2009. Was kommt? – Leipzig steigt auf in die Liga der "City Notebooks"
Redaktion
29.12.2008
City-Notebook Universität Leipzig.
Foto: LTM
Zur Buchmesse, die vom 12. bis 15. März wieder in Leipzig stattfindet, soll es so weit sein: Dann kommt die Sonderedition “City-Notebook Universität Leipzig“ im Verlag Moleskine heraus. Moleskine würdigt mit City-Notebooks sonst eher Hauptstädte wie Berlin, London oder Paris.
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Seltener sind andere Großstädte im Programm. Und die müssen dann schon einen gehörigen Weltruf haben, um für den Verlag attraktiv genug für ein City-Notebook zu werden. Florenz gehört in diese Liga, Mailand, Venedig oder St. Petersburg.
Nun freut sich die Leipzig Tourist und Marketing GmbH (LTM), im Rahmen der Kampagne “Leipziger Freiheit“ den Verlag Moleskine dafür gewonnen zu haben, zur Buchmese eine Sonderedition “City-Notebook Universität Leipzig“ aufzulegen. Enthaltend neben 32 Seiten zur Universität auch 18 Seiten, auf denen der Literat Claudius Nießen sein Leipzig vorstellt.
Den Burschen kennt man schon, wenn man die jüngst erschienene Werbebroschüre "Rendezvous in Leipzig" gelesen hat. Oder auch nicht. Claudius Nießen alias ClaraPark "entwickelt als Agentur für den Literatur- und Kunstmarkt neue Formen der Literaturvermittlung, Kunstpräsentation und Kulturrezeption."
Das liest sich dann in der Endstufe nicht wirklich gut. Für die Broschüre "Rendezvous in Leipzig" gab's zwar einen Redaktionsbeirat. Aber mit den Fakten zur Leipziger Geschichte kannte man sich da wohl doch nicht so gut aus. Oder die gewichtigen Herren hatten zu wenig Zeit und haben sich gesagt: Der Claudius macht das schon.
Und so liest sich denn der erste Satz dort so: "In einer der ältesten Kulturregionen Deutschlands, in Sachsen, liegt Leipzig, die Metropole Mitteldeutschlands."
Zur Buchmesse erwartet: City-Notebook Universität Leipzig.
Foto: LTM
Das ist leider falsch. Sachsen ist eine der jüngsten Kulturregionen Deutschlands. Die ältesten liegen allesamt am Rhein und sind – als Kulturregion – doppelt so alt wie Sachsen. Und Metropole Mitteldeutschlands ist Leipzig auch nicht. Da war der liebe Claudius (vielleicht) zu optimistisch. Ein Zusammenschluss der drei Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen steht – nach einhelliger Bekundung aller drei Landesregierungen – derzeit nicht auf dem Plan, ist also auch nicht bis März 2009 zu schaffen. Und ob in einem solchen Fall dann Leipzig zur Landeshauptstadt gekürt wird, ist auch zu bezweifeln. Da gibt es mindestens drei Kandidaten, die sich vorher zu Wort melden
Klar: Kann man jetzt meckern. Was kritisiert die L-IZ jetzt an dem Text herum? Gibt es davon nicht mittlerweile Tausende, die die Stadt und die Region überschwänglich preisen?
Leider, könnte man sagen. Die marktschreierischen Sätze werben nicht mehr. Sie verkleistern die Sicht auf die Wirklichkeit. Die sich nicht verstecken muss. Eine 600 Jahre alte Universität ist für Deutschland ein Schwergewicht. In Italien würde man dazu sagen: junger Hüpfer.
Noch mehr Lust auf literarische Malerei?
"Dort, wo sich die Handelswege der Via Regia und der Via Imperii trafen, entstand ein blühendes Zentrum für Handel und Handwerk." Kleiner Blick ins Impressum: Nein, die Handwerkskammer saß nicht mit am Tisch. Der Handwerkskammerpräsident wird sich trotzdem gefreut haben.
Gab's aber keinen Lektor, der das "blühende Zentrum" doch etwas sehr floristisch fand? Leider nein.
"So wurde Leipzig nicht nur zu einem der ältesten Messestandorte der Welt, sondern auch zu einem der bedeutendsten. Die Welt traf sich immer schon in Leipzig. Das ist bis heute so geblieben." Manchmal kommt es nur auf die Vergleiche an. Innerhalb der deutschen Messelandschaft ist Leipzig heute froh, sich unter den Top 10 wieder platziert zu haben. Der Weltvergleich sieht noch etwas bescheidener aus.
Aber dass sich die Welt schon immer in Leipzig traf, darf bezweifelt werden. Das tat sie bis zum Jahr 1015 wohl eher nicht, bevorzugte da wohl Orte wie Rom, Alexandria oder auch mal Athen, Bagdad oder Konstantinopel.
"'Mein Leipzig lob ich mir', hat Goethe nicht ohne Grund geschrieben", schreibt Nießen. Ohne zu ahnen, dass es ein anderer Grund sein könnte, als er hofft. Vielleicht gibt sich ja Claudius Nießen für das Moleskine-Buch etwas mehr Mühe und lässt mal den ein oder anderen Professor aus dem Literaturinstitut gegenlesen. Könnte helfen, ein paar Stilblüten zu vermeiden und nicht gar zu sehr am Thema vorbeizuschreiben.
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