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Seltsame Ergebnisse einer Jugendstudie: Was haben YouTube, MyVideo und Co. mit Fernsehen zu tun?

Redaktion
Website: Medienkonvergenz-Monitoring.
Website: Medienkonvergenz-Monitoring.
Screenshot: LIZ
Das Fernsehen hat schon vor geraumer Zeit Konkurrenz aus dem Internet bekommen: Videoplattformen wie YouTube, MyVideo oder Clipfisch stehen bei Jugendlichen ganz hoch im Kurs. „Doch für die junge Internetgeneration sind die Plattformen nicht einfach ein Fernsehersatz", weiß Prof. Dr. Bernd Schorb.


Er ist Professor für Medienpädagogik und Weiterbildung am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. „YouTube und Co. sind für sie neue Medienräume, die sie sich selbst erschließen und ausgestalten", erklärt er. „Das zeigen die aktuellen Ergebnisse einer Befragung: 98 Prozent aller internetnutzenden Jugendlichen sehen sich Online-Videos an."

Um das herauszufinden, hat das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften der Universität Leipzig mehr als 3.500 Jugendlichen mit einer Untersuchung im Rahmen des Medienkonvergenz Monitoring (MeMo) befragt. Gefördert wurde der Seitensprung ins Internet von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM).

Auf den beliebten Videoplattformen finden die jungen Leute ein riesiges Angebot an Inhalten, auf die sie programmunabhängig zugreifen können. Dabei ist die Nutzung von Videoplattformen sozial eingebettet: Sich mit Freunden über lustige Online-Videos auszutauschen oder Links zu Videos zu versenden, gehört zum Medienalltag der heutigen Jugend. Videoplattformen bieten aber nicht nur die Möglichkeit, auf vorgefertigte Inhalte zuzugreifen, Jugendliche gestalten diese neue Internetwelt auch selbst mit.

Jugendliche mögen an Videoplattformen die große Angebotsvielfalt. Hier finden sie Videos zu all ihren Hobbys, Interessensbereichen und subjektiv relevanten Themen. Besonders populär sind – so bestätigt die Umfrage – Musikvideos und Videos mit lustigen Inhalten. Sich über Videoplattformen die Lieblingsmusik anzuhören oder auch nach neuer Musik zu suchen, ist für die viele Jugendliche alltäglich.

Die Website zur Studie: Medienkonvergenz-Monitoring.
Die Website zur Studie: Medienkonvergenz-Monitoring.
Screenshot: LIZ
Bei lustigen, unterhaltsamen Videos bevorzugen die Heranwachsenden neben Inhalten, die sie auch aus den 'klassischen' Massenmedien kennen, vor allem auch so genannten echten 'user-generated Content' – vom privaten Partyvideo bis hin zum persiflierten Hollywood-Streifen.

Besonders gefällt den Jugendlichen, dass sie über Videoplattformen programmunabhängig auf Inhalte zugreifen können. Darin sehen sie einen deutlichen Vorteil gegenüber den 'klassischen Medien', vor allem dem Fernsehen. Das heißt für sie aber nicht, dass YouTube und Co. das Fernsehen überflüssig machen. Vielmehr schätzen sie die verschiedenen Vorteile jedes Mediums.

Und stellt sich denn auch heraus: Fernsehen gefällt den jungen Leuten weiterhin wegen der geringeren Anforderungen an Eigenaktivität und der besseren (technischen) Qualität.

Online-Videos sind nicht nur Gegenstand der Alltagskommunikation von Jugendlichen, auch die Verbreitung der Videos ist an die sozialen Beziehungen gebunden. 60 Prozent der Befragten haben schon einmal einen Link zu einem Video per Mail an Freunde und Bekannte versendet. Nahezu alle Befragten haben bereits solche Links erhalten.

Mit Hilfe der Links teilen Jugendliche ihre Lieblingsinhalte mit ihren Freunden und schaffen sich ein gemeinsames Medienerleben. Die sozialen Kontakte sind wichtige Verweisgeber, mit deren Hilfe Jugendliche durch das riesige Angebot der Plattformen navigieren.

44 Prozent der befragten Jugendlichen haben schon einmal allein oder mit Freunden ein Video ins Internet gestellt. Hierbei handelt es sich neben lustigen Videos von Unternehmungen mit Freunden vor allem um selbstproduzierte Inhalte, mit denen sich die Jugendlichen mit ihren Hobbys und Interessen aber auch ihren Problemlagen darstellen. Das Hochladen von Videos dient neben der Selbstpräsentation vor allem auch der Kommunikation im Freundeskreis.

Die genannten Portale wird's freuen, nun auch mit Unterstützung der SLM erfahren zu haben, dass auch Leute unter 80 bei ihnen herumtoben. Dass die Landesmedienanstalt immer noch versucht, das klassische Fernsehen im Internet zu suchen, versteht man ja. Aber mit "Konvergenz" hat die Existenz der Video-Portale im Netz im Verhältnis zum Fernsehen eher wenig zu tun.

Es sei denn, die Medienförderer betrachten TV-Stationen schlichtweg als Aussender von Videoschnipseln. Andere Qualitäten des Fernsehens scheinen ihnen nicht einmal bewusst zu sein.

So wurden die Jugendlichen denn auch ganz gezielt nach Video-Plattformen befragt. Und das Ergebnis: eine Hitliste derselben.

Für 87 % der Befragten ist YouTube die wichtigste Videoplattform, heißt es in der Auswertung. Immerhin noch 10 % präferieren die Plattform MyVideo. Clipfish ist für noch nicht einmal 2 % die wichtigste Videoplattform im Netz.

Im Onlinefragebogen standen insgesamt vier Plattformen zur Auswahl – neben den drei genannten auch das Angebot Sevenload. Zusätzlich hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, in der Sonstiges-Kategorie in ein Antwortfeld eine nicht vorgegebene Plattform einzutragen. 0,4 % der Befragten nannten hier von sich aus Veoh als ihre wichtigste Videoplattform.

Einige wenige Jugendliche (0,1 %) nannten auch YouPorn – eine Videoplattform, auf der erotische und pornografische Inhalte rezipiert und eingestellt werden können.

Und was heißt das nun? – Die nächste Untersuchung muss dann wohl Youtube bezahlen. Oder bezahlt es schon heimlich – als "Drittmittelgeber?"

www.medienkonvergenz-monitoring.de


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