen Bildungsvergleich: der Bildungsmonitor der ISNM.
Foto: Ralf Julke
Und da kommt man dann wirklich hin zur Effizienz des Bildungssystems. Wenn man es denn wissen will. Das geht bei der "Akademisierung" los, wo Sachsen nur einen mäßigen 7. Platz schafft. Eben auch, weil nur 27,6 Prozent der Schulabgänger tatsächlich die Studienberechtigung erhalten. Selbst Flächenländer wie NRW und Brandenburg schaffen 34 bzw. 33,5 Prozent. Sachsens Bildungsverantwortliche argumentieren dann meist mit der zusätzlichen Möglichkeit, über eine berufliche Schule die Studienberechtigung nachzuholen. Aber auch da dümpelt Sachsen im Vergleich mit den anderen Ländern im hinteren Mittelfeld: Platz 11. Deutliches Zeichen dafür: Die tatsächlichen Hürden sind in Sachsen höher, als es etwa der Faktor "Steigerung des sozialen Gradienten" besagt (Platz 3).
Dass es überhaupt einen solchen nennenswerten Gradienten in Sachsen gibt, sollte zu denken geben. Erst recht dann, wenn das Niveau etwa in der errechneten Kompetenz auch noch unter dem deutschen Durchschnitt liegt. Wie eben 2008 passiert in Sachen Sprachkompetenz.
Wäre natürlich die Frage: Was machen die jungen Leute, wenn es sie denn nun nicht reizt, in die Fußstapfen von Albert Einstein zu steigen? - Spucken sie in die Hände und klotzen ran?
"Im Bereich der beruflichen Bildung erreicht Sachsen einen Mittelfeldplatz", schreibt das INSM. Nämlich Platz 11. "In den ostdeutschen Bundesländern war im Jahr 2008 nur Thüringen leicht besser. Einer der wesentlichen Gründe für das nur durchschnittliche Abschneiden in diesem Handlungsfeld war das relativ kleine Angebot an Ausbildungsstellen. In Relation zur gesamten Bevölkerung im typischen Alter standen für rund 52 Prozent eine Ausbildungsstelle zur Verfügung (Bundesdurchschnitt: 62,1 Prozent). Im Zeitablauf hat sich die Situation in Sachsen aber deutlich verbessert. Aufgrund des demografischen Wandels kehrt sich der Ausbildungsstellenmarkt um - die Betriebe bekommen Schwierigkeiten, die offenen Lehrstellen zu besetzen."
Ist das wirklich die Begründung? - Der Indikator "Berufsabschlussquote" zeigt hier, wie erfolgreich die jungen Leute ihre Lehre abschließen. 84,9 Prozent bedeuten hier auch nur Platz 12.
Und das, obwohl die ISNM schreiben kann: "In Sachsen fallen kaum Kinder zurück. Die Risikogruppen bei PISA 2006 waren im innerdeutschen Vergleich die kleinsten."
Da stimmt also was nicht im System: Trotz kleinster Risikogruppe derart schlechte Werte beim Übergang in den Beruf? - Ein Faktor kommt natürlich hier nicht vor: die Tatsache, dass viele junge Sachsen für ihren Berufsabschluss schon in andere Bundesländer gehen. Mitten im Bildungsprozess beginnt schon die Abwanderung, die dem Freistaat den Nachwuchs nimmt.
Was drin steckt im Ranking ist natürlich auch die bestellte und erfüllte Produktion akademischen Nachwuchses für die deutsche Wirtschaft: "Seit dem Jahr 2000 haben über 20.000 Jungakademiker mehr die sächsischen Hochschulen verlassen, als unter den damaligen Bedingungen zu erwarten gewesen wäre. Die zusätzliche Ausbildungsleistung der Hochschulen geht mit einem jährlichen Wachstumsbeitrag von rund 360 Millionen Euro einher. Die erheblichen Fortschritte bei der Erhöhung der Schulqualität in Sachsen dürften langfristig die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts Jahr für Jahr um 0,4 Prozentpunkte erhöhen."
