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Leipzig und seine Software: München ist schon längst ein Vorbild

Ralf Julke
Welche Software wird aufgespielt?
Welche Software wird aufgespielt?
Foto: Ralf Julke
Fröhlich verkündete die Stadtverwaltung am 28. Mai die Veröffentlichung einer neuen Broschüre: "Was macht die Stadt mit Ihrem Geld?" Wer glaubt, da steht jetzt alles drin, auf Heller und Pfennig, der sieht sich enttäuscht. Der Teufel steckt in der Regel im Detail. Oder in der Software. Das weiß jeder PC-Besitzer.

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Die Leipziger Stadtverwaltung besitzt eine ganze Menge PC-Arbeitsplätze. So ungefähr 4.200, die natürlich alle miteinander vernetzt sind und auf die Datenmengen zugreifen können, die auf den stadteigenen Servern abgelegt sind. Wer die monatliche Arbeit allein des Stadtrates verfolgt, weiß, was das für Mengen an Datensätzen sind. Die entsprechenden Server werden vom stadteigenen IT-Dienstleister Lecos betrieben, 198 Stück an der Zahl.

Die Lecos hat die Stadt Leipzig einmal mit dem IT-Riesen IBM gemeinsam gegründet in der Hoffnung, damit Kosten reduzieren zu können. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Die Lecos gehört mittlerweile zu 100 % der Stadt, erwirtschaftet über 8 Millionen Euro Umsatz. Der Löwenanteil davon weiterhin: Aufträge der Stadt. Wenn die Verwaltung einen neuen Computerarbeitsplatz braucht, bestellt sie ihn komplett bei der Lecos. Und auch wenn die Software auf einheitlichen Standard gebracht werden soll, erledigt das die städtische IT-Tochter.

So geschehen in der letzten großen Standardisierung der städtischen PC-Ausstattung, die als "Rollout" in den Jahren 2001 bis 2004 erfolgte. Kostenpunkt pro Arbeitsplatz: 750 Euro. Die wesentlichen Teile der damals implementierten Software sind augenscheinlich bis heute in Betrieb, wie zum Beispiel eine Bürgeranfrage von Kai Schwarzbach in Sachen Freier Software ergab.

"Bei der Planung des neuen Standard-Client wurde entschieden, einmal erworbene Lizenzen so lange wie möglich weiter zu nutzen. So ist z.B. das im Rahmen des ersten Rollout ab 2001 bereitgestellte Softwarepaket ‚Microsoft Office 2000’ weiterhin im Einsatz. Eine Ablösung ist erst ab 2010 geplant. Neben den eingesparten Lizenzkosten entfallen auch Aufwände für Datenkonvertierung, Schulung und Anpassung von fachspezifischen Schnittstellen."

Aber nicht nur MS Office läuft auf städtischen Computern, auch das Betriebssystem stammt – wie Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller 2006 einmal ausführte – aus dem Hause Microsoft. Genauso wie der installierte Browser. Daran scheint sich bisher nichts Grundlegendes geändert zu haben. Auch Leipzigs Stadtverwaltung ist in gewisser Weise Microsoft-Land.

Die Stadt München ist Vorreiter in Sachen Freie Software unter den Kommunen.
Die Stadt München ist Vorreiter in Sachen Freie Software unter den Kommunen.
Foto: Ralf Julke

Dabei ist die Nutzung von Freier Software nicht nur ein Kostenpunkt, sondern auch eine Frage der Sicherheit. Auch deshalb hat die Stadt München 2001 den Umstieg auf Freie Software begonnen, ein Projekt, das die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag jüngst erst der sächsischen Staatsregierung als vorbildlich unter die Nase hielt.

2006 bekam Kai Schwarzbach auf seine Anfrage in Leipzig noch eine recht abweisende Antwort: "Der Fragesteller bezieht sich auf das Beispiel der Stadt München. Die Stadt München fällte im Jahr 2003 die Entscheidung, ihre ca. 13.000 PC-Arbeitsplätze auf OpenSource-Produkte umzustellen. Dazu wurde ein Standard-Client auf der Grundlage des Betriebssystem LINUX und weiterer OpenSource-Verfahren z.B. für Textverarbeitung, Mail-Programm oder Browser entwickelt. Der gegenwärtige Arbeitsstand verdeutlicht die Komplexität des Projektes unter dem Titel LiMux: Erst 1.000 PC wurden vollständig auf den neuen Standard-Client umgesetzt.

