Medienstadt mit Äther-Krise: Radio Blau und die Sache mit der Abschaltung
Bernd Reiher
06.10.2009

Licht an oder Licht aus?
Bild: Bernd Reiher
Der sächsischen Radiolandschaft drohen zum Jahreswechsel deutliche Einschnitte. Würden sich derzeitige Gerüchte bewahrheiten, könnte dann das seit 2004 sendende Jazz- und Klassikradio Apollo abgeschaltet werden. Das würde auch das Ende aller sächsischen freien Radios nach bisherigem Strickmuster bedeuten. Sie alle haben zur Zeit noch denselben Mantelanbieter: Apollo Radio.
Anzeige / Verlosung der L-IZ.de:
Der Sender aus Chemnitz ist für Radio blau in Leipzig, Radio t in Chemnitz und Coloradio in Dresden nicht nur der Kooperationspartner auf den gemeinsamen Frequenzen. Apollo Radio hat bisher auch deren Sende- und Leitungskosten mit übernommen. Jene Kosten, die für den Transport des Radio-Signales vom Funkhaus bis zum Sendemast anfallen. Geld, das die freien Radios in Sachsen selber nicht haben. Deswegen diese Vereinbarung zwischen Privatradios und SLM. Eine Vereinbarung, die seit 2004 bestand. Der Vertrag allerdings läuft zum Jahresende aus.

Micro an oder aus im freien Radio?
Bild: Bernd Reiher
Ein Grund für die jetzigen Abschaltungsüberlegungen: der Apollo-Betreiberin Regiocast sollen die Sende- und Leitungskosten zu hoch geworden sein. Momentan würde deshalb mit dem Netzbetreiber Media Broadcast verhandelt. Entsprechende Gespräche wurden dort am Montag bestätigt. Wenn es dabei aber nicht zu einem Ergebnis kommt, steht tatsächlich im Raum, dass Apollo abgeschaltet werden könnte. Glaubt man dem PSR-Sprecher Nico Nickel, sei das zwar nur der „worst case“. Das stehe „noch lange nicht fest“, wie er dem Dresdner Blog „Neustadtgeflüster“ sagte. Immerhin aber ist es im Gespräch.
Mittendrin zwischen allen Stühlen: die sächsische Landesmedienanstalt SLM. Deren Sprecher Martin Deitenbeck sieht laut „Neustadtgeflüster“ für seine Institution aber keinen Handlungsspielraum. Schließlich ginge es um den Streit zwischen zwei Privatunternehmen. Auch er bestätigt, dass derzeit wegen einer Kostensenkung verhandelt werde. Scheiterten diese Gespräche, könnte Apollo aber auch laut Deitenbeck tatsächlich seine Frequenzen zurückgeben.
Falls es zum von Nickel angesprochenen „worst case“ kommt, hoffen die freien Radios in Sachsen trotzdem auf Unterstützung von der SLM. Dafür soll vorsorglich schon einmal ein Fördermittelantrag eingereicht worden sein. Viel Hoffnung gibt es auf eine solche Unterstützung aber nicht. Anders als in anderen Bundesländern ist in Sachsen eine solche Förderung nicht gesetzlich verankert. Besser sieht es da für die privaten Fernsehveranstalter im Freistaat aus. Dass deren Projekte mehr unterstützt werden sollen, wurde jüngst sogar im Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP vereinbart.