Immerhin eine bedenkenswerte Zahl, diese 360 Millionen Euro. Und das sind nur die Beiträge zur Entwicklung der Sächsischen Wirtschaft. Was aber haben sächsische Absolventen zum Wachstum in den anderen Bundesländern beigetragen? Wie hoch lässt sich diese Innovationskraft beziffern? Etwa im Vergleich zum geradezu lächerlich finanzierten Hochschulpakt, der Sachsen in den Jahren 2007 bis 2010 mickrige 27,1 Millionen Euro an Bundesmitteln einbrachte?
Aber mit diesen Zahlen beschäftigt sich der "Bildungsmonitor" dann nicht mehr. Das liegt irgendwo außerhalb des Produktionsprozesses. Aber genau das wäre einmal wirklich ein marktwirtschaftlicher Ansatz für ein Monitoring: Die Investitionskosten von Bildung in Vergleich zu setzen mit den volkswirtschaftlichen Effekten. Auch da gäbe es Gewinner und Verlierer. Und es würden eben jene Differenzen sichtbar, die in Deutschland zum milliardenschweren Transfer von Wissen und Kompetenz beitragen.
Und die Frage steht tatsächlich: Spielt Sachsen auch hier nur den Weihnachtsmann?
Zwei neue Wohnstätten des Städtischen Eigenbetriebs Behindertenhilfe (SEB) sind bereits in Betrieb gegangen (die Wohnstätten Breunsdorffstraße und Losinskiweg), die dritte neue Einrichtung für geistig behinderte/mehrfach behinderte Menschen wird am 23. Mai eröffnet. mehr…
In der Veranstaltungsreihe Zu Gast bei Schiller sind am Donnerstag, 24. Mai, die zwei Autoren des Buches „Straßennamen in Gohlis“ zu Besuch. Manfred Hötzel und Dieter Kürschner plaudern in geselliger Runde über die Neuauflage der beliebten Broschüre. mehr…
Schönheit ist ein Problem in einer Gesellschaft, in der ein winziger Klüngelkreis aus sehr pekuniärem Interesse dekretiert, was als schön zu gelten hat. Jeder Blick an die nächste Leuchtsäule zeigt: Hier wird ein unerfüllbares Ideal verkauft. Doch diese Allgegenwart eines Ewige-Jugend-Ideals hat auch Folgen. Sie setzt die ganz gewöhnlichen Menschen beiderlei Geschlechts unter Legitimationsdruck. Das hat auch René Koch in seinem Berufsleben gelernt. mehr…
Der Vorstand des SPD-Stadtverbandes hat in seiner Sitzung am Montag, 14. Mai, den Termin für die parteiinterne Wahl des SPD-Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl auf den 17. September 2012 festgelegt. Der Kandidat, der dann für die SPD ins Rennen geht, soll durch eine Mitgliedervollversammlung gewählt werden. mehr…
Vom 21. Mai bis 23. Juni werden im Bereich Käthe-Kollwitz-Straße und Karl-Heine-Straße zwischen Westplatz und Felsenkeller sowie an der Kreuzung Käthe-Kollwitz-Straße/ Klingerweg Gleisbauarbeiten durchgeführt. mehr…
Wer mit der Diagnose Krebs konfrontiert wird, will alles Menschenmögliche tun, um die Krankheit zu besiegen. Ergänzend zur schulmedizinischen Therapie geistern in den Medien immer wieder Heilsbotschaften, die Hoffnungen wecken sollen. Dabei stehen Nahrungsergänzungsmittel oftmals im Mittelpunkt. Doch ob diese Hoffnungen berechtigt sind, was wissenschaftlich geprüft oder gar sinnvoll ist, bleibt offen. mehr…
Freudige Nachrichten verkündeten Kulturdezernent Michael Faber und Leipzigs Kulturamtsleiterin Susanne Kucharsky-Huniat am 16. Mai. Der Kulturetat der freien Szene wird bis 2015 aufgestockt. Doch woher das Geld kommen soll, ist nicht bekannt und umgehend folgen kritische Töne von der Freien Szene. Denn die neue Vorlage hebelt ihrer Meinung nach den alten Ratsbeschluss "5 Prozent für die Freie Szene" von 2008 aus. mehr…
