Das neueste Bertelsmann-Ranking zur Bildung: Zahlensalat ohne Erkenntnisgewinn
Ralf Julke
23.11.2011
Der Deutsche Lernatlas macht die Deutschen nicht klüger.
Montage: L-IZ
Am Montag, 21. November, veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung etwas, was sie den "Deutschen Lernatlas" nannte. Die Autoren hoffen, mit Punktewerten so etwas darstellen zu können wie die "Lernbedingungen für alle Kreise und kreisfreien Städte". Der Glaube, dass ein Punkteschema so etwas abbilden kann, ist einfach nicht totzukriegen. Das neue Ranking ist Quatsch, stellt auch Dr. Eva-Maria Stange, bildungspolitische Sprecherin der sächsischen SPD-Fraktion fest.
Anzeige
Sie benutzt nicht das Wort Quatsch. Sie hinterfragt nur das Zahlenmaterial, das die Studienersteller benutzt haben. Und siehe da: Es ist nicht einmal neu. "Der heute von der Bertelsmann Stiftung präsentierte Lernatlas bringt leider kaum neue Erkenntnisse, da überwiegend altbekannte Daten wie z. B. die Grundschulstudie IGLU von 2006 oder die PISA Ergebnisse von 2006 und 2009 verarbeitet werden", stellt Stange fest. "Auch dass Sachsen beim Anteil der Schulabgänger ohne Schulabschluss mit elf Prozent unverändert negativer Spitzenreiter unter den Ländern ist, ist ein seit Jahren von der Landesregierung verdrängter Skandal. Mehr als jeder zehnte Jugendliche hat nach meist zehn Jahren Schulbesuch kaum eine Chance auf eine qualifizierte Berufsausbildung und noch viel weniger auf eine die eigene Existenz sichernde Tätigkeit."
Ebenso besorgniserregend sei der 12. Rang beim sozialen Lernen. Stange: "Das Desinteresse der Bevölkerung an sozialem Engagement und Wahlbeteiligung (Rang 14) ist ein schlechtes Zeichen für unsere Demokratie. Es gilt ernsthaft, die Ursachen dafür zu ergründen und Ehrenamt mit allen Mitteln zu unterstützen. Die Streichungen der Mittel für ehrenamtliche Aufwandsentschädigungen im aktuellen Landeshaushalt sind kontraproduktiv. Die SPD-Fraktion fordert die Landesregierung auf, diese Streichungen rückgängig zu machen und vor allem in den Schulen und in der Jugendarbeit demokratische Mitwirkung zu stärken.“
Trotzdem verkünden die Ersteller des Rankings Spitzenwerte für Sachsen und erst recht für Sachsens Großstädte, die sich auch im Bundesvergleich scheinbar ganz vorn platzieren.
"Die meisten Kreise und kreisfreien Städte aus Sachsen schneiden beim deutschlandweiten Vergleich der Lernbedingungen überdurchschnittlich oder sogar erstklassig ab", schreiben die Ersteller des Zahlenwerkes. "Dresden ist eine echte Lernhauptstadt und erreicht unter den 13 deutschen Großstädten mit über 500.000 Einwohnern einen hervorragenden zweiten Platz hinter München; Leipzig landet auf Rang sechs. Bei den Städten zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern erreicht Chemnitz ein überdurchschnittliches Ergebnis. Während sich auf nationaler Ebene zeigt, dass die Lernumfelder auf dem Land oft besser sind als in den Städten, ist dieser Unterschied dank des guten Abschneidens der Städte in Sachsen nicht so deutlich."
Achja? Könnte es sein, dass es am verwendeten Instrumentarium liegt? Nach eigenen Angaben wurden für den "Lernatlas" über 300 Kennzahlen aus unterschiedlichen Quellen zusammengesucht. "Nach einem in Kanada entwickelten mathematischen Verfahren wurden daraus 38 Kennzahlen ausgewählt, die besonders aussagekräftig für die Lernbedingungen vor Ort und für nahezu alle Kommunen verfügbar sind. Diese wurden dann zu einem Gesamtindex kombiniert, der abbildet, wie gut die Entwicklungschancen der Bürger in den verschiedenen Lebensbereichen, Lernformen und Lernorten sind". Korrektur: "abbilden soll".