Aufwendungen und Kosten für die Umstellung und Anpassung der ca. 300 Fachapplikationen sowie die Schulung der Mitarbeiter sind sehr hoch und können auch von München nur über einen längeren Zeitraum bereitgestellt werden."

Längerer Zeitraum?

2008 meldete die Stadtverwaltung München Vollzug: 14.000 Arbeitsplätze waren auf Freie Software sowohl beim Webbrowser als auch beim E-Mail-Client umgestellt. Kostenpunkt nach Angabe von Bürgermeisterin Christine Strobl: 4 Millionen Euro, die vor allem regionalen Firmen zugute kamen. Also ein Wert, der keineswegs das Verdikt zu hoher Kosten verdient. Im Gegenteil: München rechnet seit 2009 jährlich mit einer Kostenersparnis von 3 Millionen Euro, die allein schon dadurch entfallen, dass nicht fortwährend neue Kosten für neue Lizenzen und Upgrades auflaufen und die Weiterentwicklung der Software in eigener Regie liegt. Dazu kommt, dass viele Optimierungen, die beim Einpflegen von Daten, Erstellen von Dokumenten usw. möglich sind, mit der eigenen Software in Eigenregie geleistet werden können.

Schon nach wenigen Jahren zahlt sich die Investition in Freie Software aus - und macht unabhängiger.
Schon nach wenigen Jahren zahlt sich die Investition in Freie Software aus - und macht unabhängiger.
Foto: Ralf Julke
Mittlerweile haben auch andere Stadtverwaltungen in keineswegs armen Kommunen begonnen, dem Münchner Weg zu folgen – Nachrichten dazu gibt es aus Hamburg und Stuttgart. Und auch in Leipzig waren LiMux und WollMux schon Thema. Und zwar im Congress Center an der Neuen Messe: Da hielt der stellvertretende LiMux-Projektleiter Florian Schießl am 18. und 19. Mai 2010 einen Vortrag über das Münchner Projekt beim Kongress "neue verwaltung". Das ist dieses große Fettbemmenessen, bei dem sich Verwaltungen gegenseitig erklären, was ein tolles eGovernement ist. Um Geld geht es da eher nicht so vordergründig, obwohl das Geld überall knapp ist in den Kassen.

Oft ist es einfach der Alltagstrott, der die Entscheider hindert, sich von den teuren Standardprogrammen aus der ein oder anderen Software-Schmiede zu verabschieden. Der Posten IT läuft dann eben mit. Und die Einzelkosten für Software gehen im großen Ganzen unter. Erst in letzter Zeit bahnt sich eine Kooperation an, die deutlich zielführender ist als die ursprünglichen Partnerschaften mit IT-Konzernen – die zwischen den Kommunen. Man nutzt Programme gemeinsam, teilt Erfahrungen und schafft Netzwerke. Doch das steckt zumeist noch in der Phase der Absichtserklärungen.

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So gibt allein das Hauptamt der Stadt Leipzig im Jahr 2010 für die Bereitstellung interner Datenvernetzung, Software, Rechenleistungen, Programmierleistungen u.a. 4,644 Millionen Euro aus. Da ist dann auch Telefon und die ganze Verkabelung mit dabei. Ähnlich ist es mit einem zweiten Posten, der im Schulverwaltungsamt als EDV-Kosten auftaucht: Für 2010 sind hier 602.550 Euro geplant. Ein Posten, der in den letzten Jahren kräftig gestiegen ist von 447.028 Euro im Jahr 2008 über 575.419 Euro im Jahr 2009. Während bei der installierten Verwaltungssoftware wieder die Lecos den Hut auf hat, fallen bei der im Unterricht angewendeten Software wieder die Schulen selbst die Entscheidung, was aufgespielt wird.

Da ist es dann am Ende schwierig, eine Übersicht über die Softwarekosten im Leipziger Stadthaushalt zu bekommen. "Eine spezielle Erhebung für Software liegt nicht vor", sagt Hannes Kästner, im Hauptamt der Stadt für die IT-Koordination zuständig.

Das Beispiel aus München: www.muenchen.de

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