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Von Freien über freie: Die sächsischen Lokalradios und die FDP

Bernd Reiher
Michael Kutschke.
Michael Kutschke.
Nimmt man sich den Sendeplan von Radio blau vor, findet man viele Sendungen, die außerhalb Sachsens zur Normalität gehören, im Äther des Freistaats aber einzigartig sind. Ein Kino- und ein Medienmagazin gehören genauso dazu, wie ein Senioren- oder Fußballradio.

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Auch ein Kneipen- oder Fahrradradio findet man selbst im messestädtischen Äther nur, wenn man sich auf die Frequenzen von Radio blau begibt. Dass auch diese Inseln des glückseligen Radios ab Januar Geschichte sein könnten, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Dummerweise werden es immer weniger Tage bis Silvester, ohne dass irgendwo weißer Rauch aufsteigt.

„Freie Radios sind eine Bereicherung für die Gesellschaft. Kommerzielle Radiosender dagegen nicht“, heißt es in einem Kommentar zu einem offenen Brief, den Sachsens freie Funker jüngst auf den Netzseiten des Dresdner Senders Coloradio veröffentlichten. „Wer in Zukunft keine kreativen Leute mehr haben will, die neue Sachen ausprobieren, Projekte wagen, Menschen und Ideen zusammenbringen, Kultur schaffen, der sollte freies Radio abschaffen“, steht an einer anderen geschrieben.

Viele der unter dieser Petition zu findenden Kommentare zielen in Richtung der sächsischen Politik. Einer der hier seit einigen Wochen zum Lager der Bestimmenden zählt, ist Michael Kutschke. Er ist Pressesprecher der FDP-Fraktion im sächsischen Landtag.

Pressesprecher der FDP-Fraktion: Michael Kutschke.
Pressesprecher der FDP-Fraktion: Michael Kutschke.
Foto: FDP Fraktion Sachsen
Zur aktuellen Situation aus FDP-Sicht sagte Kutschke Mitte November der L-IZ: „Wir betrachten die freie Radioszene in Sachsen grundsätzlich als Teil der gewachsenen Hörfunkstruktur in Sachsen. Bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Angebote in Leipzig, Chemnitz und Dresden – die ja schließlich auch in der Natur der Sache liegt – sind die freien Radios eine Möglichkeit für alle Interessierten, unmittelbar Medienarbeit zu erleben und zu gestalten. Zudem – Medien leben nun mal von Öffentlichkeit.“ Insofern hält er die aktuelle Konstruktion - Frequenzsplitting mit „apollo radio“ - für die freien Radios optimal, sichere „sie den Anbietern 'Coloradio', 'Radio Blau' und 'Radio T' den Sendebetrieb via UKW bei gleichzeitiger Übernahme der Leitungskosten durch 'apollo radio'.“.

Kutschke ist Sprecher der FDP – ein schlechter Liberaler wäre er, hätte er nicht auch die Nöte der dafür zahlenden Unternehmen im Blick. Er schrieb dazu der L-IZ: „Bei apollo handelt es sich allerdings um ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen, welches nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt werden muss. Wir müssen wohl nun zur Kenntnis nehmen, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch für den Privatrundfunk in den zurückliegenden Wochen und Monaten zumindest schwieriger geworden sind. Insofern ist das Bestreben von apollo, Kosten einzusparen, zu respektieren.“

Kutschke abschließend zur aktuellen Situation: „Ungeachtet dessen setzen wir darauf, dass die Betroffenen eine akzeptable Lösung im Interesse der sächsischen freien Radios, aber auch im Interesse der apollo radio GmbH & Co. KG finden werden. Nach unseren Informationen wurden entsprechende Gespräche vereinbart bzw. werden bereits geführt.“ Welche das sein sollen, blieb allerdings offen. Bisher gibt es mit Apollo nur den späten Gesprächstermin am 24. November. Dummerweise genau einen Tag nachdem sich die SLM auf ihrer nächsten Sitzung mit dem Thema beschäftigen könnte. Frühere waren nicht möglich. Oder wurden abgesagt.


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