Musikcenter für Leipzig (1): Folgt bald eine Entscheidung von der Stadtverwaltung?
Daniel Thalheim
27.03.2010
agra-Messepark als Ort für ein Musikcenter in Leipzig?
Foto: Patrick Limbach
Im Januar und Februar diesen Jahres erfolgte der Auszug vieler Leipziger Musikgruppen aus der Pianoforte-Fabrik. Gründe für die Bands waren zu hohe Mieten und unklare Zukunftsaussichten, ob die privaten Betreiber wirklich an einem entwickelbaren Musikcenter interessiert seien.
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Vieles spricht gegen ein Musikcenter in dem denkmalgeschützten Bau von Emil Franz Hänsel. Dafür gibt es wohl Chancen auf dem Leipziger agra-Gelände.
Am 24. März führte Kulturbürgermeister Michael Faber nach Anfrage von Stadträtin Juliane Nagel von der Fraktion Die Linke lange aus, was sich die Stadt Leipzig und insbesondere das Kulturdezernat unter einem Musikcenter vorstellt. Dabei standen Fragen im Raum, die das Dezernat bereits schriftlich beantwortet hat. „Wie unterstützt die Stadt Leipzig die lokale Nachwuchsband/-musikerInnen-Szene?
Welche AnsprechpartnerInnen haben Nachwuchsbands in der Stadtverwaltung? Welche Freizeit- oder soziokulturellen Zentren bieten explizit Angebote für junge MusikerInnen an? Welche städtischen Liegenschaften könnten aus Sicht der Stadtverwaltung als kostengünstige Proberäume zur Verfügung gestellt werden?“
Dabei fiel das Wort „Pianoforte-Fabrik“ nicht. Es gibt auch von dieser Stelle aus weder professionell anmutende Zeichen, wie eine Homepage noch genaue Vorstellungen des jetzigen Besitzers der Pianoforte-Fabrik.
Dagegen hat Michael Faber bei der Stadtratssitzung vom 24. März bestehende Netzwerke wie die Bandcommunity erwähnt und Orte – wie das Conne Island, Halle 5 und die Villa – genannt, die bereits heute Proberäume zur Verfügung stellen. So fördern die soziokulturellen Zentren in Leipzig Musiknachwuchs.
Eine konkrete Antwort kam jedoch auch auf die Frage nach den städtischen Liegenschaften. Hier wurden vom Kulturbürgermeister das agra-Gelände und leer stehende Schulgebäude genannt. Auf dem agra-Gelände wird geprüft, ob eine spezielle Halle für Proberäume zur Verfügung gestellt werden kann.
Ist die Halle 2 ein geeigneter Ort für ein Musikcenter?
Foto: Patrick Limbach
Antje Brodhun, persönliche Referentin des Bürgermeisters und Beigeordnete für Kultur beantwortete am 25. März die Fragen der Linksfraktion mit den Worten: „Seit vielen Jahren ist der Stadt Leipzig das Problem nicht ausreichend vorhandener Proberäume für Leipziger Bands bekannt, …“
Weiter heißt es bei ihr: „Eine Recherche mit dem Liegenschaftsamt hat ergeben, dass erst kürzlich im agra-Messepark auf der Rückseite der Halle 2 ehemalige Büroräume für Ateliers und auch Proberäume zu günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt werden konnten. In Anlehnung des ORWOhauses in Berlin, das allein in einem Gebäude ca. 100 Proberäume bereitstellt, was europaweit seinesgleichen sucht, könnte – sicher in einer etwas kleineren Größenordnung – auch das DAHG-Gebäude (ehemaliges Auktionshaus der Pelze) in der Nähe des Torhauses Dölitz in Erwägung gezogen werden.
Als neue Heimat für freischaffende Künstler mit entsprechenden Räumlichkeiten und damit auch Proberäume für Bands in Leipzig, soweit keine anderweitige Nutzung für dieses Gebäude vorgesehen wird. In der Folge lautet die Antwort: "Weiterhin wurden in diese ersten Überlegungen auch leerstehende Schulen z.B. in der Höltystraße im Stadtteil Meusdorf und in der Cleudener Straße im Stadtteil Thekla einbezogen, in denen eventuell mit Unterstützung der Stadt Leipzig kostengünstig Proberäume eingerichtet werden könnten."
Die alte Pianofabrik: Leider derzeit ein immer teurerer Platz für probende Bands
Foto: Friederike Böhme
Für die Linke-Stadträtin Juliane Nagel sind die Ausführungen Fabers und seiner persönlichen Referentin ein Zeichen dafür, dass die Stadt Leipzig Interesse an einer lebendigen Popkultur hat. „Das agra-Gelände scheint mir sehr geeignet für ein größeres Projekt. Die Stadt kauft derzeit die Geländeteile der DAHG. Die Erstellung eines Nutzungskonzeptes steht im Raum. Passt also super.“
Sie stellt jedoch noch einmal heraus: „Die derzeitige Proberaumsituation ist für Bands mehr als unbefriedigend. Es ist erfreulich, dass die Stadt hier scheinbar ernsthaft Initiative ergreift. Ein selbstverwaltetes Proberaumzentrum auf weitestgehend nicht-kommerzieller Basis – das ist eine wirklich positive Vision für Leipzig.“
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