Formatradio mit ARD-Anschluss: 10 Jahre MDR Jump – der Glückwünsche 2. Teil
Bernd Reiher
05.04.2010
MDR Jump Morningshow.
Nicht nur Sachsens Politiker würdigen das Zehnjährige des MDR-Jugendradios Jump. Auch andere, die sich mit dem Ätherrauschen beschäftigen, hat die L-IZ befragt. Zum Beispiel Martin Deitenbeck, Geschäftsführer der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM).
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Er sieht's kritischer: „Was soll ich zu MDR Jump sagen? Als Vertreter der Sächsischen Landesmedienanstalt muss ich natürlich darauf hinweisen, dass das Programm von Jump nicht zwingend öffentlich-rechtliche Aufgabe ist. Das können die Privaten auch (und, wie die Quoten zeigen, auch besser). Andererseits muss man sehen, wo Jump herkommt. Als Neugründung nach einem verheerenden Quotenverlauf des Vorgängers MDR Life hatte Jump aus dem Stand dreimal so viele Hörer wie der glücklose Vorgänger. Nach dem Quotenhoch 2003 ging es allerdings kontinuierlich wieder nach unten. Gute Wünsche für die Zukunft wird das Programm sicher von anderer Stelle ausreichend erhalten.“
Schließlich meldete sich auch der Sender selbst zu Wort. Pressemann Jens Borghardt schrieb auf die Frage 'Zehn Jahre Jump – was fällt mir dazu ein?': „Als Livemusik-Fan natürlich unzählige geniale Konzerte von 'Linkin Park' bis 'Rammstein'. Am 16. Juni werden '30 Seconds To Mars' ihr einziges Konzert im Osten spielen – auch weil Jump sich seit langem für dieses Event eingesetzt hat. Bemerkenswertes gesellschaftliches Engagement: von 'Vision Eine Million fürs Kinderhospiz' bis hin zur 'Jump Europa Tour'. Mir fallen eigenproduzierte Großevents ein: 'Jump City', 'Jump Rock Arena' oder 'Jump rockt in die Ferien'. Und Programmhighlights wie die 'Tiere als Täter'-Hörspiele oder die Geschichten aus dem Internet in der Rubrik 'ClipX'. Für mich ist Jump ein einzigartiges Radioprogramm, das auf den Punkt informiert. Die einmalige Mixtur entsteht, weil der Sender Themen oftmals anders anpackt und Musik mutiger auswählt als andere große Sender.“
MDR-Zentrale in Leipzig.
Foto: Bernd Reiher
Zur Frage 'Was ich Jump für die Zukunft wünsche' übermittelte Borghardt: „Weiterhin Mut und Witz, tolle Kommunikationsideen und ein glückliches Händchen bei der Auswahl von Musik und Events, so dass der Sender weiter rockt, es vor allem Spaß macht zuzuhören und er seine Position am Markt halten kann.“
Dem Pressemann zufolge sei Jump laut aktueller Media-Analyse Marktführer bei den unter 50-Jährigen in Sachsen. Bundesweit hörten mehr als 1,2 Millionen Menschen täglich MDR Jump. „Kein anderes Programm aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird von mehr Menschen eingeschaltet“, so Borghardt schließlich.
Zehn Jahre MDR Jump – die Meinungen sind durchwachsen. Vergessen aber scheinbar, dass es neben Sternstunden auch diverse unglückliche Zufälle gab. „Wer holte Depeche Mode nach Leipzig“, das war 2009 die große Frage – Jump wie behauptet oder doch der Veranstalter ARGO? Ungewöhnlich aber auch drei Episoden, bei denen es um Fernsehen, Falco und falsche Namen ging.
Michael Schiewack.
Foto: MDR / Dabdoub
Ganz früh schon der Ausrutscher auf dem MDR-Fernseh-Parkett. „Jump TV Gala“ wurde es genannt, was am 1. Dezember 2001 im Leipziger Haus Auensee über die Bühne ging. „Premiere“ war das Vorhaben übertitelt. Letztlich fand es aber nur einmal statt. Schiewack damals im Nachgang: „Mit der TV-Gala brauchen wir uns nicht verstecken. Wenn die Hörer wollen, kann es eine Fortsetzung geben.” Rätselhaft bleibt, ob es eigene Einsicht oder das Veto der TV-Kollegen war, dass dieses Vorhaben nie wieder im Programm des MDR-Fernsehens auftauchte.
Schmerzlich in Erinnerung auch die „Jeanny“-Aktion aus dem Jahr 2007. Falcos Geburtstag war Anlass, sich auf Spurensuche zu begeben, was aus seiner „Jeanny“ hätte geworden sein können. Zu gewinnen gab es ein Wochenende in Wien. Blogmedien TV bemerkte: „Mit der Aktion 'Jeanny' bewies das MDR-Programm Jump in dieser Woche nachhaltig, dass peinliche Aktionen keinesfalls Privilege von Privatsendern sind.“
Die MDR Jump Morningshow.
Foto: MDR / Marco Prosch
Brenzlig bis heute die Sache mit der „Jump Morningshow“. „Tino Rockenberg“ nennt sich der Mann, der sie moderiert. Dessen Stimme gehört aber einem Kollegen, der im wahren Leben Jörg Spranger heißt. Warum aus ihm bei Jump ein „Rockenberg“ werden musste, ist ungeklärt. Fakt jedoch ist, dass der Schwindel kurz nach dem Debüt aufgeflogen war. Schließlich hatte der spätere „Rockenberg“ vorher bei der Schwesterwelle Sputnik moderiert. Spranger geht bis heute bei Jump unter falschem Namen ans Mikro. Ein Bärendienst für den MDR, der gerade bei Jüngeren ein Problem mit der Glaubwürdigkeit hat.
Es gäbe noch viele Geschichten aufzuschreiben zum Thema MDR Jump. Festzustellen nach zehn Jahren aber ist: Jump hat sich etabliert, die Aufreger sind verstummt, die Radiowelt ist eine andere geworden, Jump ist nur noch einer von vielen. Offiziell gefeiert wird das Jubiläum scheinbar nicht. Stattfinden wird aber auch in diesem Jahr die „JCP – Jump Commuity Party“. Sie ist vom 30. Juli bis zum 1. August geplant und geht in „Ferropolis“ über die Bühne. Vier Monate sind noch Zeit. Die Radio-Werbung läuft seit Ende März.
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