Anhörung zum Schulbau in Sachsen: SPD fordert Abbau des Sanierungsstaus bis 2020
Ralf Julke
29.05.2012
Holger Mann, Landtagsabgeordneter der SPD.
Foto: SPD Fraktion Sachsen
140 bis 160 Millionen Euro jährlich - das wären die notwendigen Summen, die der Freistaat beisteuern müsste, um den Sanierungsstau in sächsischen Schulen nach und nach abzubauen. So hat es auch die SPD-Fraktion in einem Antrag gefordert, in dem sie von der Landesregierung auch eine detaillierte Aufstellung zum Stand der Schulsanierung in Sachsen fordert. Am Freitag, 25. Mai, war öffentliche Anhörung zum Thema.
Anzeige
Und für Holger Mann, Sprecher für Hochschule und Wissenschaft der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, war das Ergebnis deutlich: "Die Anhörung hat klargestellt, dass es dringend einer nachhaltigen Unterstützung des Freistaates für die Kommunen bei der gemeinsamen Aufgabe der Schulbausanierung bedarf. Der seit Anfang der Woche propagierte Sondertopf für Schulhausbau für die kreisfreien Städte ist lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein."
Denn statt der durchschnittlich 110 Millionen Euro, die der Freistaat zwischen 1990 und 2010 für den Schulbau zur Verfügung gestellt hatte, war diese Förderung im Doppelhaushalt 2011/2012 auf magere 25 Millionen Euro pro Jahr eingedampft worden. Bei den Verhandlungen zum Finanzausgleich für die Kommunen wurden zumindest noch 40 Millionen Euro extra für die drei kreisfreien Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz ausgehandelt.
Holger Mann: "Die Sachverständigen haben bestätigt, dass der effektive Zugewinn durch das Sonderprogramm 'kommunale Investitionsprogramm' für die kreisfreien Städte bei 20 Millionen Euro und der Sanierungsstau im Freistaat schon heute bei deutlich über 2,4 Milliarden Euro liegt."
Die 2,4 Milliarden kommen einem da schon verdächtig bekannt vor. War das nicht die Fördersumme, die der Freistaat seit seiner Neugründung für die Schulsanierung bereit gestellt hat und mit der der Landtagsabgeordnete Svend-Hunnar Kirmes (CDU) am 21. Mai noch der SPD-Landtagsabgeordneten Petra Köpping Falschdarstellung und Verunsicherung von Eltern und Schüler vorwarf?
"Dem Fass den Boden schlägt allerdings aus, dass Frau Köpping dann auch noch dem Freistaat vorwirft, sich aus ,seinen Pflichtaufgaben' in punkto Schulhausbau zurückzuziehen", zitiert ihn die LVZ vom 18. April. Weiter heißt es da: "Der Freistaat habe die kommunalen Schulträger seit 1990 mit fast 2,4 Milliarden Euro unterstützt, so Kirmes. Die Landesregierung werde auch künftig dabei helfen, weil Bildung ein Schlüssel für Zukunft ist. 'Um mehr Objekte als bisher bedenken zu können, gibt es nun die einheitliche Förderquote von 40 Prozent als Zuschuss zur Erfüllung dieser kommunalen Pflichtaufgabe. Ein Minus kann ich beim besten Willen nicht darin sehen, wenn Kommunen nun auch zweckgebundene Spenden als Eigenmittel einsetzen können', erklärt Kirmes und fragt: 'Wann begreift die Opposition endlich, dass Geld - auch eines Landeshaushaltes - nur einmal ausgegeben werden kann und es nützlich ist, öffentliche und private Mittel zu bündeln?"
Holger Mann, Landtagsabgeordneter der SPD.
Foto: SPD Fraktion Sachsen
Man sieht: Der Mann hat augenscheinlich reihenweise private Spender an der Hand, die den sächsischen Kommunen ganz selbstlos beim Schulenbauen helfen. Auch bei Lehrerzahlen warf er der SPD-Frau vor, sie verwende die falschen Zahlen, die Zahlen aus der LVZ vom 18. April seien die richtigen.
