No Money No Air: 1.350 Quadratmeter für den "Nutzen der Rundfunkgebühren"
Ralf Julke
15.01.2009
No Money No Air.
Foto: MDR
Seit Dienstag, 13. Januar, sind sie an 150 Standorten im Leipziger Stadtbild zu sehen: die neuesten Ergebnisse aus dem Projektseminar “Grundlagen und Praxis der Out-of-home-Medien”. Knallrote Plakate mit der Botschaft "No Money No Air". Hinter den Plakatwänden kichert die Gebühreneinzugzentrale.
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Denn es steht zwar – etwas kleiner – drauf: "MDR Sputnik. Hör auf Deine Stimme". Aber um Werbung für den jungen Sender im MDR-Portfolio geht es dabei eher nicht. Auch wenn den jungen Leuten der Studentenagentur “Chili“ noch die aufklärende Botschaft einfiel: "Rundfunkgebühren sichern Euch gutes Programm". Die Krux lag in der Aufgabenstellung.
„Entwerfen Sie ein Plakat für MDR SPUTNIK, das den Nutzen der Rundfunkgebühren kommuniziert“, lautete der Auftrag an die Studenten der Universität Leipzig. Ausgegeben vom diesjährigen Medienpartner des Praxisseminars. Alljährlich wird versucht, einen unternehmerischen und einen öffentlichen Auftraggeber für eine Kampagne zu finden, die die 40 Teilnehmer des Seminars umsetzen müssen.
Dabei gab's schon diverse Erfolge wie die Plakat-Kampagne "Mein 9. Oktober", die die Leipzig Marketing GmbH in Auftrag gab und die mittlerweile auch mit einem prestigeträchtigen Preis gewürdigt wurde.
Im Jahrgang 2008/2009 ist die Universität Leipzig der öffentliche Partner. Sie hat ihr 600-jähriges Jubiläum als Werbe-Aufgabe ins Seminar gegeben. Auftraggeber für das Sputnik-Plakat war der MDR selbst, der hier augenscheinlich sein wichtigstes Ärgernis thematisiert: die hinschmelzenden Gebührenzahlungen der Einwohner im Sendegebiet. Gerade jüngere Leute sind für die teilweise etwas biederen Angebote des Heimatsenders nicht wirklich zu begeistern, schaffen sich gar nicht erst einen Fernseher an, sondern besorgen sich die Clips, die sie hören oder sehen wollen, direkt im Internet.
Vom MDR für gut befunden: Studentenplakat zum Nutzen von Rundfunkgebühren.
Foto: MDR
Was dann – zumindest bei den Nutzerzahlen – MDR Sputnik freut, der innerhalb der Senderfamilie wohl den frischesten und nutzerfreundlichsten Web-Auftritt hat. Natürlich gebührenfinanziert. Nicht ohne Grund haben Deutschlands öffentliche Sendeanstalten darauf gedrungen, jeden internetfähigen PC quasi zum Rundfunkgerät zu erklären und dafür entsprechend Gebühren zu kassieren.
Ein weites Streitfeld. Denn damit wird auch jeder Internet-PC zum Kassen-Fall, auf dem keines der öffentlich-rechtlichen Programme genutzt wird. Entsprechende Streitfälle beschäftigen seit einem Jahr die Gerichte in der ganzen Republik. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
150 Mal im Stadtbild zu sehen: Studenten-Plakat "No Money No Air".
Foto: MDR
Für die PR-Studenten der Uni-Leipzig aber war das zumindest ein richtig klassischer Fall von Marketing: Die Botschaft kann so schräg sein, wie sie will – man macht trotzdem was draus.
Einen Monat hatten sie Zeit, um ein Motiv zu entwerfen. Am Ende fand die Studentenagentur “Chili“ mit dem Slogan „No Money No Air – Rundfunkgebühren sichern Euch gutes Programm“ im knalligen rot-schwarz-weißen MDR-SPUTNIK-Design das Wohlwollen der Jury.
„Den Studenten des ‘Chili’-Teams ist es auf hervorragende Weise gelungen, Slogan und Design miteinander zu verbinden“, meint die Marketingchefin des MDR, Sabine Tubbesing. „Die Studenten der Universität Leipzig sprechen die gleiche Sprache wie die Zielgruppe von MDR SPUTNIK.“
Das Siegermotiv ist als 18/1-Plakat (rund neun Quadratmeter) vom 13. bis 22. Januar an 150 Standorten in Leipzig zu sehen. Die Plakatierung ist für den MDR kostenlos und wird vom Kooperationspartner Ströer Deutsche Städte Medien GmbH getragen. Rüdiger Storim, Geschäftsführer der Ströer Deutsche Städte Medien GmbH, leitet das Projektseminar, das mittlerweile auch Nachfolger an anderen deutschen Hochschulen gefunden hat.
Im Rahmen dieses Seminars versetzen sich die Studenten in die Rolle einer Kreativagentur und müssen ihr Praxisergebnis im Finale dem Kunden offerieren – genau wie im "richtigen Werbeleben". Dem MDR – man sieht's – hat's gefallen. Und Leipzigs Studenten flitzen seitdem natürlich wie die Teufel, um sich in der nächsten Bank- oder Postfiliale die begehrten Anmeldebögen der GEZ zu besorgen.
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