Eine Weihnachtsgeschichte: Leipziger Handwerk übernimmt Schulpatenschaften und saniert ab 2012
Marko Hofmann
25.12.2011
Erich-Zeigner-Schule
Foto: Marko Hofmann
Der Entwurf des Schulentwicklungsplans ist weiter in der Überarbeitungsphase. Einmal genehmigt, wird sich aus ihm der Investitionsplan für das Schulnetz der Stadt ergeben, welcher über 600 Millionen Euro Kosten ausweisen könnte, um alle Schulen auf einen modernen Stand zu bringen. Leipzig wird zur Sanierung aller Schulen Jahrzehnte brauchen, wenn es die Stadt überhaupt schafft. Das Handwerk will nun helfen, um sich selbst zu helfen - denn auch dort gibt es Probleme.
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Wenige Bewerber, kleine Berufsschulklassen, Arbeitskräftemangel. Die Zukunft des Handwerks ist bereits heute eine knifflige Angelegenheit. Millionen fließen bereits in Werbekampagnen, doch echte Abhilfe schaffen diese kaum. Die Qualifikation der Bewerber ist in den meisten Branchen mangelhaft. Viele sind es sowieso nicht, die sich bewerben. Viele Kinder der Generation „Playstation“ wollen Superstar werden. Wenig Arbeit haben, aber viel Geld verdienen. Ein handwerklicher Beruf ist da genau das Falsche. Da muss körperlich schwer gearbeitet werden, da geht es dreckig zu, da muss man zeitig raus. Immer mehr Schüler suchen zudem den Weg an die Universitäten und somit gehen den Innungen auch noch die klugen Köpfe verloren.
Um das Image des Handwerks zu verbessern und wieder mehr junge Leute für diese einst hoch angesehene produktive Arbeit zu begeistern, haben sich nun mehrere Innungen auf einen attraktiven Plan verständigt. Tenor: Wenn die Schüler nicht zu uns kommen, dann kommen wir eben zu den Schülern – und helfen dabei noch den Schulen. Denn deren baulicher Komfort ist meistens eher dürftig.
Aus diesem Zweck hat sich im Sommer 2011 bereits die Initiative „Schule Hand in Hand“ gegründet. Gründungsmitglieder waren die Innungen der Glaser, der Maler, der Tischler, der Klempner und die Bauinnung. Seit Anfang September liefen Gespräche zwischen dem Schulverwaltungsamt, der Sächsischen Bildungsagentur als oberste Schulaufsichtsbehörde und der Initiative. Mitte Dezember einigte man sich für zunächst fünf Jahre auf eine weitreichende Kooperation, welche nun beiden Seiten nachhaltig helfen könnte.
Hart umkämpft - die 24. Schule in Paunsdorf. Für Grundschulen wird noch an weiterführenden Ideen gefeilt, doch die Projekttage sollen auch hier stattfinden.
Foto: 24. Grundschule
Die Initiative wird zur Förderung des Nachwuchses in den Schulen nicht nur einmal wöchentlich Projekttage veranstalten, an denen Schüler übliche Arbeiten des jeweiligen Handwerks gezeigt bekommen und auch selbst übernehmen können.
„Durch den Wegfall des Werkunterrichts an weiterführenden Schulen in Sachsen fehlt vielen Schülern die handwerkliche Erfahrung. Sie wollen wir begeistern“, verrät Dietmar Hirsch, Sprecher der Initiative. Hirsch ist eigentlich Glaser und sucht seit zwei Jahren einen fähigen Azubi, doch die Suche ist schwer. „Wenn die wenigen, die sich bewerben, wenigstens rechnen könnten, aber manche können nicht mal den Flächeninhalt einer Tür oder eines Fensters berechnen“, so der 58-Jährige.
Die Projekttage sollen wahlweise wochentags oder am Wochenende stattfinden. Hierzu müsste der Unterricht an einem anderen Tag ausfallen, denn die Veranstaltungen sollen jeweils Pflicht sein. „Dazu kommen wir den Schulen auch entgegen“, so Hirsch. Die Handwerke werden ihrerseits als Gegenleistung Patenschaften für Schulen übernehmen. Und diese wird es in sich haben.
Denn gemeinsam mit den Schülern aus den oberen Klassenstufen sollen Arbeiten wie Malern, Ausbau von Ruheräumen und kleinere Sanierungsarbeiten gemeinsam im Rahmen der Projekttage in Angriff genommen werden. Hirsch dazu: "Nicht das Feilen an einem Stück Metall oder sinnlose Beschäftigungstherapie. Wir wollen natürlich auch etwas erreichen, gemeinsam mit den Schülern. Der Wert unserer gemeinsamen Arbeit wird so für die Schüler an der eigenen Schule deutlich."
Gerade fertig saniert: Die Erich-Zeigner-Schule. Doch gerade Schulgebäude nutzen sich schnell ab. Auch hier sollen die Patenschaften greifen.
Foto: Marko Hofmann
Wie das Schulverwaltungsamt mitteilte, existiert bereits seit Längerem eine Prioritätenliste, welche Schulen in welchen Bereichen eine Generalüberholung brauchen. Leipzigs Glaser und Fensterbauer werden beispielsweise eine Menge zu tun bekommen, denn die Fenster in zahlreichen Schulen müssen erneuert werden. Dasselbe gilt für Klempner, Tischler, Maurer etc. Innerhalb einer jeden Innung wird die Prioritätenliste für das jeweilige Handwerk verteilt, wer Interesse an einem Bauauftrag hat, meldet sich bei der Schule und schon kann es losgehen.
Die Stadt bezahlt jeweils das Material und die Hälfte der Arbeitsleistung. „Für uns Handwerker wird natürlich bei den Aufträgen nie Gewinn herausspringen, aber wir müssen etwas für die Zukunft tun und so können wir der Gesellschaft, von der wir etwas wollen, auch helfen“, so Hirsch abschließend. Erste Berechnungen haben ergeben, dass bei konsequenter Durchführung die vollständigen Sanierungsarbeiten innerhalb von fünf Jahren unter Investitionen von dann noch etwa 250 Millionen Euro abgeschlossen sein könnten.
Die genaue Patenschaftsverteilung wird die Initiative ab Januar 2012 regeln.
Diese Geschichte entspricht nicht der Wahrheit
Anmerkung der L-IZ-Redaktion: Die unwahren Weihnachtsgeschichten der Leipziger Internet Zeitung finden nun das dritte Jahr statt. Immer vom 24. bis zum 27. Dezember ist also nicht alles richtig, was auf der L-IZ.de geschrieben steht (und hiermit als unwahr deutlich gekennzeichnet). Dieses ist also so eine Geschichte irgendwo zwischen dem Millimeter neben der Möglichkeit, vielleicht auch nur schrullig und skuril. Hoffentlich jedoch immer zum Schmunzeln oder Nachdenken.
In jedem Fall lohnt es sich also wie sonst auch, Artikel in diesen Tagen wirklich bis zum Ende zu lesen. Ganz entgegen der gern gepflegten Eile im Netz.
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