Deutschlandstipendium in Sachsen: Mageres Ergebnis, fehlende Stifter
Ralf Julke
24.05.2012
Tino Bucksch.
Foto: Robert Weigel
Ein Schuss in den Ofen war's. So jedenfalls sehen es die sächsischen Jusos. Am Montag, 21. Mai, veröffentlichte das Sächsische Landesamt für Statistik die Zahlen für die vergebenen Deutschlandstipendien im Jahr 2011. Ganze 297 waren es. Danach ist die Landesregierung selbst an ihren – schon geringen Maßstäben – gescheitert, stellt Tino Bucksch, Vorsitzender der Jusos Sachsen, fest.
Anzeige
„0,3 Prozent aller Studierenden in Sachsen haben heute ein Deutschlandstipendium. Das ist lächerlich wenig", sagt Bucksch.
Das Prinzip des Stipendiums ist das des berühmten bundesdeutschen Verschiebebahnhofes. Weil weder Bund noch Länder den Schneid haben, die bestehenden Stipendienprogramme zu erweitern und keineswegs zugeben wollen, dass die Steuerpolitik auch ihre Handlungsräume in der Bildungspolitik beschneidet, hat man sich gedacht: Geben doch Bund und Länder jeweils ein Drittel - und mit der restlichen Hälfte können Unternehmen sich als Mäzene einbringen.
Von 300 Euro also jeden Monat 150 Euro von einem interessierten Unternehmen. Die dabei durchaus berechtigte Frage ist: Warum vergeben die Unternehmen da nicht gleich richtige Stipendien und betreiben gezielte Nachwuchsförderung? Immerhin war doch von vornherein klar, dass vor allem Ingenieurberufe auch beim Deutschlandstipendium von Interesse sein könnten.
Ursprünglich hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Deutschlandstipendium initiiert, um stolzen 8 Prozent der Studierenden den Zugang zu einem Stipendium zu ermöglichen. Bucksch sah schon damals das Konzept kritisch: „Statt das BAföG, von dem alle gleich profitieren, aufzuwerten und es allen Studierenden zu gewähren, versucht die schwarz-gelbe Koalition Eliten zu fördern!“
Problematisch findet er auch die Verteilung der Stipendien. Da 50 Prozent der monatlich 300 Euro, die ein Studierender bekommt, durch private Firmen erbracht werden müssen, werden vor allem technische und wirtschaftliche Studiengänge gefördert. Bucksch: "Viele andere Studiengänge, die ebenfalls dringend gebraucht werden, fallen hinten runter, wie die Lehramtsausbildung zeigt. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund kritisch, da Sachsen bereits jetzt einen eklatanten Mangel an Lehrkräften hat."
Und so überraschen auch andere Erkenntnisse aus der statistischen Auswertung nicht. Nur die Hälfte der 26 sächsischen Hochschulen beteiligten sich an der Vergabe. Die Technische Universität Dresden zählte dabei mit 150 die meisten geförderten Stipendiaten. Fachlich betrachtet gab es die meisten Deutschlandstipendien (119) für Studenten, die Studiengänge der Fächergruppe „Ingenieurwissenschaften“ belegten, gefolgt von 64 Stipendien in den „Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“.
Und auch das hat das Statistische Landesamt festgestellt: Es gab genau 126 Mittelgeber, darunter 77 Kapitalgesellschaften. Diese stellten für die Stipendiaten 95.553 Euro an ungebundenen und 77.100 Euro an gebundenen Mitteln zur Verfügung.
Eigentlich sollte das Deutschlandstipendium die bundesweit eh schon mickrige Zahl von Stipendien deutlich erhöhen. Aktuell bekommen nur 3 Prozent der Studierenden ein solches Stipendium. Dass das Deutschlandstipendium in Sachsen nur 0,3 Prozent der Studierenden bedenkt, zeigt, wie dünn die Decke ist.
Tino Bucksch.
Foto: Robert Weigel
Aber auch Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer träumt in aller Öffentlichkeit den Traum von der spendablen Wirtschaft weiter, obwohl selbst die von Bund und Land zur Verfügung gestellten Mittel die Mittelvergabe begrenzen. Bundesweit wurden 5.300 von den rund 9.400 möglichen Stipendien vergeben. Dabei gab es auch Bundesländer wie Bayern, die die 100-Prozent-Quote des Möglichen ausschöpften. Sachsen schaffte nur 62,7 Prozent.
„Dies ist ein sehr erfreuliches Ergebnis für den Freistaat Sachsen“, erklärte die Wissenschaftsministerin trotzdem. Obwohl sie es besser wissen müsste. Denn das, was an der TU Dresden aufgrund ihres Profils und der regionalen Wirtschaftsstruktur möglich war, vermochten die anderen Hochschulen im Freistaat nicht einmal im Ansatz zu stemmen.
Die ähnlich wirtschaftsnahe TU Bergakademie Freiberg schaffte 53 Stipendien, die TU Chemnitz und die HTWK Leipzig kamen auf jeweils 30 Stipendiaten.