Ein Lernatlas ersetzt keine nachhaltige Analyse zur Bildungsorganisation.
Montage: L-IZ
Es ist der alte Glaube daran, dass quantitative Zahlen ausreichen, um qualitative Bedingungen abzubilden. Tatsächlich ist es ein bunter Gemüseladen, bei dem die vor Ort zu findenden Infrastrukturen fürs Lernen mit den diversen Testergebnissen und Erhebungen etwa zum tatsächlichen gesellschaftlichen Engagement einfach zusammengeschmissen werden.
Beim "Persönlichen Lernen", das durch bundesweite Studien nicht wirklich untersetzt ist, spielen öffentliche Angebote eine dominierende Rolle. "Im Unterschied zu den vorangegangenen Lerndimensionen erreichen Städte hier besonders hohe Werte", schreiben die Ersteller des Zahlenkatalogs. "Sie punkten mit einem großen und vielfältigen kulturellen Bildungsangebot wie Museen oder Konzerthäusern und bieten gleichzeitig einen herausragenden Zugang zu Medien."
Hier gibt's das dicke Lob für die Bundeshauptstadt Berlin - die in der nächsten Studie irgendeines Wirtschaftsinstituts für diese Art Geldverschwendung für Kultureinrichtungen garantiert wieder an den Pranger gestellt wird. Auch Leipzig leuchtet auf der Karte in fettem Lila, weil auch die Messestadt Millionen ausgibt, um eine vielfältige Kulturlandschaft am Leben zu erhalten.
Dafür verblasst der ganze Osten, wenn es um das geht, was die Bertelsmann-Autoren als "soziales Lernen" bezeichnen. Sie beziehen sich hier auf die UNESCO-Definition vom "Learning to Live Together". Und da wird's kompliziert. Wie misst man das? Durch Kirchen- und Parteienmitgliedschaften? Besuch von Jugendklubs oder Teilnahme an Blutspenden? Teilnahme an Wahlen? Bloß weil jemand Mitglied in einem Karnevalsverein ist, ist er darum noch längst nicht sozialer engagiert als jemand, der ohne Vereinsmitgliedschaft in Initiativen und Netzwerken arbeitet.
Bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag: Eva-Maria Stange.
Foto: SPD Fraktion Sachsen
Zählen lässt sich nur, was amtlich registriert ist. Ein Satz aus dem Zahlenwerk lässt ahnen, dass die ausgewählten Kriterien beim "Sozialen Lernen" vielleicht sogar falsch gewichtet sind: "Allerdings gibt es einzelne Bereiche des sozialen Engagements, in denen kaum mehr Unterschiede zwischen Ost und West bestehen – dazu zählt die Mitarbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr oder dem Deutschen Roten Kreuz."
Deutet das nicht eher darauf hin, dass das Engagement hüben wie drüben ähnlich hoch ist - nur die Anmeldezahlen für Kirchen und Vereine aus historischen Gründen im Osten niedriger sind?
Nur weil ein Rechenwerk aus dem idyllischen Kanada stammt, muss es noch längst kein wissenschaftliches Instrumentarium sein, um tatsächliche Verhältnisse so detailliert abzubilden. Dass Leipzig (46,38 Punkte), Dresden (54,93) und Chemnitz (46,01) augenscheinlich so gut abschneiden, hat wohl mehr mit den (noch) vorhandenen Infrastrukturen zu tun. Die aber - siehe Leipzig - unter dem Spardiktat der Landesregierung so nach und nach alle zur Disposition stehen. Der "Atlas" beschreibt eine Vergangenheit, die gerade zum Ausverkauf steht, aber keine Zukunft.