Die Causa Citytunnel ist mal wieder auf dem Plan der heutigen Ratsversammlung gelandet. Diesmal ging es rund um die Werbung bzw. Nicht-Werbung für die Röhre unter Leipzig. Denn nach Meinung der CDU-Fraktion „schaffen es Beteiligte und Unbeteiligte noch immer, dieses Projekt in denkbar schlechtestem Licht erscheinen zu lassen.“ mehr…
Das Konzept zum Umbau der im Leipziger Norden gelegenen Georg-Schumann-Straße ist schon längst verabschiedet. Nun soll die Bevölkerung – wie bei den Planungen zur Karl-Liebknecht-Straße – intensiver einbezogen werden. Der Antrag der Linksfraktion ist heute vom Stadtrat mehrheitlich angenommen worden. mehr…
Die Grüne-Fraktion im Leipziger Stadtrat setzt auch weiterhin auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Sie hat heute einen Antrag zur Veröffentlichung der gesamten Stadtratsbeschlüsse im Amtsblatt gestellt. Doch die Verwaltung sieht das als nicht zielführend an und geht einen Schritt weiter: Künftig sollen die Beschlüsse auf der Stadt-Homepage online verfügbar sein. mehr…
Krankhaftes Übergewicht ist nicht allein das Resultat aus übermäßiger Lust am Essen und mangelnder Bewegung. Dass diese Schlussfolgerung zu einfach wäre, gilt in der Forschung seit einiger Zeit als gesichert. Wie kommt es also, dass inzwischen die Hälfte der Deutschen übergewichtig und etwa 20 Prozent bereits fettleibig (adipös) sind? Ist Übergewicht Schuld oder Schicksal? mehr…
Dass Manager und leitende Angestellte durchaus mehr verdienen als andere Menschen, ist hinlänglich bekannt. Dass die Bezüge manchmal allerdings in keinem Verhältnis stehen, hat beispielsweise der Fall Hanss gezeigt. Der Ex-LVB-Chef wollte sich mit einer über 200.000 Euro teuren Pension einen schönen Lebensabend machen. Damit so etwas nicht mehr vorkommt, wollte die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen heute im Stadtrat mehr Transparenz und eine bessere Überprüfung fordern. mehr…
Die Brücke zwischen Gießerstraße und Engertstraße erstrahlt nun nächtens in Blau. Damit wollen die Leipziger Wissenschaftlerinnen Professor Sylke Nissen und Karin Lange „die Aufenthaltsqualität am Karl-Heine-Kanal auch in den Abendstunden verbessern“. Die Installation ist Schlussstein des REURIS-Projektes der EU zur Revitalisierung urbaner Fließgewässer. mehr…
Allen Gerüchten um die Schließung der Denkmalschmiede Höfgen zum Trotz: Die Leipziger Sommerakademie findet auch in diesem Jahr wieder statt! Die Anmeldung ist noch bis zum 30. Juni 2012 möglich. Wer in den Sommermonaten seine Kreativität ausleben möchte und darüber hinaus neue Impulse tanken will ist in der Leipziger Sommerakademie genau richtig. mehr…
Wenn der Mensch älter wird, braucht er allerlei Hilfsmittel. Es ist sozusagen der technische Kongress zur demografischen Entwicklung Europas, der am Dienstag, 15. Mai, auf dem Leipziger Messegelände begann. Bis Freitag, 18. Mai, präsentiert die "Orthopädie + Reha-Technik" auf dem Leipziger Messegelände sowohl alle Weltmarktführer als auch kleine, innovative Unternehmen aus den Bereichen Prothetik, Orthetik, Orthopädieschuhtechnik, Kompressionstherapie und Technische Rehabilitation. mehr…