Formatradio mit ARD-Anschluss: 10 Jahre MDR Jump – der Glückwünsche 1. Teil
Bernd Reiher
04.04.2010
MDR Jump Morningshow.
Zehn Jahre ist sie geworden, MDR Jump – die Musikwelle des Mitteldeutschen Rundfunks. Gestartet wurde sie am 1. Januar 2000 als Nachfolger des erfolglosen MDR Life. Das Verbreitungsgebiet ist riesig. In der Länge reicht es von Bayern bis zur Ostseeküste.
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In der Breite von Polen bis nach Niedersachsen und Hessen. Rund neun Millionen Menschen leben im Hauptsendegebiet. Reichlich eine Million Hörer werden an der Tageskasse gezählt.
„Der neue Sound im Radio“, er ist kein Spartenprogramm. „Mainstreamorientiert“ ist er, wie es altneudeutsch so schön heißt. Charts-Musik regiert die Welt von MDR Jump. Die Moderationen werden als „unterhaltend“ eingestuft. Kaum eine geht ohne Eigenwerbung „on air“. Journalistische Beiträge sind Mangelware. Der Wortanteil liegt bei 13 Prozent. Formatradio mit Quotenorientierung, so heißt das Geschäftsmodell von MDR Jump.
Die größten Erfolge gab es in den Anfangsjahren. Von Dauer waren sie nicht. Wikipedia: „Nach anfänglich stark steigenden Quoten leidet die Welle inzwischen seit mehreren Jahren unter massivem Hörerschwund. Hörten 2003 noch 532.000 Menschen pro Durchschnittstunde die MDR-Welle, sind es 2009 nur noch halb so viele, nämlich 263.000.“
Michael Schiewack.
Foto: MDR / Dabdoub
Michael Schiewack, so heißt der Programm-Chef von MDR Jump. Er stammt aus gutem Hause, war der letzte DT64-Chef. Lange Zeit war unklar, warum von diesen Wurzeln bei Jump so wenig zu hören ist. Aufklärung brachte Ende 2009 ein Beitrag des Deutschlandfunks. Schiewack am 19. Dezember zu seiner Rolle beim Jugendradio: „Ich bin dort 1990 hingekommen. Mir hat man klipp und klar gesagt: wir machen in drei Monaten zu oder in sechs Monaten zu. Der letzte Termin ist der 31.12.1992. Das heißt: mein Auftrag war nichts weiter, als abzuwickeln.“
Ende der 90er Jahre war es, dass Schiewacks berufliche Laufbahn ihren Höhepunkt hatte. Als die damalige Hörfunkdirektorin Barbara Molsen ihn als neuen Programmchef der MDR-Jugendwellen präsentierte. Verantwortlich war er zunächst auch für MDR Sputnik. Sein erfolgreichstes Radioprojekt aber blieb MDR Jump. Zehn Jahre ist diese Welle jetzt „in der Luft“. Von Jubiläumsfeierlichkeiten aber bis jetzt keine Spur.
Grund genug für die L-IZ, dem Geburtstag der Popwelle ein paar Zeilen zu widmen. Anfangs ging es darum, ein paar Meinungen zum Jubiläum zu sammeln. Am Ende standen aber auch einige Episoden aus der weniger schillernden Sender-Geschichte auf dem Blatt. Angefragt für das Hauptanliegen waren Medienmacher und -politiker.
Die MDR Jump Morningshow.
Foto: MDR / Marco Prosch
Frage jeweils: Was sagen Sie zu einer Dekade MDR Jump und was wünschen Sie dem Programm für die Zukunft?