Aber um das so deutlich auszuarbeiten, hätte man die einzelnen Kriterien trennen und anders gewichten müssen. Wie divergierend die Zahlen sind, kann jeder beim Besuch der Website sehen. Da findet man auch für Leipzig die blamablen 14,22 Prozent Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss, die so heftig kontrastieren zur hohen Zahl von 25- bis 34-Jährigen mit Hochschulabschluss (40,18 %). Dass eine Zahl wie "Theater- und Konzertbesucher in der Region", gemessen an Besuchen je Haushalt, eher etwas über wirtschaftliche Rahmenbedingungen als den Wunsch zum Lernen aussagt, müsste eigentlich auffallen.
Womit man bei den Kosten für Bildung wäre. Denn gerade bei "freiwilliger" Bildung wie im sozialen und persönlichen Lernen geht es um die ganz privaten Budgets, die dafür zur Verfügung stehen. Die dann mit den gesellschaftlich bereitgestellten Budgets verglichen werden könnten. Das ist dann etwas, was tatsächlich belastbare Zahlen ergibt - auf Heller und Pfennig.
Das aber kann ein solches Ranking aus Schiedsrichternoten nicht leisten - und wird es auch nach dem 100. Versuch nicht können.
Zwei neue Wohnstätten des Städtischen Eigenbetriebs Behindertenhilfe (SEB) sind bereits in Betrieb gegangen (die Wohnstätten Breunsdorffstraße und Losinskiweg), die dritte neue Einrichtung für geistig behinderte/mehrfach behinderte Menschen wird am 23. Mai eröffnet. mehr…
In der Veranstaltungsreihe Zu Gast bei Schiller sind am Donnerstag, 24. Mai, die zwei Autoren des Buches „Straßennamen in Gohlis“ zu Besuch. Manfred Hötzel und Dieter Kürschner plaudern in geselliger Runde über die Neuauflage der beliebten Broschüre. mehr…
Schönheit ist ein Problem in einer Gesellschaft, in der ein winziger Klüngelkreis aus sehr pekuniärem Interesse dekretiert, was als schön zu gelten hat. Jeder Blick an die nächste Leuchtsäule zeigt: Hier wird ein unerfüllbares Ideal verkauft. Doch diese Allgegenwart eines Ewige-Jugend-Ideals hat auch Folgen. Sie setzt die ganz gewöhnlichen Menschen beiderlei Geschlechts unter Legitimationsdruck. Das hat auch René Koch in seinem Berufsleben gelernt. mehr…
Der Vorstand des SPD-Stadtverbandes hat in seiner Sitzung am Montag, 14. Mai, den Termin für die parteiinterne Wahl des SPD-Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl auf den 17. September 2012 festgelegt. Der Kandidat, der dann für die SPD ins Rennen geht, soll durch eine Mitgliedervollversammlung gewählt werden. mehr…
Vom 21. Mai bis 23. Juni werden im Bereich Käthe-Kollwitz-Straße und Karl-Heine-Straße zwischen Westplatz und Felsenkeller sowie an der Kreuzung Käthe-Kollwitz-Straße/ Klingerweg Gleisbauarbeiten durchgeführt. mehr…
Wer mit der Diagnose Krebs konfrontiert wird, will alles Menschenmögliche tun, um die Krankheit zu besiegen. Ergänzend zur schulmedizinischen Therapie geistern in den Medien immer wieder Heilsbotschaften, die Hoffnungen wecken sollen. Dabei stehen Nahrungsergänzungsmittel oftmals im Mittelpunkt. Doch ob diese Hoffnungen berechtigt sind, was wissenschaftlich geprüft oder gar sinnvoll ist, bleibt offen. mehr…
Freudige Nachrichten verkündeten Kulturdezernent Michael Faber und Leipzigs Kulturamtsleiterin Susanne Kucharsky-Huniat am 16. Mai. Der Kulturetat der freien Szene wird bis 2015 aufgestockt. Doch woher das Geld kommen soll, ist nicht bekannt und umgehend folgen kritische Töne von der Freien Szene. Denn die neue Vorlage hebelt ihrer Meinung nach den alten Ratsbeschluss "5 Prozent für die Freie Szene" von 2008 aus. mehr…