Und selbst das Wissenschaftsministerium sieht, wo es klemmt: "An der Universität Leipzig läuft derweil die Akquise, um private Mittelgeber zu finden, da mangels nötiger finanzieller Mittel bislang keine Stipendien vergeben wurden."
„Sicherlich ist aller Anfang schwer“, sagt Sabine von Schorlemer weiter, „dies ist eine Herausforderung, aber sicherlich auch ein Chance für die Hochschulen. Der Erfolg ist letztlich abhängig von deren Bereitschaft, dieses neue Förderinstrument aktiv zu nutzen und zu bewerben.“ Womit dann auch schon mal klar ist, wer die Schuld zugewiesen bekommt, wenn die Zahlen sich in den nächsten Jahren nicht bessern. Man muss ja nur fest genug daran glauben, dass die Unternehmen im Land da in die Bresche springen, wo der Staat sich in Zurückhaltung übt.
Tino Bucksch: "Die sächsische Ministerin feiert einen Erfolg, dabei tun sich die Universitäten schwer, genügend Unternehmen zu finden, die das Stipendium mitfinanzieren. Weit über ein Drittel der möglichen Stipendien konnten nicht vergeben werden. Die Universitäten werden mit der Organisation allein gelassen. Während unter anderem im Saarland alle Bundesmittel ausgeschöpft werden können, unternimmt die Staatsregierung nichts, damit das auch in Sachsen möglich ist. Die Leidtragenden sind die Studierenden. Sie haben weder genügend Stipendienplätze, auf die sie sich bewerben können, noch ein gutes BAföG, das alle gleichermaßen fördert. Deutschland wird immer mehr zu einer Zwei-Klassen-Bildungsgesellschaft, in der nur wenige handverlesene Studierende eine Förderung bekommen können. Der Großteil aber wird allein gelassen.“
Die Forderung der sächsischen Jusos zielt auf ein frei zugängliches BAföG für alle Studentinnen und Studenten - unabhängig von ihrem Elternhaus. Bucksch: "Denn nur so lässt sich der Nachwuchs an Fachkräften von morgen sichern!"
Themen des Tages: Fußball: André Schönitz neuer Chemie-Trainer, Vier Spieler verlassen die BSG +++ Fußball: 1.FC Lok holt ugandischen Nationalspieler Gerald Muwanga +++ Fußball: "Fußballfest der guten Tat" zugunsten geistig Behinderter in Rötha +++ Basketball: Kleine Uni-Riesen sind Sachsenmeister. mehr…
Die Landesdirektion Sachsen hat jetzt den Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau der Straßenbahnanlagen der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH in der Wurzner Straße zwischen Dresdner Straße und Torgauer Straße im Osten Leipzigs erlassen. Gleise und Straße befinden sich im genannten Abschnitt in schlechtem Zustand, so dass das LVB-Vorhaben eng mit der Planung der Stadt Leipzig für den parallel durchzuführenden Straßenausbau abgestimmt ist. mehr…
Am Cottaweg wird wieder geschwitzt. Drittligist RB Leipzig ist am Sonntag in die Saisonvorbereitung gestartet. Beim ersten öffentlichen Training schauten am Dienstag 200 Fans zu. Sie bekamen die ersten drei Neuzugänge des Sommers zu Gesicht. Denis Thomalla, André Luge und Tobias Willers standen erstmals im RB-Dress auf dem Rasen. Vier Aufstiegshelden schauen sich derweil nach neuen Arbeitgebern um. mehr…
Gern wird ja in dieser Zeit über die Medienkrise gejammert, wird das klägliche Bild beweint, das einstmals prägende Zeitungstitel heute abgeben, wird über Bezahl-Modi nachgedacht oder auch mal - aus Politikersicht - über die unerhörte "Macht der vierten Gewalt". Aber welche Macht hat eine "Gewalt", die immer weniger "Manpower" für echte Recherche hat? mehr…
Dass alle Pläne für eine Kindertagesstätte auf dem Gelände des Volkshauses in der Südvorstadt ins Stocken geraten sind, darüber hat die L-IZ schon am 9. Juni berichtet. Damit fehlt jedoch ein wichtiger Baustein in der Leipziger Kita-Planung. Und das auf Jahre. Die Grundstücksgesellschaft von ver.di sieht keinen Druck zu bauen. Das kritisieren jetzt zwei Stadträte der SPD-Fraktion. Und ver.di antwortet postwendend. mehr…
Nicht nur die L-IZ hat mit der Juni-Flut einmal mehr festgestellt, dass Sachsen zwar richtig Fleiß und Geld in die (Wieder-)Herstellung von Deichen und Wehranlagen investiert hat - aber die Herstellung von so nötigen Überschwemmungsflächen hatte man überall immer wieder hinten an gestellt. Aus über 80 noch 2002 angedachten Deichrückverlegungen wurden dann erst mal nur 49. 2012 waren es dann noch 35 Maßnahmen mit 5.000 Hektar Retensionsfläche. mehr…