Alles schön geregelt?
Bild: Bernd Reiher
88 Tage waren es am Montag noch bis zum möglichen Aus. Angesichts dieses Datums haben die Leipziger Freifunker in der Paul-Gruner-Straße ihre Frisuren zumindest schon einmal auf Sturm geföhnt. Sie planen derzeit Aktionen und Maßnahmen, um die Abschaltung ihres Senders zu verhindern. Was das bringt, bleibt abzuwarten. Es könnte die Chance sein, jetzt zu einer dauerhaften Lösung für die freien Radios zu kommen. Möglich aber auch, dass aus den Gerüchten Realität wird und ab 1. Januar auf 99.2 MHz tatsächlich nur noch weißes Rauschen zu hören ist.
Das zu verhindern, dafür muss jetzt viel geredet werden. Zwei Zahlen sind es, die dabei eine deutliche Sprache sprechen: Benötigte 40.000 Euro jährliche Sende- und Leitungskosten bei den freien Radios. 6 Millionen Jahresetat bei der für sie zuständigen Sächsischen Landesmedienanstalt SLM.
Eine Ausstattung, zu der der Sächsische Landesrechnungshof erst im Jahr 2008 sagte: „Die der SLM nach dem Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag zufließenden Rundfunkgebührenanteile führen zu einer mehr als auskömmlichen Finanzierung der Landesanstalt.“ Genügend Spielraum also, um doch noch Spielräume zu finden. „Die SLM lizenziert private Radio- und Fernsehveranstalter in Sachsen und beaufsichtigt die Programme, fördert den nichtkommerziellen Rundfunk“, heißt es schließlich auch im Selbstbild der SLM zum Zweck der Institution im noblen Haus der ehemaligen Musikbibliothek in der Leipziger Ferdinand-Lassalle-Straße.
Mehr SLM-Rüge vom Rechnungshof:
http://www.rechnungshof.sachsen.de/jb2008/JB2008.pdf
Mehr freies Radio in Leipzig:
www.radioblau.de
Immer deutlicher zeichnet sich ab, was da im Zusammenhang mit den irrsinnigen CDO-Geschäften bei den Leipziger Wasserwerken abgelaufen ist. Während die involvierten Banken der Stadt die letztlich unverschämpte Erst-Forderung von 84 Millionen Euro präsentierten, gab's die nächsten beiden Verhaftungen.
mehr…
Von Norbert Benecke: Die Naivität der Verantwortlichen, die den Aussagen - welcher "Fachleute" auch immer-, dass die Fassade des Brühl Kaufhauses nicht erhaltenswert wäre, so bedenkenlos geglaubt haben, lässt schon erstaunen.
mehr…
Ein Kultclub feiert im Mai sein hundertjähriges Bestehen. Kein anderer Verein in Deutschland genießt bei vergleichbarem sportlichen Misserfolg einen ähnlich legendären Status wie der FC St. Pauli. Passend zum runden Jubiläum haben sich die drei Autoren Mike Glindmeier, Folke Havekost und Sven Klein ihrer großen Liebe angenommen.
mehr…
Meyer ist wieder da. Und er hat uns etwas mitgebracht: "Gewalten"! So heißt sein inzwischen drittes Werk, das er auf der Leipziger Buchmesse vorstellte. Der Titel ist Programm. In elf Geschichten mixt er Fiktion und Wirklichkeit zu einem Cocktail, der knallt - und zwar gewaltig.
mehr…
Der Fantasy-Autor Oliver Plaschka ist erschöpft, als er gegen 22 Uhr in der verwühlten Moritzbastei ankommt. In der stummen Gesellschaft von leeren Bier- und Limoflaschen schaut sich der 35jährige Speyerer genau um und hört, dass sich sein Auftritt nach hinten verschiebt. Er wird der letzte sein in der „Langen Lesenacht“.
mehr…
"Leipzig hat in den letzten Tagen eine überraschende Wiedergeburt erlebt, die leider nur von kurzer Dauer ist", stellt Roland Quester, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis90/Die Grünen, fest.
mehr…
"Popgeschichte geht uns alle an!", behaupten die Autoren Gerd Gebhardt und Jürgen Stark. Auf der Focus-Bühne stellten sie am Donnerstag ihr Buch "Wem gehört die Popgeschichte?" vor. Als Diskussionspartner hatten sie sich die Band Silbermond mit aufs Podium geholt.
mehr…
"Überbordend poetisch wird hier ein Zeitpanorama entfaltet, das die Unterwelt der großen, bösen Erzählungen der alten Männer mit den leuchtenden Farben des Sechziger-Jahre-Sommers verbindet", so lobt die Jury das Buch, dessen Autor sie am Donnerstag, 18. März, mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2010 bedachte.
mehr…