Grieg in Leipzig: Leipziger Studenten bringen Zunder in die Plakatlandschaft der Musikstadt
Ralf Julke
11.07.2009

Vor dem neuen Paulinum: Studenten mit den beiden Notenspur-Plakaten.
Foto: Ralf Julke
Hol dir die Tickets! – So forsch hat man Ludwig van Beethoven noch nie in Leipzig gesehen: In der berühmten Pose von Uncle Sam schaute er jüngst von 150 Großplakaten und warb fürs MDR Sinfonieorchester. Einige junge Musiker sollen schon zur Rekrutierung geflitzt sein, hört man.
Anzeige
| Gestalter im Handwerk |
|
Zweijähriger berufsbe-
gleitender Studiengang
|
Dabei ist das Ganze nur wieder einmal eine der herrlich unangepassten Ideen, mit denen die Freiwilligen eines ganz speziellen Seminars aller halben Jahre Leipziger Fassadengucker erfreuen. Es heißt noch immer "Out of home media" und wird auch noch immer von Rüdiger Strorim geleitet, Geschäftsführer der Ströer Deutsche Städte Medien GmbH. Vor fast fünf Jahren hat er sich von Prof. Dr. Günter Bentele, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentlichkeitsarbeit/PR an der Uni Leipzig, bei drei Flaschen Wein breitschlagen lassen, den KMW-Studenten in Leipzig zu zeigen, wie's praktisch geht mit der Außenwerbung. Die Anekdote erzählt er immer wieder gern. Denn mittlerweile läuft das Praxisseminar an Dutzenden deutschen Hochschulen erfolgreich. Und es wird auch in Leipzig fortgesetzt – nächstes Jahr wieder, wenn es gelungen ist, das Seminar auch in den neuen Modulstudiengänge von Bachelor und Master unterzubringen.
Denn ein großes Plus des sechswöchigen Seminars war bislang immer: Es war freiwillig. Selbst Studenten, die den eher klassischen Weg der Journalistik einschlugen, waren jedes Mal hellauf begeistert, mit Storim gemeinsam nicht nur ein echtes Stück Werbe-Praxis kennenzulernen, sondern sich – im Auftrag echter Kunden – an einem zumeist herausfordernden Thema austoben zu dürfen.
Der diesjährige Kurs durfte im Auftrag einmal des MDR tätig werden, der sich eine neue, jugendliche Kampagne fürs MDR-Sinfonieorchester wünschte, und der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM), die gern die Leipziger Notenspur puschen wollte.
Die erste Aufgabe war schon deshalb spannend, weil klassische Musik derzeit unter jungen Leuten (scheinbar) ein Image-Problem hat. Sie gilt nicht als hip, wird auf den einschlägigen, auch den öffentlich-rechtlichen Jugendsendern nicht gespielt und schon gar nicht promotet, und den Rest hat oft ein dröger Musikunterricht in der Schule erledigt.

Werbung fürs MDR-Sinfonieorchester: Hol dir die Tickets!
Aber das MDR-Sinfonieorchester möchte die jungen Leute zwischen 16 und 30 Jahren trotzdem gern als Publikum gewinnen. Bietet dafür ein Extra-Ticket für 16 Euro, oder besser: ein Doppelpaket. Man bekommt zwei Tickets für den jugendlichen Preis, kann entweder zwei Konzerte allein besuchen oder ein Konzert mit Freundin oder Freund.
Die KMW-Studenten fanden die Zielgruppe prima und entwarfen zwei frische Plakatmotive, die dann in der Endvariante zum Beethoven-Plakat verschmolzen. Eine noch viel schärfere Variante setzte der MDR dann doch lieber nicht um. Nicht nur, weil der Spruch "Sei keine Arschgeige. Beethoven wants you" dann doch etwas derb war. Er kommt auch – so ergab eine Befragung der Studenten bei Passanten vor dem geklebten Plakat – schon bei Musikinteressierten ab 20 Jahren nicht so gut an. Dafür bei den unter 20-Jährigen umso besser.
