Musikcenter für Leipzig (3): Wie funktionierte der Aufbau des Berliner ORWOhauses?
Daniel Thalheim
13.04.2010
agra-Messepark
Foto: Patrick Limbach
Im März gab das Leipziger Kulturdezernat bekannt, dass die Stadt Leipzig an einer Umsetzung für ein Musikcenter interessiert sei. Kulturbürgermeister Michael Faber gab das "ORWOhaus" in Berlin als Beispiel an. Doch wie haben es die dortigen Engagierten angestellt, ihr Projekt so umzusetzen, dass ihr Musikcenter in ruhige Gewässer fahren kann?
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"Es war vor allem politischer Rückhalt.", sagt der Pressesprecher des ORWOhauses Geoffrey Vasseur gegenüber der L-IZ. Gefragt hatten wir einfach nach den Rahmenbedingungen beim erfolgreichen Aufbau des Berliner Musikcenters.
"Marzahn Hellersdorf wurde von der damaligen PDS regiert und der damals verantwortliche Berliner Kultursenator, Flierl, ebenfalls PDS, hat sich angeboten zu helfen." Laut Vasseur ging es im wesentlichen darum, einen Kredit für den Kauf des Objektes zu bekommen und andererseits den Preis mit der Treuhand Gesellschaft (TLG) zu verhandeln. Der Kauf mit der Verpflichtung das Gebäude auf Norm zu bringen, soll dem Pressesprecher nach die einzige Möglichkeit gewesen sein.
Scheinbar hat sich die damalige PDS, die heute "Die Linke" heißt, am stärksten um dieses Projekt gekümmert. "Für den Kredit waren es tatsächlich PDS Politiker, die sich bei der Bank für Sozialwirtschaft stark gemacht hatten, damit dem quasi neu gegründeten Verein, auf der einfachen Grundlage eines Wirtschaftlichkeitskonzeptes, ein Kredit in Höhe von 150.000 Euro gewährt wird.", so Vasseur weiter und schlussfolgert: "Es ist ganz klar, dass wir ohne diese Unterstützung den Kredit nicht bekommen hätten und einfach rausgeflogen wären. Von Vorteil war es auch, dass die TLG keine reellen Pläne mit dem Objekt hatte. Wäre ein zahlungskräftiger Investor in der Schlange gewesen, wäre die Sache ebenfalls anders ausgegangen."
Ist so ein kulturelles Anliegen wie ein Musikcenter eher "links angesiedelt", wie es Vasseur darstellt? In Leipzig macht sich derzeit neben anderen Akteuren die "Linke"-Stadträtin Juliane Nagel für das Projekt stark. Sie stellte auch bei der letzten Ratsversammlung im März an das Kulturdezernat unter Michael Faber die Anfrage, ob die Stadt Leipzig an einer Lösung des hiesigen Proberaumproblems parat hat.
Aber auch die Medien schienen bei der Verwirklichung dieses Projekts in Berlin eine Rolle zu spielen.
Das ORWOhaus an der Frank-Zappa-Straße in Berlin: Alternatives Musikzentrum von Musikern für Musiker
Foto: http://www.orwohaus.de/
ORWOhaus-Pressesprecher Vasseur bestätigt die Annahme: "Die mediale Resonanz auf die Aktionen hat auch eine Rolle gespielt. Die Presse hat die Sache sofort aufgegriffen und die Gründer des Vereins haben eine tolle PR Arbeit gemacht. Aber im Ganzen war auch viel Glück dabei. Die Gesamtkonstellation war ideal und es wurde vieles richtig gemacht."
Ob es eine Blaupause für Leipzig ist, was da in Berlin funktioniert, scheint an den Engagements noch einiger mehr zu liegen.
"Für die Sanierung des Objektes haben ebenfalls Politiker geholfen. Es wurde ein Antrag bei der Klassenlotterie Lotto Stiftung Berlin gestellt. Im Stiftungsrat sitzen Berliner Politiker, wie Fraktionvorsitzende, einzelne Senatoren und der Bürgermeister Klaus Wowereit. Alle wurden ins Haus eingeladen und die, die kamen, haben sich wohl für die Vergabe der Mittel im Rat eingesetzt. So bekam das Projekt eine Million von beantragten 1,5 Millionen Euro.", führt Vasseur weiter aus.
Doch irgendwann sind die Anschubfinanzierungen vorbei, wie ist ein solches Center überlebensfähig?
Vasseur erklärt: "Heute kriegen wir keine regelmäßigen Zuschüsse. Wir beantragen Fördermittel für punktuelle Projekte wie es alle kleinen Kultureinrichtungen machen. In Berlin fließt der Kulturetat in Theater, Orchester und Opernhäuser und der Bezirk Marzahn Hellersdorf hat einfach kein Geld. Dort sind es 0,2% des Kulturbudgets für 14% der Einwohner."
Trotz der geringen Fördergelder sieht Vasseur Licht, weil sich das Musikcenter selbst finanzieren kann, um die wichtigsten Kosten abzudecken. Das scheint auch dem Projekt in Leipzig Auftrieb zu geben.
"Wir haben gezeigt, dass das Konzept der Nutzung aufgegangen ist. Das ist glaube ich das entscheidende für ein Projekt, wie das in Leipzig. Die Mieteinnahmen decken die laufenden Kosten und wir vermieten nach wie vor deutlich billiger als die meisten privaten Probehäuser. Die Effizienzsteigerung im Gebäude ermöglicht die progressive Einstellung von Personal. Mit dieser Professionalisierung kann man wiederum andere Akteure wie Musikdienstleister locken, die den Standort aufwerten. So einfach geht das. Bands gibt es genug, daran wird es auch in Leipzig nicht mangeln. Aber ohne politischen Willen und Vertrauen ist es deutlich schwieriger.", gibt Vasseur den Leipzigern mit auf den Weg.
In Berlin jedenfalls schaut man nun mit Interesse auf die Entwicklungen in der Messestadt, der Erfahrungsaustausch hat begonnen und seit einigen Tagen grüßt es von der Startseite der Internetpräsenz des Orwohauses nach Leipzig.
"Das ORWOhaus sendet solidarische Grüße an die Bands und Musiker in Leipzig, die mit dem Erhalt ihrer Proberäume derzeit einige Schwierigkeiten auszustehen haben! Leider haben auch wir hier kein Patentrezept, aber wir wünschen Euch sehr viel Energie und Ausdauer sowie fruchtbare Diskussionen, viel Unterstützung und gute Zusammenarbeit mit Politikern, Sponsoren und Grundstückeignern! Vor allem auf Euer Engagement, liebe Musiker-Kollegen, kommt es an!"
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