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Lehrermangel: Der Unterrichtsausfall in Leipzigs Grundschulen nimmt dramatische Ausmaße an

Ralf Julke
Sachsens Rotstiftpolitik beschädigt längst den Grundschul-Unterricht.
Sachsens Rotstiftpolitik beschädigt längst den Grundschul-Unterricht.
Foto: Ralf Julke
Das kann nicht klappen. Was die sächsische Staatsregierung so großspurig "Bildungspaket" genannt hat, reicht nicht einmal, um die Löcher zu flicken. Kultusministerin Brunhild Kurth gibt sich redliche Mühe, den Schulbetrieb in Sachsen irgendwie noch am Laufen zu halten. Doch sie kann die Versäumnisse der zurückliegenden vier Jahre nicht ausbügeln. In Leipzig nimmt der Unterrichtsausfall mittlerweile dramatische Ausmaße an.


Und das betrifft schon die Grundschulen, die Basis des Lernerfolges, den Leipziger Schüler haben - oder eben nicht haben. Denn wo über Jahre zu wenige Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden, reißt es die Grundmauern weg.

"Die Schulabbrecherquote in Leipzig liegt mit 15 Prozent weit über dem bundesweiten Durchschnitt. Leider ist Leipzig auch in Sachsen trauriger Spitzenreiter", stellt Cornelia Falken, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag, fest. "Ein Grund ist auch in massivem Unterrichtsausfall zu suchen. So fielen im November 2012 in der Edouard-Manet-Grundschule in Leipzig 153 Unterrichtsstunden aus, das entspricht 9,3 Prozent des tatsächlichen Solls. Schlimmer traf es die 31. Grundschule in Probstheida. Dort fiel jede fünfte Unterrichtsstunde aus. Die Schule war also statistisch gesehen eine komplette Woche dicht. Hinzu kommen noch Unterrichtsvertretungen durch fachfremde oder gar nicht ausgebildete Lehrkräfte, Klassenzusammenlegungen und Stillarbeit."

Eltern, die eigentlich davon ausgehen müssten, dass ihre Kinder in der Schule professionell betreut werden, ahnen oft gar nicht, dass sich Sachsens Schulen immer mehr zu unbetreuten Bewahranstalten entwickeln.

In der Christoph-Arnold-Grundschule mussten die Grundschüler ganze 50 Stunden still arbeiten, das heißt ohne pädagogische Anleitung, hat Cornelia Falken in Erfahrung gebracht. "Die Eltern erfahren darüber zumeist nichts. Nachfragen bei der Schulleitung nach Statistiken laufen ins Leere, denn die Schulleiter dürfen über den tatsächlichen Unterrichtsausfall nur eingeschränkt informieren", kommentiert die Abgeordnete die Mauerpolitik im sächsischen Schulwesen.

Sachsens Rotstiftpolitik beschädigt längst den Grundschul-Unterricht.
Sachsens Rotstiftpolitik beschädigt längst den Grundschul-Unterricht.
Foto: Ralf Julke

Ihr Fazit: "Der Unterrichtsausfall hat inzwischen ein dramatisches Ausmaß angenommen, das kaum noch politisch zu verantworten ist. Die Schulen sind systematisch unterbesetzt, die Lehrerpolitik der sächsischen Staatsregierung wächst sich zur Katastrophe aus. Es müssen endlich mehr Lehrkräfte eingestellt werden, um dieser Situation begegnen zu können. Wer glaubt, dass diese Botschaft inzwischen bei der Staatsregierung angekommen ist, irrt – trotz vollmundig angekündigtem Bildungspaket."

Weil man mit Murren nichts erreicht, hat sie wieder einmal Zahlen abgefragt. Früher, als in den Schulen noch Mathematik unterrichtet wurde, lernte man auch, wie man damit umgehen sollte. Mit Plus und Minus zum Beispiel. Was kommt dabei heraus, wenn deutlich weniger Lehrer eingestellt werden als gleichzeitig in Ruhestand gehen?

"Im Februar 2013 zum Beginn des zweiten Schulhalbjahres sind sachsenweit insgesamt 184 Lehrkräfte ausgeschieden, davon 52 Grundschullehrerinnen. Zusätzliche 252 Lehrkräfte wechseln in die Ruhephase der Altersteilzeit", stellt Falken fest. Die Zahlen hat ihr die Kultusministerin Brunhild Kurth geben müssen, nachdem sie Ende des letzten Jahres danach fragte.

Ein zweites Fragenpaket beschäftigte sich logischerweise mit den Einstellungen. Und wenn es in Sachsen so etwas wie einen regelmäßigen Bildungsreport gäbe, dann müsste danach nicht einmal gefragt werden. Was zumindest erstaunlich ist. Jedes Amt in einer Stadt wie Leipzig muss Jahr für Jahr Auskunft geben über die Ergebnisse seiner Arbeit. Und die Frage nach den missratenen Bildungskarrieren muss sich dann auch der Sozialbürgermeister anhören.


Aber der Freistaat, der für die Absicherung des Unterrichts vollumfänglich verantwortlich ist, gibt nicht einmal zeitnah eine Übersicht heraus zu all den Dingen, die Lernen befördern - oder eben verhindern: der Zahl der verfügbaren Lehrer pro Schule, Fach und Schulart. Die Zahlen zu Unterrichtsausfall und seiner Kompensation. Die Zahlen zu eingerichteten Lehrer-Studienplätzen und ihrem Verhältnis zum künftigen Lehrerbedarf.

Doch eingestellt wurden zur Mitte des Schuljahres sachsenweit nur 105 Lehrkräfte. Es klafft eine weitere Lücke von über 80 Lehrern. "In Leipzig kommen lediglich zehn Grundschullehrer hinzu, obwohl 36 Bewerbungen vorlagen", kritisiert Cornelia Falken die Einstellungspolitik des Landes, die das Problem noch verschärft.

"In der Grundschule werden im Übergang von Kindergarten zu weiterführenden Schulen zentrale Grundlagen vermittelt, die wesentlich über die weitere Laufbahn jedes einzelnen Schülers entscheiden", resümiert Falken. "Solange der Freistaat aber keine hinreichenden Bedingungen im Bildungssystem schafft, und damit Lehrer, Eltern und Kinder anhaltend frustriert, ist die Schulabbrecherquote in Sachsen und Leipzig auch ein politisches Versagen."



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