Auch etwas, was man in so einem Praxisseminar lernt: dass 16- bis 20-Jährige tatsächlich anders ticken als 20- bis 30-Jährige. Derweil rennen nicht nur Privatsender und Privatradios mit einer fiktiven Zielgruppe 18- bis 49-Jährige durch die Werbelandschaft. Kein Wunder, dass viele Medienprodukte nur noch Überdruss erzeugen: Man kann nicht alle Zuschauer und Zuhörer mit immer wieder derselben Einheitssoße begießen.
Den MDR freut's in diesem Fall: Man weiß jetzt, dass auch schon zwischen Schülern und Studenten Welten klaffen. Und mit dem etwas entschärften Beethoven kommt man dennoch beiden Zielgruppen entgegen. Nur der Button, den Beethoven am Revers trägt, der scheint auch bei jungen Leuten nicht zu funktionieren: Das "2 4 U" konnten auch junge Leute kaum entschlüsseln als Angebot, zwei Tickets zum Preis für eines zu kaufen. Die Spielerei mit englischen Wort-Marken funktioniert tatsächlich nicht. Und das, obwohl Hunderte Marketing-Agenturen den deutschen Werbemarkt mit solchen Botschaften überschwemmen.

"Grieg über St. Pauli" oder einfach "Notenspur Leipzig": Studentenplakate als Hingucker.
Foto: Ralf Julke
Am Plakat erweist sich die alte Weisheit: Was nicht beim ersten Blick klar ins Auge springt, erreicht die Adressaten nicht.
Mit ganz ähnlichen Problemen hatten auch die Studenten-Teams zu kämpfen, die Motive für die Leipziger Notenspur-Initiative entwarfen. Hier entstanden sogar gleich zwei Motive für deutlich unterschiedliche Zielgruppen. Für die Jüngeren mit leuchtenden Rot- und Blautönen ein knalliger Spruch: "Grieg auf St. Pauli", für die Älteren eine weiße Notenzeile auf schwarzem Grund.
Der "Grieg" knallte zwar und erweckte überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit. Aber beim Entschlüsseln der Botschaft waren die meisten befragten Passanten überfordert. Sie erkannten weder das Konterfei von Edvard Grieg, der einst in Leipzig studierte, noch die 1968 gesprengte Paulinerkirche. Einige glaubten Albert Einstein zu erkennen und brachten ihn mit St. Pauli in Hamburg in Verbindung. Der heftige Streit um den Wiederaufbau der einstigen Universitätskirche St. Pauli, der auch noch als sächsischer "Grieg" mitschwingt, scheint kaum einem der Befragten etwas gesagt zu haben.
Was möglicherweise schon ganz anders gewesen wäre, hätte man das Motiv auf dem Augustusplatz in Nähe des neu entstehenden Paulinums gezeigt. Trotzdem hat der "Grieg auf St. Pauli" nachweislich Neugier erzeugt. "Bei uns haben sich die Klickraten verdoppelt", freut sich Prof. Dr. Werner Schneider, der Initiator der Notenspur, die in den nächsten Jahren Stück für Stück auch im Leipziger Stadtraum sichtbar werden soll. Dafür fehlt's noch ein wenig an Geld. Und die Plakataktion sollte auch die neue Spendenaktion der Notenspur-Initiative bewerben. Per SMS kann man das Projekt jetzt unterstützen – mit 2,83 Euro pro SMS. Eine Größenordnung, die auch die meisten Befragten akzeptabel fanden. So kann auch jeder, der nicht so viel Geld in der Börse hat, zum Unterstützer der Notenspur werden.