Die LVZ-Muldental zitiert Kirmes am 21. Mai so: "'Hätte Frau Köpping beispielsweise aufmerksam die LVZ vom 25. April gelesen, könnte sie es besser wissen', kontert Kirmes. Dort sei ausgeführt worden, dass insgesamt 1.011 neue Stellen geschaffen würden, von denen '855 Pädagogen direkt vor den Klassen stehen.'"
Petra Köpping antworte dem LVZ-gläubigen Abgeordneten entsprechend geharnischt am Tag darauf. Denn auch CDU-Abgeordnete sollten ihre Informationen doch eher an der Quelle besorgen, und das sei in diesem Fall nicht die LVZ, sondern das Kultusministerium selbst.
„Die Zahlen sind das eine - die Realität das andere“, erklärte die Landtagsabgeordnete Petra Köpping. Die 1.011 neuen Lehrerstellen, die das Kultusministerium angeblich schaffen wolle, setzten sich beispielsweise auch aus 290 Lehrkräften zusammen, die bisher für Ganztagsangebote, Förderstunden oder Arbeitsgemeinschaften (GTA) tätig waren. Diese Lehrerstellen gäbe es ja bereits und man vermische hier tatsächlich neue Stellen mit bereits existierenden, um die Zahlen zu schönen. Das Kulturministerium spreche von „565 unterrichtswirksamen Einstellungen“, die Lücke zu den 1.011 neuen Stellen fülle man mit bereits vorhandenen Kräften.
Sie hängte ihm die entsprechende Präsentation von Kultus- und Finanzministerium gleich an.
Es ist ein schönes buntes Beispiel, wie sich Sachsens Landesregierung in der Bildungspolitik selbst in die Tasche schwindelt, Löcher damit stopft, dass sie an anderer Stelle (Ganztagsangebote) neue Löcher aufreißt und dann auch noch versucht, die Betroffenen selbst hinters Licht führen zu können.
Wenn man jetzt die 25 plus 40 Millionen Euro, die der Freistaat nun für Schulhausbau als Förderung bereitstellen will - gekoppelt mit der nun verkündeten Förderquote von 40 Prozent, bedeutet das, das 162,5 Millionen Euro jährlich in Schulbauten fließen könnten, was bei einem Sanierungsstau von 2,4 Milliarden Euro bedeutet, dass in 15 Jahren der jetzige Stau abgearbeitet wäre. Logischerweise würde sich trotzdem ein neuer Stau bilden, denn nach über 20 Jahren kommen auch die ab 1990 sanierten und neu gebauten Schulen wieder in den notwendigen Erneuerungszyklus.
15 Jahre - da wäre man mindestens im Jahr 2027. Ein unzumutbarer Zeithorizont, findet der Landtagsabgeordnete Dirk Panter (SPD): "Außerdem versäumt es die CDU-FDP-Koalition, ein längerfristiges, großes Investitionsprogramm zu beschließen. Ziel muss es aus SPD-Sicht sein, bis 2020 alle Schulen im Freistaat zu sanieren. Das Bundesland Sachsen-Anhalt hat mit dem Programm Stark III eine Vorbildfunktion: Unter SPD-Minister Bullerjahn erneuert der Nachbar bis zum Jahr 2019 alle seine Schulen. Dies geschieht mit EU-Geldern und einem stichhaltigen Konzept zur Eigenanteilssicherung der Kommunen.“
Dabei sei in Sachsen noch nicht einmal die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention mit höheren Flächenbedarfen und Ausstattung der Schulen berücksichtigt worden, erklärt Holger Mann nach der Anhörung am Freitag. "Ohne stärkeres Engagement des Freistaates ist ein Abbau des Sanierungsstaus, vor allem in den kreisfreien Städten, mit einem Neubaubedarf von 580 Millionen Euro bis 2025 kaum zu bewerkstelligen."
Die Anhörung hätte zudem klar gemacht, dass Voraussetzung zur effektiven Nutzung von EU-Töpfen zur Schulbaufinanzierung integrierte kommunale Konzepte zur energetischen Sanierung sowie innovative pädagogische Konzepte seien, so Mann.
Gerade in Leipzig erweisen sich jetzt die als Energiesparmodelle konzipierten Neubauten für die Erich-Kästner-Schule und die 3. Grundschule als eigentlich zu teuer. Sie binden Gelder, die eigentlich für weitere Sanierungen dringend gebraucht werden. Die Spareffekte treten ja erst über mehrere Jahre ein.
