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Schicht im Schacht für DAB: Martin Deitenbeck und das Zwischentief beim Digitalradio

Bernd Reiher
Martin Deitenbeck.
Martin Deitenbeck.
Sie könnte so schön sein, die Sache mit dem Digitalradio im mitteldeutschen Ätherraum. Glasklare Klangqualität, bundesweite Radioprogramme neben Deutschlandfunk und Deutschlandradio. Endlich kein Frequenzmangel mehr, der so ursächlich auch für das Einerlei im sächsischen UKW-Band ist.

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Teures und stromfressendes Streaming würde nur noch selten gebraucht. Den ganzen Tag Vielfalt im Radio. Oder die ganze Nacht. Ohne Rechner. Einfach nur auf Knopfdruck.

Wie diese Welt aussehen könnte sieht man heute schon in Großbritannien. Hier gilt DAB als Erfolg. 3,5 Millionen Empfänger sollen schon verkauft sein. Als Gründe wird ein guter Empfang in Verbindung mit einer großen Programmvielfalt und einer starken Promotion genannt.

In Deutschland ist das anders. Hier ist DAB umstritten. Die Privatradios wollen nicht, auch weil für sie ein Markt mit vielen Wettbewerbern nicht nur Vorteile bringt. Andererseits würden die öffentlich-rechtlichen Gebührenfunker zwar gerne. Können aber nicht, weil die Privaten mit vereinten Kräften auf der Bremse stehen. Sie haben erst im Sommer einen Rückzieher gemacht. Haben ihren VPRT entscheiden lassen, dass mit ihnen DAB+ nicht zu machen ist.

In England längst etabliert: Digitalradio.
In England längst etabliert: Digitalradio.
Foto: Ralf Julke
Was folgte, war der neuerliche negative Entscheid der KEF über die Mittelfreigabe für Digitalradio. Gnadenfrist für UKW. Neue Ungewissheit, womit wir in die radiodigitale Zukunft reisen. Denn dass sie kommen wird steht fest. 2015, so hat die EU es gewollt.

Während bei DAB momentan niemand weiß, wohin die Reise geht, wird in Leipzig bis zum Jahresende noch an Testberichten für den Nachfolger DAB+ geschrieben. Beteiligt daran ist auch die Sächsische Landesmedienanstalt SLM. Deren Geschäftsführer und Pressesprecher ist Martin Deitenbeck. Wir haben uns mit ihm in Verbindung gesetzt, um zu erfahren, wie er die Zukunft des Digitalradios sieht. Was herauskam waren interessante Erkenntnisse, darüber, warum dieses Digitalbaby eine so schwere Geburt ist.

L-IZ: Herr Deitenbeck, vor einigen Wochen hat die KEF die Mittel für DAB auf weiteres Eis gelegt. Die Öffentlich-rechtlichen Funkhäuser und die Landesmedienanstalten scheinen trotzdem an diesem Standard festhalten zu wollen. Wie sieht es bei der SLM aus? Was sagt die SLM zu dieser Geschichte?

Deitenbeck: Die Entscheidung der KEF, die Gebührenmittel für DAB+ nicht freizugeben, ist aus meiner Sicht ein großer Fehler. Der Umstand, dass DAB der einzig sinnvolle existierende Standard für die Digitalisierung des mobilen Hörfunks ist, ist nicht zu leugnen. Der Grundfehler der KEF lag darin, von der ARD eine Vereinbarung mit den privaten Hörfunkveranstaltern zu verlangen. Diese haben aber zum ersten ganz andere Interessen (wie der VPRT deutlich gemacht hat), zum anderen sind die privaten Veranstalter aber auch keine Bedarfsträger im Sinne des Rundfunkrechts. Diese Funktion kommt vielmehr den Landesmedienanstalten zu (die allerdings, soviel sei zugegeben, in Sachen DAB+ auch kein einheitliches Bild abgegeben haben). Die Bedarfsanmeldung in Sachsen jedenfalls läuft, die Staatskanzlei hat diese der Bundesnetzagentur zugeleitet. Sobald diese die Frequenzen zugewiesen hat, werden sie ausgeschrieben. Erst dann wird man erkennen können, ob der Hörfunk tatsächlich keinen Bedarf für das Band III hat. Die ARD sowie der Deutschlandfunk jedenfalls haben (wie auch die Gerätehersteller, die Automobilindustrie u.v.a.) bereits deutlich gemacht, dass sie an DAB+ festhalten. Wenn der private Hörfunk sich nicht beteiligen will, sollte der öffentlich-rechtliche Rundfunk notfalls auch allein vorangehen, gern auch mit neuen, attraktiven Programmen.

Sprecher der Landesmedienanstalt: Martin Deitenbeck.
Sprecher der Landesmedienanstalt: Martin Deitenbeck.
Foto: Bernd Reiher
L-IZ: Die Privatradioveranstalter haben sich gegen das Digitalradio ausgesprochen. Sie setzten zukünftig vor allem aufs Internet. Vor allem, weil es mobil geworden ist. Hier gibt es keinen Frequenzmangel. Hier gibt es keine Ländergrenzen. Was sagt die SLM: Warum brauchen wir trotzdem noch ein terrestrisch verbreitetes Digitalradio?

Deitenbeck: Dass der private Hörfunk auf eine digitale Zukunft im Internet setzt, verwundert mich. Ich selbst höre zu Hause auch Internetradio (allerdings keine deutschsprachigen Privatradios). Was die mobile Nutzung angeht, sehe ich jedoch bislang keine flächendeckenden Nutzungsmöglichkeiten. Sofern es diese doch geben wird, gehe ich bislang davon aus, dass sie jedenfalls nicht auf Flatrate-Basis stattfinden werden. In wieweit der Hörer dann geneigt sein wird, für den Hörfunkempfang volumenabhängig Gebühren zu zahlen, wird sich zeigen. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass Hörfunk weiterhin eine terrestrische, für den Nutzer kostenfreie Verbreitungsmöglichkeit braucht.

L-IZ: Eine mögliche Alternative zu diesen ganzen Streitereien um DAB wäre die digitale Mittelwelle DRM. Die funktioniert schon seit Jahren. Ein kostspieliges Sendernetz wie bei DAB müsste gar nicht erst aufgebaut werden. Die Qualität ist UKW-nah. Die Sender könnten europaweit funken. Warum wird diese Alternative eigentlich nicht genutzt?

Deitenbeck: DRM ist in der Tat zumindest für landesweite Sender eine Ergänzung (keine Alternative, da es nicht genügend Frequenzen gibt). Für Lokalhörfunk eignet sich DRM aber nicht, ebenfalls nicht für regionalisierbaren Hörfunk, da die Verbreitungsgebiete sehr viel größer sind als bei UKW. Die SLM bemüht sich, zum Jahreswechsel wenigstens die (bislang analog betriebene) Mittelwelle zu digitalisieren. Hier gibt es derzeit allerdings erheblichen Widerstand sowohl der zugelassenen Veranstalter als auch des Sendernetzbetreibers. Sofern wir es allerdings nicht schaffen, wenigstens diesen Nischenmarkt zu digitalisieren, brauchen wir uns des Mammutprojektes DAB+ gar nicht erst nähern.


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