Um dafür zu werben, hat die LTM GmbH nicht nur den "Grieg auf St. Pauli", sondern auch das zurückhaltendere Bach-Motiv als Postkartenserie drucken lassen und verteilt. Die Plakate kann man, wenn man Glück hat, da und dort im Straßenraum noch sehen.
www.notenspur-leipzig.de
www.mdr-sinfonieorchester.de
Heute fällt der Startschuss für Genießer! Ab 10 Uhr steht alles im Zeichen von Genuss und stilvoller Lebensart, wenn die LE GOURMET die Tore der Glashalle auf der Neuen Messe öffnet. Rund 140 Firmen und Marken, zahlreiche Spitzenköche und andere Experten in Sachen Genuss bieten drei Tage lang ein pralles Programm mit Kochshows, Kursen und unzähligen Möglichkeiten zum Probieren, Naschen und Genießen.
mehr…
Nach der überaus erfolgreichen Zweitauflage des Barockfestes im vergangenen Jahr bietet sich am 11. September für die internationale Fangemeinde des Rokoko erneut eine einzigartige Gelegenheit, die farbenprächtigen Säle des Rudolstädter Schlosses Heidecksburg während dieser authentischen barocken Festlichkeit bei Nacht zu erleben.
mehr…
Das Forschungs- und Transferzentrum an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) startet ab Wintersemester 2010/2011 in Zusammenarbeit mit der Otto Benecke Stiftung e.V. (OBS) ein weiteres Mal die Studienergänzung Mechatronik für arbeitslose Akademiker.
mehr…
In der vergangenen Woche wurde in der Klinik für Urologie des Klinikums St. Georg erstmals eine neue minimalinvasive Technik eingesetzt, die über den Nabel den Zugang zur Niere ermöglicht. Kombiniert mit modernster HD-Videotechnik und mikrochirurgischen Instrumenten ist es nunmehr möglich, z.B. bestimmte Nierentumore über den Nabel zu entfernen.
mehr…
Trotz sinkender Schulabgängerzahlen bleibt der Ausbildungsmarkt im Kammerbezirk Leipzig (Stadt Leipzig, Landkreis Nordsachsen, Landkreis Leipzig) in diesem Jahr relativ stabil. Bis zum 31. August wurden bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig 2.692 neu abgeschlossene Ausbildungsverhältnisse registriert.
mehr…
Am Sonntag, 5. September, laden gleich zwei Veranstaltungen in das Schillerhaus ein. Bei einem Rundgang um 11 Uhr erfahren Besucher, wie Friedrich Schiller im Sommer 1785 beim Bauern Schneider logierte. Das heute älteste Bauernhaus Leipzigs beherbergt eine Sammlung, die an Friedrich Schiller und seine Zeit in Leipzig erinnert.
mehr…
"Kein Schwein ruft mich an ..." - Was Max Raabe in seinem Hit aus dem Jahr 1992 noch bedauert, können unzählige Sachsen heute nicht mehr nachvollziehen. Wenn mehrmals täglich das Telefon klingelt und redegewandte Verkäufer Dienstleistungen und Produkte aller Art schmackhaft machen wollen, möchte der eine oder andere am liebsten den Stecker ziehen.
mehr…
Die Zeichen stehen gut für die Leipzig Lions. Die American Footballer aus dem Herzen Grünaus hegen als momentan Regionalliga-Zweiter einige Hoffnungen auf den Sprung in die 2. Bundesliga. Der Verein beantragte deshalb in dieser Woche die Lizenz für die German Football League 2.
mehr…
Sampler sind für Bands und Fans da. Die Tradition geht weit zurück in die Independent-Kultur der Achtziger Jahre, wo Zusammenstellungen von unterschiedlichen Bands auf eine Vinylscheibe gepresst wurden. Später wurde diese Art der Kultur kommerziell ausgeschlachtet und hat im heutigen Zeitalter von Internet fast seinen Sinn verloren. Wirklich?
mehr…
Seit über dreißig Jahren ist die englische Synthie-Pop-Band Depeche Mode eine Institution für Experimente und Hits. Auch in Leipzig haben Martin Gore, Dave Gahan und Andy Fletcher zahlreichen Anhänger. Mit einer Party zu Ehren ihrer Helden veranstalten und präsentieren die Moritzbastei zusammen mit Darkroom und dem Szene-Klamottenladen X-Tra-X die Depeche Mode & Electro Night im September.
mehr…