Riesengroß in der Stadt: Leipziger Studenten haben wieder mit Erfolg plakatiert
Ralf Julke
26.07.2008
Zehn Tage lang waren Mitte des Monats zwei Großplakate in Leipzig zu sehen, die ließen den ein oder anderen stutzen. Kaum einer merkte: Da waren mal wieder Studenten am Werk. Und hinter den beiden Motiven steckte ein sechswöchiger Crash-Kurs in Sachen "Out-of-Home-Medien". Oder zu gut deutsch: Wie mache ich eine Plakatkampagne, die Aufsehen erregt?
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Selbst Rüdiger Storim, Geschäftsführer der ströer Deutsche Städte Medien GmbH, spottet vorsichtig über die englische Bezeichnung. "Früher hieß das Außenwerbung", sagt er. Er hat das Seminar mit Studenten der Kommunikations- und Medienwissenschaft der Uni Leipzig in diesem Jahr zum zweiten Mal durchgeführt.
Im letzten Jahr hatten die Teilnehmer des Praxisseminars auch zwei echte Auftraggeber: Das Leipzig Marketing suchte damals ein gutes Motiv für die Feiern der friedlichen Revolution. Und die Initiative "Ab in die Mitte" suchte ein sprechendes Plakatmotiv für ihre City-Kampagne in Sachsen. Auch in diesem Jahr bekamen die 40 Studierenden, die sich für das Praxisseminar eintrugen, zwei Auftraggeber.
Die zwei Plakate und (fast) alle Akteure.
Die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) wollte diesmal ein Motiv für das Jubiläumsjahr der Universität 2009. Aber weniger zu 600jährigen Jubiläum, sondern zu den heutigen Stärken des Studienortes Leipzig. Und die Leipziger Volkszeitung wünschte sich ein Plakat, mit dem das Veranstaltungsmagazin der LVZ, "Leipzig Live", beworben werden sollte.
Neben den 36 Seminarstunden mit Rüdiger Storim hatten die Studierenden knapp sechs Wochen Zeit, in kleinen Teams eine stimmige Bildidee samt Slogan zu finden und so rund zu machen, dass sie tatsächlich in den Stadtraum gehängt werden konnte. Vom 8. bis 17. Juli waren die beiden besten Motive in Leipzig plakatiert. Und die jungen Leute mussten auch noch "nachwaschen". Etwas, was selbst viele Werbeagenturen gar nicht mehr kennen: Die Passanten zu befragen, wie das Plakat tatsächlich funktioniert.
Gestern stellten die Studenten die Ergebnisse vor. Und wieder gab's was zu lernen. Bei den Auftraggebern waren die Motive sowieso gut angekommen. Die LVZ hatte sich bewusst für das Paar Augen entschieden, das aus schwarzem Hintergrund über den orangen Schriftzug "Leipzig:Live" guckt. "Wir haben das Magazin bisher nicht so massiv beworben", sagt Birgit Rebeck, die Marketingleiterin der LVZ. War also mal wieder Zeit. Denn immerhin liegt das Heft jeden Mittwoch der LVZ bei und wird auch noch in 10.000 Exemplaren in Kneipen und Klubs verteilt. Eine Menge Papier, wenn's keiner liest.
Schon 2006 hatte die LVZ sich mit einer Frage zu ihrer Beilage "Leipzig Live" in die Bürgerumfrage der Stadt mit eingeklinkt: Wie oft nutzen die Leipziger den LVZ-Beileger überhaupt? Damals gab's die freundliche Auskunft: Nur 32 Prozent de Leipziger nutzen das Druckwerk häufig oder sehr häufig. Am beliebtesten war es bei den über 65jährigen. Und die wenigsten Leser hatte es bei den 18- bis 34jährigen. Soetwas ist schon ein Grund, über das Image so eines Heftes nachzudenken.
Ach, hätte ich doch ...: Das Team des LTM-Plakates.
Auch die Studenten fragten vor ihrem Große-Augen-Plakat die Passanten, ob sie "Leipzig Live" kennen. Und die Antworten der 285 Befragten deckten sich fast mit den Ergebnissen der Bürgerumfrage: 46 Prozent nutzen das Angebot gar nicht.
14 Prozent nutzen es häufig. 47 Prozent der Befragten fanden das Motiv des Plakates übrigens gut. Nur die Älteren fanden es eher zu finster. Einige hatten den Eindruck, so ein Augenpaar in letzter Zeit in der Werbung anderer Firmen auch schon gesehen zu haben. Scheint ein Ur-Instinkt zu sein, der da geweckt wird. Mit dem Ergebnis, dass 70 Prozent der Befragten das Motiv auffällig fanden. Jüngere fanden es besser als Ältere. Kann also sein, dass das Motiv in einer Plakatkampagne der LVZ noch einmal auftaucht, denn im Haus der großen Lokalzeitung wird, wie man hört, intensiv über einen Relaunch von "Leipzig Live" nachgedacht.
Nicht so auffällig wie das Augenpaar fanden 200 Befragte das Plakat mit dem Slogan "Hätte sie doch in Leipzig studiert", mit dem der LTM für den Studienort Leipzig werben möchte. Dabei ist es ein echter Hingucker: Mitten unter lauter "langweiligen, Schlips tragenden" Kommilitonen sitzt eine frustrierte Studentin, die augenscheinlich im tristesten Studiengang der Welt gelandet ist. Die jungen Herren rund um sie entpuppen sich auf den zweiten Blick als ein sehr verwandlungsfreudiger Bursche namens Johannes Angermann. "Am Ende musste es eben schnell gehen" sagt der angehende Journalist, der sich irgendwie aus reiner Neugier in das Seminar der "Gegenseite" verirrt hatte. "Es war wirklich schwierig, die vielen Seiten der Universitätsstadt in nur ein einziges Motiv zu bringen."
Hat am Ende auch nicht geklappt: Das Team entwarf gleich fünf Motive. Unter anderem zur Lebensqualität in Leipzig und zur Kultur. Das ausgewählte Motiv mit der traurigen Studentin unter lauter Angermanns soll dafür zeigen, wieviel Auswahl eigentlich Leipzig bietet mit seinen neun Hochschulen und über 200 Studiengängen. Da wäre die junge Dame garantiert nicht in der falschen Vorlesung gelandet.
Dieses Plakat, so Marit Schulz, Prokuristin der LTM, wird wohl zum Semesterstart wieder in der Öffentlichkeit auftauchen. Parallel soll es möglichweise noch eine Postkartenaktion mit allen fünf Motiven geben.
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