Caritas-Studie zu Bildungschancen: Mehr als jeder zehnte Jugendliche in Sachsen ohne Hauptschulabschluss
Ralf Julke
07.07.2012
Armut beeinflusst den Bildungsabschluss.
Foto: Ralf Julke
Wie eng hängt der Bildungserfolg eigentlich vom Geldbeutel und vom sozialen Status der Eltern ab? Die Frage beschäftigt seit einigen Jahren einige Bildungspolitiker und Wissenschaftler im Land. Und schon der am 22. Juni vorgestellte Bildungsbericht der Kultusministerkonferenz untermauerte den Verdacht mit Zahlen. Am Donnerstag, 5. Juli, legte die Caritas ihre Studie „Bildungschancen vor Ort“ vor. Und sie bestätigt den Verdacht: Ein lokaler Armutssockel bedingt einen Sockel an Bildungsarmut. Auch in Leipzig.
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Durchschnittlich 11,42 Prozent der Schulabgänger im Freistaat Sachsen verließen 2009 die Schule ohne Hauptschulabschluss. Dies geht aus der aktuellen Studie „Bildungschancen vor Ort“ des Deutschen Caritasverbandes und des Rheinisch-Westfälischen Institutes in Essen hervor. 6,19 Prozent der Schüler kommen aus Förder- und Sonderschulen. Die Quote der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss liegt in Sachsen aber wesentlich höher als der bundesweite Durchschnitt von 7,2 Prozent. Darüber informierte der zuständige Bildungsreferent der Caritas im Bistum Dresden-Meißen, Norbert Waldhelm. Besonders hoch seien die Quoten in Ballungsräumen wie Leipzig oder Chemnitz.
„Die beruflichen Aussichten für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss sind verheerend. Die Sozialleistungssysteme müssen die Folgekosten tragen“, sagt Norbert Waldhelm. „Angesichts der demographischen Entwicklung, des Fachkräftemangels und der Belastung der Sozialsysteme müssen wir jeden Jugendlichen im Freistaat Sachsen so befähigen, dass die Schüler die Schule mindestens mit einem Hauptschulabschluss verlassen.“ Die hohe Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss könne nur durch eine konsequente Politik der Befähigung reduziert werden.
Zwar ist Bildung eine Angelegenheit der Länder. Doch man muss sich nur die seit zwei Jahren schwelende Diskussion um den Lehrermangel betrachten, um zu merken, wie gleichgültig der sächsischen Regierung auch nur die Gewährleistung eines funktionierenden Bildungsangebots ist. Selbst mit dem Dauerthema Inklusion - das bei den Bildungsabschlüssen eine erhebliche Rolle spielt - tut sich die Regierung schwer.
Armut beeinflusst den Bildungsabschluss.
Foto: Ralf Julke
Dass der Freistaat in künftigen PISA-Vergleichen innerhalb der Bundesrepublik nicht mehr so gut abschneiden wird wie noch in den letzten Jahren, ist ziemlich wahrscheinlich. Nur zum Vergleich: Die großen süddeutschen Flächenländer Bayern und Baden-Württemberg schafften es 2009, die Zahl der Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss auf 5,97 bzw. 5,92 Prozent zu halten. Selbst das oft gescholtene Berlin, das als Großstadt eigentlich alle sozialen Probleme, die damit zusammen hängen, bewältigen muss, kam auf 10,63 Prozent.
Innerhalb Sachsens gibt es zwar regionale Unterschiede mit Werten von 10,36 Prozent etwa in Dresden und 14,12 in Leipzig. Aber schon diese Differenz deutet darauf hin, dass die Bildungschancen mit der finanziellen Lage der Kommune und ihrer Bewohner in Zusammenhang stehen.
Die Studie „Bildungschancen vor Ort“ zeige, dass sozioökonomische Faktoren, aber auch das jeweilige Bundesland mit seiner Schulpolitik entscheidenden Einfluss auf die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss haben, so Norbert Waldhelm. Entgegen der Erwartung bei Beginn der Studie habe die Verschuldungssituation der betreffenden Städte beziehungsweise Kreise keine nachweisbare Auswirkung auf die Quote vor Ort. Die Kommunale Verschuldung könne also eine schlechte Bildungssituation nicht entschuldigen, sagt Waldhelm.
Zusätzlich wurden Caritas-Praktiker vor Ort befragt, wie es den Kommunen, die sich in einer schwierigen finanziellen Situation befinden, gelinge, Jugendliche beim Erwerb eines Hauptschulabschluss gut zu unterstützen. Dabei wurde deutlich, dass Kommunen und zivilgesellschaftliche Akteure vor Ort aktiv werden müssen: Entscheidend sei der politische Wille zur Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher. So haben sich Kooperationen vor Ort, Begleitung der Kinder, Jugendlichen und Eltern, insbesondere die Schulsozialarbeit, und Sozialraumorientierung als erfolgversprechend gezeigt. Der Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen fordert deshalb eine flächendeckende Schulsozialarbeit.
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