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Sachsen und der Bildungsmonitor der INSM: Spitzenpositionsverteidiger und Hausaufgabenmacher

Ralf Julke
Immr de Erschdn.
Immr de Erschdn.
Montage: L-IZ
Das Sachsen selbst nach den sehr ausgewählten wirtschaftlichen Kriterien des "Bildungsmonitors 2012" der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ein eher dürftiges Ergebnis beim Bildungs-Output abliefert, das hat die L-IZ schon detailliert aufbereitet. Hier kommen jetzt auch noch die jubelnden, nachdenklichen Stimmen aus der sächsischen Politik.


Die erste, die sich am 15. August gleich nach der Veröffentlichung der bunten Zahlen zu Wort meldete, war natürlich Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth. Von ihr gab es zumindest kleine Achtungszeichen:

Nachdenklicher Jubel: Brunhild Kurth

„An dem tollen Erfolg sind viele beteiligt. Die Top-Position ist allen voran ein starkes Zeugnis für Lehrer und Erzieher, aber auch für die Schüler, die mit ihren guten Schulleistungen im bundesweiten Vergleich bestechen. Ihnen allen gilt mein Respekt und Dank für das hervorragende Ergebnis.

In Sachsen entscheidet die soziale Herkunft weniger über den Bildungserfolg als anderswo.

„Das sehr gute Gesamtergebnis darf aber im Umkehrschluss nicht heißen, sich darauf auszuruhen, denn die Studie macht auch klar Verbesserungsbedarf im sächsischen Schulsystem deutlich. Unsere größte Baustelle wird allerdings der wachsende Bedarf an Lehrkräften sein. Wir müssen dringend unsere Anstrengungen forcieren, den Lehrerbedarf aus eigenen Lehramtsbewerbern zu decken. Dazu gehört eine gute Service- und Kundenfreundlichkeit beim Einstellungsverfahren ebenso wie die Möglichkeit für Quereinsteiger, in Sachsen den Lehrerberuf ergreifen zu können. Dennoch wird Sachsen nicht umhin kommen, über zusätzliche Anreizsysteme für Lehrkräfte nachzudenken. Der bundesweite Wettbewerb um Lehrer wird zunehmen."

Thomas Colditz, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion: Na, da müssen wir wohl handeln

„Der erneute Spitzenplatz ist sehr erfreulich und angesichts der aktuellen Herausforderungen im Schulbereich keine Selbstverständlichkeit. Die positive Bewertung Sachsens in fast allen untersuchten Handlungsfeldern ist vor allem der hervorragenden Qualifikation unserer Lehrkräfte und Erzieher sowie ihrem tollen Engagement zu verdanken. Aber auch den Schülern, die nach wie vor eine hohe Leistungsbereitschaft zeigen und den Eltern, die ihre Kinder großartig unterstützen, gilt ein besonderer Dank.

Aufgabe politischen Handelns ist es nun, diese Leistung und dieses Engagement noch besser zu würdigen und zukunftsfähige Personalentscheidungen zu treffen. Ohne gut ausgebildete, motivierte Lehrer in einer bedarfsgerechten Anzahl wird dieses hohe Niveau langfristig nicht zu halten sein. Die Deckung des Lehrerbedarfs wird bei uns in Sachsen die größte Herausforderung im Bildungsbereich sein. Insofern gibt die Bewertung keinen Anlass, sich selbstzufrieden zurückzulehnen. Wenn wir Sachsen schulpolitisch auch im Jahr 2020 vorn sehen wollen, müssen wir jetzt handeln. Die bevorstehenden Haushaltsberatungen bieten dazu eine gute Grundlage.“

Immr de Erschdn.
Immr de Erschdn.
Montage: L-IZ

Norbert Bläsner, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion: Kein Ausruhen auf Lorbeeren mehr

"Auch wenn das erneute hervorragende Abschneiden des sächsischen Schulsystems erfreulich ist - es darf und wird uns nicht zum Ausruhen auf verdienten Lorbeeren verführen. Wir werden die Spitzenposition nur halten, wenn wir die großen Baustellen des Bildungssystems beseitigen: den zunehmenden Lehrermangel und den bereits jetzt daraus folgenden Unterrichtsausfall, der längst nicht mehr akzeptabel ist. Nur mit mehr jungen, hoch motivierten Lehrern, die eine klare Perspektive in Sachsen haben, werden wir unser Niveau halten und ausbauen können. Das sind wir den Schülern im Freistaat schuldig.

Der anstehende Doppelhaushalt 2013/2014 wird die bildungspolitischen Weichen richtig stellen. Im Haushaltsentwurf ist beispielsweise das Bildungspaket zur Absicherung des zukünftigen Lehrerbedarfs verankert, das insgesamt rund 570 Millionen Euro dafür vorsieht - also über eine halbe Milliarde Euro zusätzlich für die Qualität der sächsischen Schulen. Über fünf Milliarden Euro jährlich wollen wir insgesamt für Bildung und Forschung ausgeben. Auch die flächendeckende Einführung der Oberschule zum Schuljahr 2013/14, die das sächsische Schulsystem weiter voranbringen wird, ist finanziell abgesichert."

Annekathrin Giegengack, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen: Macht endlich eure Hausaufgaben

"Die Schüler und Eltern können angesichts der Realität an den sächsischen Schulen bloß den Kopf schütteln über die Ergebnisse der Studie. Kultusministerin Brunhild Kurth ist gut beraten, nicht so sehr auf die Ergebnisse des Bildungsmonitors zu schielen, sondern vielmehr ihre Hausaufgaben zu machen. Und der Katalog an Herausforderungen, vor dem Sachsen steht, dürfte mindestens so dick sein, wie das Kapitel über Sachsen im Bildungsmonitor.

Obwohl der durch das ‚Institut der deutschen Wirtschaft‘ erarbeitete Bildungsmonitor ausdrücklich nur die Wachstumswirkung unterschiedlicher Bildungspolitik untersuchen möchte, werden die Ergebnisse zu einem Ranking der Gesamtqualität der Bildung in den einzelnen Bundesländern aufgebauscht. Die Aussagekraft über die Qualität der Bildungspolitik in den einzelnen Bundesländern ist sehr begrenzt, wenn Ergebnisse aus dem Hochschul- und Wissenschaftsbereich mit Daten aus der frühkindlichen und schulischen Bildung sowie Maßnahmen der Wirtschaft (z.B. Ausbildungsplätze) verrechnet werden.


Der methodische Ansatz des Bildungsmonitors genügt nicht immer den Anforderungen der modernen Sozialwissenschaft. Im Handlungsfeld Integration werden z.B. die Bildungsergebnisse ‚ausländischer‘ Jugendlicher zu den Bildungsergebnissen aller Jugendlicher in dem jeweiligen Bundesland ins Verhältnis gesetzt. Es ist klar, dass Sachsen hier relativ weniger ‚ausländische Schulabbrecher ohne Abschluss‘ aufweist als z.B. Nordrhein-Westfalen. Mit einem solchen Ansatz kann man Integration nicht messen.

Auch im Handlungsfeld Schulqualität wird nicht wirklich gemessen, welches Bundesland durch seine Bildungspolitik den Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Herkunft und Schulleistungen von Kindern tatsächlich wirksam bekämpft. Der Bildungsmonitor gibt lediglich die Größe der Risikogruppe an Kindern aus armen und bildungsfernen Familien je Bundesland an."

www.insm-bildungsmonitor.de


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