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Deutschlandstipendium in Sachsen: Mageres Ergebnis, fehlende Stifter

Ralf Julke
Tino Bucksch.
Tino Bucksch.
Foto: Robert Weigel
Ein Schuss in den Ofen war's. So jedenfalls sehen es die sächsischen Jusos. Am Montag, 21. Mai, veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik die Zahlen für die vergebenen Deutschlandstipendien im Jahr 2011. Ganze 297 waren es. Danach ist die Landesregierung selbst an ihren – schon geringen Maßstäben – gescheitert, stellt Tino Bucksch, Vorsitzender der Jusos Sachsen, fest.

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„0,3 Prozent aller Studierenden in Sachsen haben heute ein Deutschlandstipendium. Das ist lächerlich wenig", sagt Bucksch.

Das Prinzip des Stipendiums ist das des berühmten bundesdeutschen Verschiebebahnhofes. Weil weder Bund noch Länder den Schneid haben, die bestehenden Stipendienprogramme zu erweitern und keineswegs zugeben wollen, dass die Steuerpolitik auch ihre Handlungsräume in der Bildungspolitik beschneidet, hat man sich gedacht: Geben doch Bund und Länder jeweils ein Drittel - und mit der restlichen Hälfte können Unternehmen sich als Mäzene einbringen.

Von 300 Euro also jeden Monat 150 Euro von einem interessierten Unternehmen. Die dabei durchaus berechtigte Frage ist: Warum vergeben die Unternehmen da nicht gleich richtige Stipendien und betreiben gezielte Nachwuchsförderung? Immerhin war doch von vornherein klar, dass vor allem Ingenieurberufe auch beim Deutschlandstipendium von Interesse sein könnten.

Ursprünglich hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Deutschlandstipendium initiiert, um stolzen 8 Prozent der Studierenden den Zugang zu einem Stipendium zu ermöglichen. Bucksch sah schon damals das Konzept kritisch: „Statt das BAföG, von dem alle gleich profitieren, aufzuwerten und es allen Studierenden zu gewähren, versucht die schwarz-gelbe Koalition Eliten zu fördern!“

Problematisch findet er auch die Verteilung der Stipendien. Da 50 Prozent der monatlich 300 Euro, die ein Studierender bekommt, durch private Firmen erbracht werden müssen, werden vor allem technische und wirtschaftliche Studiengänge gefördert. Bucksch: "Viele andere Studiengänge, die ebenfalls dringend gebraucht werden, fallen hinten runter, wie die Lehramtsausbildung zeigt. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund kritisch, da Sachsen bereits jetzt einen eklatanten Mangel an Lehrkräften hat."

Und so überraschen auch andere Erkenntnisse aus der statistischen Auswertung nicht. Nur die Hälfte der 26 sächsischen Hochschulen beteiligten sich an der Vergabe. Die Technische Universität Dresden zählte dabei mit 150 die meisten geförderten Stipendiaten. Fachlich betrachtet gab es die meisten Deutschlandstipendien (119) für Studenten, die Studiengänge der Fächergruppe „Ingenieurwissenschaften“ belegten, gefolgt von 64 Stipendien in den „Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“.

Und auch das hat das Statistische Landesamt festgestellt: Es gab genau 126 Mittelgeber, darunter 77 Kapitalgesellschaften. Diese stellten für die Stipendiaten 95.553 Euro an ungebundenen und 77.100 Euro an gebundenen Mitteln zur Verfügung.

Eigentlich sollte das Deutschlandstipendium die bundesweit eh schon mickrige Zahl von Stipendien deutlich erhöhen. Aktuell bekommen nur 3 Prozent der Studierenden ein solches Stipendium. Dass das Deutschlandstipendium in Sachsen nur 0,3 Prozent der Studierenden bedenkt, zeigt, wie dünn die Decke ist.

Tino Bucksch.
Tino Bucksch.
Foto: Robert Weigel

Aber auch Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer träumt in aller Öffentlichkeit den Traum von der spendablen Wirtschaft weiter, obwohl selbst die von Bund und Land zur Verfügung gestellten Mittel die Mittelvergabe begrenzen. Bundesweit wurden 5.300 von den rund 9.400 möglichen Stipendien vergeben. Dabei gab es auch Bundesländer wie Bayern, die die 100-Prozent-Quote des Möglichen ausschöpften. Sachsen schaffte nur 62,7 Prozent.

„Dies ist ein sehr erfreuliches Ergebnis für den Freistaat Sachsen“, erklärte die Wissenschaftsministerin trotzdem. Obwohl sie es besser wissen müsste. Denn das, was an der TU Dresden aufgrund ihres Profils und der regionalen Wirtschaftsstruktur möglich war, vermochten die anderen Hochschulen im Freistaat nicht einmal im Ansatz zu stemmen.

Die ähnlich wirtschaftsnahe TU Bergakademie Freiberg schaffte 53 Stipendien, die TU Chemnitz und die HTWK Leipzig kamen auf jeweils 30 Stipendiaten.

Und selbst das Wissenschaftsministerium sieht, wo es klemmt: "An der Universität Leipzig läuft derweil die Akquise, um private Mittelgeber zu finden, da mangels nötiger finanzieller Mittel bislang keine Stipendien vergeben wurden."

„Sicherlich ist aller Anfang schwer“, sagt Sabine von Schorlemer weiter, „dies ist eine Herausforderung, aber sicherlich auch ein Chance für die Hochschulen. Der Erfolg ist letztlich abhängig von deren Bereitschaft, dieses neue Förderinstrument aktiv zu nutzen und zu bewerben.“ Womit dann auch schon mal klar ist, wer die Schuld zugewiesen bekommt, wenn die Zahlen sich in den nächsten Jahren nicht bessern. Man muss ja nur fest genug daran glauben, dass die Unternehmen im Land da in die Bresche springen, wo der Staat sich in Zurückhaltung übt.

Tino Bucksch: "Die sächsische Ministerin feiert einen Erfolg, dabei tun sich die Universitäten schwer, genügend Unternehmen zu finden, die das Stipendium mitfinanzieren. Weit über ein Drittel der möglichen Stipendien konnten nicht vergeben werden. Die Universitäten werden mit der Organisation allein gelassen. Während unter anderem im Saarland alle Bundesmittel ausgeschöpft werden können, unternimmt die Staatsregierung nichts, damit das auch in Sachsen möglich ist. Die Leidtragenden sind die Studierenden. Sie haben weder genügend Stipendienplätze, auf die sie sich bewerben können, noch ein gutes BAföG, das alle gleichermaßen fördert. Deutschland wird immer mehr zu einer Zwei-Klassen-Bildungsgesellschaft, in der nur wenige handverlesene Studierende eine Förderung bekommen können. Der Großteil aber wird allein gelassen.“

Die Forderung der sächsischen Jusos zielt auf ein frei zugängliches BAföG für alle Studentinnen und Studenten - unabhängig von ihrem Elternhaus. Bucksch: "Denn nur so lässt sich der Nachwuchs an Fachkräften von morgen sichern!"


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