Die Causa Citytunnel ist mal wieder auf dem Plan der heutigen Ratsversammlung gelandet. Diesmal ging es rund um die Werbung bzw. Nicht-Werbung für die Röhre unter Leipzig. Denn nach Meinung der CDU-Fraktion „schaffen es Beteiligte und Unbeteiligte noch immer, dieses Projekt in denkbar schlechtestem Licht erscheinen zu lassen.“ mehr…
Das Konzept zum Umbau der im Leipziger Norden gelegenen Georg-Schumann-Straße ist schon längst verabschiedet. Nun soll die Bevölkerung – wie bei den Planungen zur Karl-Liebknecht-Straße – intensiver einbezogen werden. Der Antrag der Linksfraktion ist heute vom Stadtrat mehrheitlich angenommen worden. mehr…
Die Grüne-Fraktion im Leipziger Stadtrat setzt auch weiterhin auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Sie hat heute einen Antrag zur Veröffentlichung der gesamten Stadtratsbeschlüsse im Amtsblatt gestellt. Doch die Verwaltung sieht das als nicht zielführend an und geht einen Schritt weiter: Künftig sollen die Beschlüsse auf der Stadt-Homepage online verfügbar sein. mehr…
Krankhaftes Übergewicht ist nicht allein das Resultat aus übermäßiger Lust am Essen und mangelnder Bewegung. Dass diese Schlussfolgerung zu einfach wäre, gilt in der Forschung seit einiger Zeit als gesichert. Wie kommt es also, dass inzwischen die Hälfte der Deutschen übergewichtig und etwa 20 Prozent bereits fettleibig (adipös) sind? Ist Übergewicht Schuld oder Schicksal? mehr…
Dass Manager und leitende Angestellte durchaus mehr verdienen als andere Menschen, ist hinlänglich bekannt. Dass die Bezüge manchmal allerdings in keinem Verhältnis stehen, hat beispielsweise der Fall Hanss gezeigt. Der Ex-LVB-Chef wollte sich mit einer über 200.000 Euro teuren Pension einen schönen Lebensabend machen. Damit so etwas nicht mehr vorkommt, wollte die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen heute im Stadtrat mehr Transparenz und eine bessere Überprüfung fordern. mehr…
Die Brücke zwischen Gießerstraße und Engertstraße erstrahlt nun nächtens in Blau. Damit wollen die Leipziger Wissenschaftlerinnen Professor Sylke Nissen und Karin Lange „die Aufenthaltsqualität am Karl-Heine-Kanal auch in den Abendstunden verbessern“. Die Installation ist Schlussstein des REURIS-Projektes der EU zur Revitalisierung urbaner Fließgewässer. mehr…
Allen Gerüchten um die Schließung der Denkmalschmiede Höfgen zum Trotz: Die Leipziger Sommerakademie findet auch in diesem Jahr wieder statt! Die Anmeldung ist noch bis zum 30. Juni 2012 möglich. Wer in den Sommermonaten seine Kreativität ausleben möchte und darüber hinaus neue Impulse tanken will ist in der Leipziger Sommerakademie genau richtig. mehr…
Wenn der Mensch älter wird, braucht er allerlei Hilfsmittel. Es ist sozusagen der technische Kongress zur demografischen Entwicklung Europas, der am Dienstag, 15. Mai, auf dem Leipziger Messegelände begann. Bis Freitag, 18. Mai, präsentiert die "Orthopädie + Reha-Technik" auf dem Leipziger Messegelände sowohl alle Weltmarktführer als auch kleine, innovative Unternehmen aus den Bereichen Prothetik, Orthetik, Orthopädieschuhtechnik, Kompressionstherapie und Technische Rehabilitation. mehr…