Digitale Radiolandschaft näher gerückt: Martin Deitenbeck, DAB, KEF, Sachsenradio
Bernd Reiher
04.07.2010
Digitalradio.
Foto: Ralf Julke
Ziemlich genau ein Jahr ist es her, da hat die KEF, die „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfes der Rundfunkanstalten“, sie abgelehnt, die Mittel für das Digitalradio. Der Aufruhr war groß, das lange geplante Vorhaben schien kurz vor dem Aus. Ende Juni 2010 gab es wieder eine Entscheidung der KEF zum digitalen Hörfunk.
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Der einstimmige Beschluss diesmal: „Sie erkennt den Finanzbedarf des Deutschlandradios für den Abschluss von Verträgen mit der Media Broadcast GmbH im Rahmen des Entwicklungsprojektes zur Einführung des digital terrestrischen Hörfunks und den sonstigen für das Entwicklungsprojekt angemeldeten Finanzbedarf sowie den angemeldeten Finanzbedarf für die Planungen der ARD für das 'Radio der Zukunft' an.“
Bedingungen: Abschluss der Verträge mit der Media Broadcast GmbH. Abschluss der Zulassungsverfahren der Landesmedienanstalten. Der Netzausbau des Deutschlandradios soll mit den Plänen der ARD und der Privaten harmonisiert werden.
Heißt auf deutsch: Dem Digitalradio steht nicht mehr viel im Weg. Wir wollten von Martin Deitenbeck wissen, was diese Entscheidung für das Radio in Sachsen bedeuten könnte. Der Geschäftsführer der „Sächsischen Landesanstalt für Privatrundfunk und neue Medien“, SLM, hat uns Anfang Juli einige Sätze zu seiner Sicht auf die Digitalradio-Entwicklung nach dieser „KEF“-Entscheidung geschickt.
SLM-Sprecher Martin Deitenbeck.
Foto: SLM
Herr Deitenbeck, die KEF hat der Freigabe der Mittel für Digitalradio zugestimmt, es sieht so aus, als ob dem Digitalradio nicht mehr viel im Wege steht - welche Bedeutung hat diese Entscheidung für die Radiolandschaft in Sachsen?
Deitenbeck: Man darf bei der Bewertung der KEF-Entscheidung nicht übersehen, dass diese an Bedingungen geknüpft ist: die Veranstalter, die in dem nationalen Multiplex verbreitet werden wollen, müssen bis September mit dem Netzbetreiber Media Broadcast einen Verbreitungsvertrag abgeschlossen haben. Über die Details wird derzeit verhandelt. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Partner hier einigen werden. Dann rückt auch für die Radiolandschaft in Sachsen die Digitalisierung der Übertragungswege ein Stück näher. Zwar haben sich bei der bereits erfolgten Ausschreibung der Kapazitäten in Sachsen bislang keine privaten Veranstalter beworben. Dennoch ist es möglich, zusätzlichen zu dem bundesweiten Paket auch mit einem sächsischen Paket an den Start zu gehen. Auch hierzu laufen derzeit die Gespräche. Wichtig ist es, den Hörern ein attraktives Gesamtangebot zu machen, welches sie animiert, Empfangsgeräte zu erwerben.
Wie sieht der Fahrplan nach dieser Entscheidung aus - wann ist mit dem Regelbetrieb in Sachsen zu rechnen, welche Programme werden wir dann empfangen können?
Deitenbeck: Die Verträge für den bundesweiten DVB-T-Layer sollen nach den Vorgaben der KEF bis September unterzeichnet sein. Im Anschluss daran wird das Sendernetz aufgebaut. Ich gehe nicht davon aus, dass es vor dem Frühjahr 2011 zur Aufnahme des Sendebetriebs kommt. In Mitteldeutschland haben wir uns für die zweite Bedeckung auf einen gemischten Multiplex von öffentlich-rechtlichen und privaten Programmen geeinigt. Derzeit ist, wie bereits gesagt, noch offen, welche Programme konkret mit von der Partie sein werden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat nach den Regelungen des aktuellen Rundfunkstaatsvertrags auch die Möglichkeit, mit neuen Programmen an den Start zu gehen. Mit Blick auf die nötige Attraktivität des Gesamtangebots hoffe ich, dass davon Gebrauch gemacht wird.
Zum Thema UKW - wann wird die Ultrakurzwelle denn nun abgeschaltet oder kristallisiert sich vielleicht doch heraus, dass beide parallel existieren können?
Deitenbeck: Privater Hörfunk finanziert sich aus dem Verkauf von Werbezeiten. Die Mittel, die die werbetreibende Wirtschaft für die Hörfunkwerbung einsetzt, sind endlich und nicht beliebig vermehrbar. Selbst, wenn es der Gattung Hörfunk gelänge, ihren (europaweit recht geringen) Anteil an den Gesamtausgaben für Werbung zu steigern, wird man sich auf Dauer keine Parallelität von Übertragungssystemen leisten können. Nach meiner Überzeugung muss man daher die Abschaltung von UKW mitdenken, wenn man der digital-terrestrischen Hörfunkverbreitung zum Erfolg verhelfen will. Selbstverständlich ist es erforderlich, einen angemessenen Übergangszeitraum festzuschreiben, damit sich die Konsumenten auf das Ende der analogen Übertragung einstellen können. Für Menschen, die ihr Fernsehsignal über Satellit empfangen, ist dies bereits Realität: im April 2012 ist mit der analogen Übertragung Schluss. Mir erschließt sich nicht, warum dies im Hörfunk mit einer entsprechend längeren Umstellungsfrist nicht ebenfalls möglich sein sollte.
Wie sieht es gerätetechnisch aus - was sollten die Leute beim Kauf eines Digitalradios beachten?
Deitenbeck: Wichtig ist, dass die Geräte den Standard DAB+ empfangen können. Dies ist bei allen modernen Empfängern, die im Handel angeboten werden, der Fall. Ältere Geräte sind darüber hinaus zum Teil per Software aufrüstbar.
Aktuell im Sachsenäther auf DAB/DAB+: Deutschlandfunk, Deutschlandradio, „DRadio Wissen“, Fußballradio „90elf“, MDR „Sputnik“, MDR „Klassik“, MDR „Info“
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