Das Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen (LIFE) der Universität Leipzig hat den 5000. Teilnehmer in der Studienambulanz für Erwachsene begrüßt. Damit ist die Hälfte der geplanten Teilnehmerzahl und somit ein Meilenstein in der großangelegten Leipziger Gesundheitsstudie erreicht, teilt die Uni Leipzig mit. Bei LIFE geht es - wie der Name sagt - um das blanke Leben. mehr…
Nachdem das Wasser in manchen Häusern tagelang meterhoch stand, ist nun das Mauerwerk stark durchfeuchtet und muss fachgerecht getrocknet werden. Tag und Nacht und das über Tage oder Wochen werden die dafür geeigneten elektrischen Geräte betrieben werden müssen – trotz beträchtlicher Kosten. „Es kann durchaus damit gerechnet werden, dass sich bei einigen Verbrauchern der Jahresverbrauch verdoppelt“, schätzt Roland Pause, Energieexperte der Verbraucherzentrale Sachsen. mehr…
Die Erfolgsstory geht weiter: Bereits zum sechsten Mal gastiert das Musik-Spektakel "Faust - Die Rockoper" in Auerbachs Keller. Im Januar 2014 ist die Show an zwei Wochenenden mit insgesamt acht Vorstellungen erneut in den historischen Räumen des Traditionsgasthauses zu Gast. Zu jeder Aufführung servieren Küchenchef Sven Hofmann und sein Team eigens für das Event kreierte Menüs. mehr…
Das 1997 in der Westküste der USA gegründete Musikprogramm bietet mehr als 450 jungen Musikerinnen und Musikern in vier vollständigen Symphonieorchestern und zahlreichen Kammerensembles eine musikalische Heimat. Die vorrangigen Ziele dieser Organisation sind es, Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen sechs und achtzehn Jahren die Gelegenheit zu geben, eine erstklassige musikalische Ausbildung zu erlangen und in erstklassigen Orchestern zu spielen. mehr…
In der fünften Klasse steht die Wahl einer zweiten Fremdsprache an. Nicht selten können die Wünsche der Schülerinnen und Schüler nach einer bestimmten Fremdsprache nicht erfüllt werden, weil ausgebildete Lehrkräfte fehlen. In diesen Fällen entscheidet das Los und die Schülerinnen und Schüler werden gezwungen, eine andere Fremdsprache - oftmals Russisch - zu erlernen. mehr…
Am Freitag, dem 21. Juni, wird im Park-Krankenhaus Leipzig in der Strümpellstraße eine Ausstellung eröffnet, in der Bilder der Leipziger Malerin Verena Orlowski gezeigt werden. Aber es sind nicht einfach nur bemalte Leinwände zu sehen. Ganz nach dem Motto "Gerissene Gestaltung" sieht man "Bilder mit ungewöhnlichen Oberflächen, die den Betrachter durch ihre Formen, Farben und Strukturen zum Staunen, Verweilen und Entdecken einladen". mehr…
Am Sonntag, 23. Juni, finden um 14:30 Uhr und 17:00 Uhr in der Brikettfabrik Witznitz (Witznitzer Werkstraße in 04552 Borna) bei freiem Eintritt fachkundige Führungen durch die Ausstellung "Tage.Bau.Land.Schaff(t)en" statt. Außerdem wird es um 16:00 Uhr eine Buchvorstellung mit den beiden Leipziger Geologen Professor Dr. Lothar Eißmann und Dr. Frank W. Junge zu dem jüngst im Sax-Verlag erschienenen Band "Das Mitteldeutsche Seenland. Vom Wandel einer Landschaft. Der Süden" geben. mehr…
Gut einen Monat vor Eröffnung der Panorama-Ausstellung "Leipzig 1813 – In den Wirren der Völkerschlacht" wird an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) ein Blick hinter die Kulissen geworfen: Die HTWK Leipzig lädt alle Interessierten am Mittwoch, 26. Juni, herzlich zum Vortrag "Leipzig 1813 – Was ist der Beitrag eines Panoramas zur Erinnerungskultur?" ein. mehr…
In Gesellschaft, Medien und Politik gibt es an vielen Stellen den großen Wunsch nach Wirtschaftswachstum. Aber ist unser Begriff vom „Wachstum“ nicht vielleicht schon längst überholt? Zu diesem Thema diskutieren am Mittwoch, 19. Juni, um 18 Uhr die beiden Grünen Felix Ekardt und Ralf Fücks im Neuen Seminargebäude der Uni Leipzig. mehr…
- Schaltung: eine Woche vorher, 3 Tage nachher
- Termine Stadtrat 2013 am 23.01., 20.02., 20.03., 17.04., 15.05., 19.06., 10.07., 18.09., 16.10., 21.11., 11.12.
- Positionierung: in ungeraden Monaten: Die Linke oben, Die Grünen unten