Erster Gratulant war Heiko Hilker. Er war lange, lange als Medienpolitiker für Die Linke im sächsischen Landtag unterwegs. Er schrieb der L-IZ: „Es gibt viele, die sich von Jump genervt fühlen. Doch anscheinend trifft Jump weiterhin noch den Nerv vieler in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Immerhin schalten über 936.000 Hörerinnen und Hörer das Programm täglich ein. Ich würde mir wünschen, dass die Macher von Jump nicht nur ab und zu per Jingle darauf aufmerksam machen, dass es sich um 'eine Produktion des Mitteldeutschen Rundfunks' handelt. Warum verweist man nicht auf gut gemachte Dokumentationen, Filme und Magazine im Fernsehen oder Features im Radio, die es auch beim MDR zweifellos gibt? So könnte man bei JUMP öfter Häppchen anbieten, die Appetit auf anderes im MDR machen.“
Zweiter war Karl-Heinz Gerstenberg, Medienmann von Bündnis90/Die Grünen im Sachsenparlament. Gerstenberg schrieb: „Zu Geburtstagen gibt es stets freundliche Worte und gute Wünsche. Also: MDR Jump hat vor zehn Jahren als populäre Musikwelle erfolgreich einen Platz besetzt, den die Privaten für sich reserviert glaubten. Gratulation dazu, auch wenn der Platz inzwischen schmaler geworden und der Hörerschwund unübersehbar ist. Nach den Kinderjahren kommt nun die jugendliche Reife. Dafür wünsche ich dem Programm mehr Freiheit, die eingefahrenen musikalischen Formate zu sprengen und mehr Mut, auf Hörerinnen und Hörer mit Kopf zu setzen.“
Ebenfalls im Gratulantenchor: Falk Neubert, der Nachfolger von Heiko Hilker als medienpolitischer Sprecher von Die Linke. Neubert: „Jump setzt auf Chartmusik mit wenigen Wortbeiträgen und war bisher damit durchaus erfolgreich. Jump bietet ein ähnliches Programm wie viele kommerzielle Sender, allerdings ohne die lästigen Werbeunterbrechungen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es in Sachsen einen über UKW empfangbaren Jugendsender gibt, der auch Info-Formate und Formate jenseits des Mainstreams ausstrahlt. MDR Sputnik ist ein gutes Beispiel, mit Sendungen und Nachrichten auch auf Englisch oder Programmformaten wie Makossa und 360 Grad.“
MDR-Zentrale in Leipzig.
Foto: Bernd Reiher
Ähnlich und doch anders sieht es Dirk Panter. Der sächsische SPD-Generalsekretär und medienpolitische Fraktionssprecher schrieb: „Jump hat sich als regional wichtiger Radiosender etabliert. Mit populärer Chartmusik ist er für viele ein Begleiter durch den Tag geworden, vor allem für junge Menschen. Den Ansatz, durch zielgruppenorientierte Nachrichten, Jugendliche über aktuelles Geschehen zu informieren, die sonst vielleicht keine Nachrichten hören würden, finde ich sehr gut. Mein Wunsch ist, dass in Zukunft auch komplexere Zusammenhänge bei MDR Jump dargestellt werden. Speziell weil es sich bei MDR Jump um einen öffentlich-rechtlichen Sender handelt, muss ein hoher Anspruch dort konsequent fortgeführt werden.“
Ausgewogen auch die Meinung von Sebastian Gemkow. Der medienpolitische Sprecher der Sachsen-CDU schrieb der L-IZ: „Ich gratuliere den Verantwortlichen zu ihrer Arbeit der letzten zehn Jahre. Zu den bemerkenswerten Ereignissen der Sendergeschichte gehörte beispielsweise die Wirkung seiner Web 2.0-Plattform, die im Jahr 2008 aufgebaut wurde. Nach sechs Monaten hatten sich bereits über 10.000 Hörer angemeldet, die mittlerweile einigen Einfluss auf das Programm nehmen. Immerhin gibt es zwischen Sonntag und Freitag eine tägliche vierstündige Sendung, die sich hauptsächlich mit den Themen dieser Internetgemeinschaft beschäftigt. Für die Zukunft wünsche ich den Machern des Programms vor allem viel Freude bei ihrer Arbeit und eine stetig wachsende Hörergemeinde. Und weil MDR Jump erfreulicherweise über das notwendige Potential verfügt, wünsche ich dem Programm noch ein wenig mehr gesellschaftlich relevanten Inhalt, ein Markenzeichen, das dem Öffentlich Rechtlichen Rundfunk sehr gut steht.“
Genug der Glückwünsche? – Ganz und gar nicht. Morgen gibt's noch mehr an dieser Stelle.
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