Holger Mann: "Wenn die Staatsregierung bei den Operationellen Programmen nicht umsteuert, wird Sachsen auch in der nächsten EU-Förderperiode ab 2014 keine zusätzlichen Mittel zur Schulsanierung akquirieren können. Dabei ist auch in den laufenden Programmen Handlungsbedarf gegeben: So sind schon jetzt 2 von 3 Schulen im ländlichen Raum der Zugang zum ILE-Programm die Förderkriterien verwehrt. Ferner votierten die Sachverständigen für Vereinfachungen bei der Vergabe, auch um die Nachhaltigkeit der Investitionen bei steigender Bevölkerungswanderung zu sichern. An konkreten Vorschlägen des Landes fehlt es aber auch hier bis heute.“
Am 9. Mai verfügte das Leipziger Umweltdezernat eine Sperrung des Floßgrabens für den Bootsverkehr. Nur noch zu bestimmten Zeiten am Wochenende dürfen Boote den Floßgraben passieren, in dem der seltene Eisvogel brütet. Doch nicht nur die erste Ausnahmeverfügung für eine Bootstouranbieter sorgt für Unmut. Besonders betroffen zeigt sich der Sächsische Kanuverband. In einer Stellungnahme fordert er einen völlig anderen Umgang mit dem sensiblen Gewässer. mehr…
Wie die Polizeidirektion Leipzig in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Staatsanwaltschaft übermittelte, wurde am gestrigen 19. Mai gegen 20 Uhr „ein Mann tot im Gleisbett aufgefunden.“ Ort des Fundes war der Bahnhof Leipzig-Leutzsch am Ritterschlösschen in der Gustav-Esche-Straße. Da eine Straftat in solchen Fällen nie ausgeschlossen werden kann, haben auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft die Untersuchungen der Rechtsmedizin begonnen. mehr…
Erst mal großes Tamtam, dann Stille am Wasser. Im Beisein von Umweltminister Frank Kupfer wurde am Samstag, 18. Mai, die Kanupark-Schleuse zwischen dem Markkleeberger und Störmthaler See im Leipziger Neuseenland offiziell freigegeben. „Nach zwei Jahren Bauzeit können wir heute einen wichtigen Schritt zur wassertouristischen Erschließung des Leipziger Neuseenlandes tun“, sagte Frank Kupfer. Er war extra an Bord der "MS Wachau" gestiegen, die künftig die Schleuse Richtung Störmthaler See befahren darf. mehr…
Mieten sind ja ein Thema, das langsam prickelnd wird in Leipzig. Wenn eine Stadt attraktiv ist, füllt sie sich nicht nur mit Bewohnern, auch Mieten und Bauen werden wieder lukrativ. Und wo das Angebot knapp wird, steigen die Mieten. Das ist in Leipzig bislang nur punktuell der Fall, auch wenn einige Spieler auf dem Markt etwas Anderes erzählen. Aber diese Punkte sind natürlich interessant. Auch wer Gewerberaum sucht, muss auf die konkrete Lage achten. mehr…
Am 22. April gab es nicht nur eine Einwohneranfrage - sondern gleich ein ganzes Bündel. Zeichen auch dafür, dass in der Leipziger Politik vieles gar nicht so klar ist, wie es sich die Akteure wohl denken. Eines der diffusesten Themen ist der Fluglärm. Auch nachts dröhnen die Flugmaschinen über Leipziger Stadtgebiet. Und keiner scheint zu wissen, warum sie das tun. Die "kurze Südabkurvung" soll's nach offizieller Auskunft nicht sein. mehr…
Das jährliche Kolloquium "Neue Forschungen zur ägyptischen Kultur und Geschichte" versammelt am Donnerstag, 23. Mai, Nachwuchswissenschaftler und gestandene Forscher der Universitäten, ägyptischen Museen und Akademien von Leipzig und Berlin zum Austausch über aktuelle Erkenntnisse und Fortschritte von Projekten. Zu der zum 42. Mal stattfindenden Veranstaltung (seit 1971) findet als Festvortrag die 24. Siegfried-Morenz-Gedächtnis-Vorlesung statt. mehr…
