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Mit heißer Nadel gestrickt: Sächsische Pläne für Lehrerausbildung sind unrealistisch

Ralf Julke
Holger Mann.
Holger Mann.
Foto: SPD Fraktion Sachsen
Kurz vor Weihnachten legte die sächsische Regierungskoalition nicht nur mit breiter Brust ihre unverbesserten Pläne zur Hochschulreform vor, sie erklärte auch kurzerhand, wie sie das Problem des Lehrernachwuchses auf die Schnelle lösen wolle. Doch die Lösungen hat man mal wieder ohne die Betroffenen gefunden. Holger Mann, Sprecher für Hochschule und Wissenschaft der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, schüttelt nur den Kopf.

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"Das sogenannte 'Bildungspaket' entpuppt sich zunehmend als ein mit heißer Nadel gestricktes Bildungs-Päckchen. Schon allein bei der Personalplanung sind die vorgesehenen Ausbildungszahlen nicht mit den Ressourcen an den Hochschulen untersetzt", benennt er den ersten Fehler in der Rechnung. "Selbst die Einstellungsgarantien bleiben, mangels ausgebildeten Nachwuchses, zunächst Theorie. Die vollmundig verkündete Erhöhung der Immatrikulationszahlen von derzeit zirka 1.000 auf geplante 1.700 Studierenden im Lehramt ist bislang bei keiner der drei Universitätsleitungen mit einer Zusage über mehr Ressourcen verbunden. Stattdessen sollen die Hochschulen allein bis zum Jahr 2015 insgesamt 300 Stellen abbauen, davon mehr als 200 in Chemnitz, Dresden und Leipzig."

Das „I-Tüpfelchen“ auf dieser Verkündungsoffensive sei, dass selbst das Rektorat der TU Chemnitz von der Wiedereinrichtung der Grundschul-Lehramtsausbildung kalt erwischt wurde. Holger Mann: "In Chemnitz wollte das niemand, weil dies im Vergleich zu den Alternativen teuer und langwierig ist. Die Regierungskoalition und Staatsregierung scheinen die 'Hochschulautonomie' als von den Hochschulen 'befreites' autonomes Handeln auszulegen. Wer so agiert, sollte von mehr Freiheiten für die Hochschulen qua Gesetzesnovelle schweigen."

Für Gerhard Besier, den hochschulpolitischen Sprecher der Linksfraktion, war die "frohe Weihnachtsbotschaft" schon tags drauf bereits zu Staub zerfallen, als die beiden hauptsächlich von den Plänen des Koalitionsausschusses betroffenen Universitäten diese rundweg ablehnten. Besier: "Die TU Chemnitz sieht sich außerstande, die Ausbildung von Grundschulpädagogen wieder aufzunehmen, und die Universität Leipzig reklamiert die Lehrerausbildung für sich. Das ist kein Wunder: Die Staatsregierung kann nicht einerseits drastische Stellenkürzungen bei den Hochschulen vornehmen und ihnen andererseits immer neue Aufgaben abverlangen. Die Selbstherrlichkeit, mit der die Staatsregierung in hochschulpolitischen Fragen agiert, führt zu großer Unsicherheit in der akademischen Zunft."

Holger Mann, Landtagsabgeordneter der SPD.
Holger Mann, Landtagsabgeordneter der SPD.
Foto: SPD Fraktion Sachsen

Wie schon bei der Reform der Lehrerausbildung würden die Universitäten erneut vor vollendete Tatsachen gestellt, kritisiert Besier. "Daran zeigt sich, dass es mit der vermeintlich autonomen Hochschule in Sachsen nicht weit her ist."

Andererseits ist die Hochschulautonomie in der Sächsischen Verfassung verankert. Wenn das "Bildungspaket" so verabschiedet werden sollte, wie es CDU und FDP am 21. Dezember vorgestellt haben, sieht das nicht wirklich so aus, als hätte in den beiden Fraktionen irgendjemand tatsächlich vor, das Problem des kommenden Lehrermangels zu lösen. Dazu braucht es genau die Gelder, die die Ministerrunde gerade den Hochschulen gekappt hat und weiter kappen will. Vielleicht glaubt die Kabinettsrunde ja tatsächlich daran, dass man Bildung für nichts bekommt. Man muss es sich nur herzhaft wünschen.

Dass man nach zwei Jahren Alarmgeheul aus der Opposition jetzt tatsächlich eingestanden hat, dass dem Freistaat demnächst tausende Lehrer fehlen, findet Holger Mann sogar beachtenswert.

"Die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag begrüßt, dass die Staatsregierung nach zwei Jahren Oppositionskritik und einem halben Jahr Koalitionsausschuss wenigstens einige der von uns im Mai vorgestellten 11 Punkte zur Sicherung des Lehrermangels anerkennt", sagt er. "Diese müssen aber mit verlässlichen Vereinbarungen, statt nur mit Luftbuchungen untersetzt werden!“

Heißt: eine saubere Finanzierung - für die Lehrerausbildung und ihren notwendigen Ausbau. Und für die Neueinstellungen. Immerhin stehen den angestrebten 1.700 Immatrikulationen im Lehramt derzeit in Dresden und Leipzig gerade einmal etwa 930 Studierende gegenüber. Holger Mann: "Die Kapazitäten reichen hier nicht einmal für 1.000 Lehramtsstudierende. In Chemnitz müssen für die Errichtung des Grundschul-Lehramt erst einmal Personal für Didaktik, Pädagogik und spezifischen Fachausbildung für das Grundschul-Lehramt geschaffen werden."

Da kann man ein ordentliches Finanzierungskonzept von den drei verantwortlichen Ministern Unland, Wöller und Schorlemer eigentlich erwarten. Zeitnah, wie es so schön heißt. Deswegen hat Mann auch gleich am 21. Dezember eine Kleine Anfrage zu Thema gestellt.

Das im Mai veröffentlichte Konzept der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag zur Bekämpfung des Lehrermangels findet man unter: http://spd-fraktion-sachsen.de

Die Kleine Anfrage als PDF zum download.


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