Die Leipziger Notenspur richtet anlässlich des 200. Geburtstags Richard Wagners am Sonntag, 26. Mai, ein großes Wagner-Parkkonzert im Kultur-Gut Ermlitz aus. Eine Sternfahrt durch die Auenlandschaft vereint Kultur- und Naturinteressierte der Region zwischen Elster und Saale an diesem idyllischen Ort, den der junge Wagner gerne besuchte. mehr…
Am Freitag, 24. Mai, um 11:15 Uhr gibt es das nächste Akademie-Kolloquium bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (Karl-Tauchnitz-Straße 1). Im Zentrum steht diesmal "Friedrich Heinrich Jacobi (1743–1819) – ein engagierter ‚Homme de Lettres‘". mehr…
Dessau ist ein bisschen seltsam. Daran ändert auch Kristina Kogels kleiner Ein-Tages-Wegbegleiter nichts. Dessau ist fremd. Das alte Dessau genauso wie das moderne. Wie ein Trumm steht die Marienkirche da, so wuchtig, als gälte es, noch einmal Wallensteins Scharen von 1626 abzuwehren. Dafür steht der Rathausturm da, als käme das passende Rathaus in der richtigen Größe noch. mehr…
Im vierten Anlauf hat es für den 1.FC Lok endlich mit einem Punkt gegen den ZFC Meuselwitz geklappt. Vor 2.774 Zuschauer boten beide Mannschaften lockere Fußballkost mit vier schönen Toren. Im Mittelpunkt stand allerdings der bewegende Heimspiel-Abschied von Lok-Trainer Marco Rose nach geschaffter Mission Klassenerhalt. mehr…
RB Leipzig bleibt diese Saison weiter ungeschlagen. Der Regionalliga-Meister schlug am Sonntag den Tabellenzweiten Carl Zeiss Jena mit 5:4 (3:2). Für die Bullen trafen Kammlott (5., 35.), Schulz (24.), Rockenbach (74.) und Morys (81.). In der Relegation fordern die Leipziger die Sportfreunde Lotte heraus, die ebenfalls am Sonntag mit einem Sieg die West-Meisterschaft klar machten. mehr…
Am Freitag, 17. Mai, war Weltfernmeldetag. Das Statistische Landesamt Sachsens fühlte sich deshalb bemüßigt, mal ein paar Zahlen zu den DSL-Anschlüssen in Sachsen zu veröffentlichen. Ist ja immerhin Streitthema, seit die Telekom beschlossen hat, das Datenbudget der Breitband-Kunden zu drosseln und für Mehrbedarf zur Kasse zu bitten. Aber in Sachsen ist das Thema auch deshalb brisant, weil weder alle Haushalte mit DSL - noch überhaupt mit einem Internetzugang - ausgerüstet sind. mehr…
Die Gretchenfrage der gesamten City-Tunnel-Inszenierung lautet: "Wie hältst Du es mit dem Fernzug?" Der Wunsch nach erhellender Auskunft geht an die Deutsche Bahn, und er wird - je nach Geschäftsbereich und Stimmungslage - mehr oder weniger verschämt beschieden. Meistens mit einem faszinierend eindeutigen "Vielleicht." mehr…
So kurz vor der Neuwahl des Umweltbürgermeisters in der Stadtratssitzung am 10. Juli gibt es noch einmal richtig Ärger für Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke). Ein kleiner Vogel ist nicht schuld daran, auch wenn er Eisvogel heißt. Er wurde im Frühjahr 2013 endlich wieder im Floßgraben gesichtet, nachdem er von Ausbauarbeiten und erstem Bootsverkehr massiv gestört wurde. Nun ist er wieder da. Der Bootsverkehr wurde gedrosselt. mehr…
Man will mit der dem Leipziger Stadtrat präsentierten Variante des Elster-Saale-Kanals mit aller Macht ein touristisches Projekt aus dem Boden stampfen, für das es nicht mal einen Nutzungsdruck gibt. Die Autoren der "Touristischen Potenzialanalyse" versuchen einfach hochzurechnen, wieviele Männer in der Region nach dem Bau des Kanals vielleicht geneigt wären, sich ein Motorboot zuzulegen. mehr…