Der Stadtrat tagt: Google Street View in Leipzig - Bündnis 90 / Die Grünen und FDP fordern Widerspruch und mehr Aufklärung von der Stadt Leipzig
Daniel Thalheim & Robert Weigel
18.08.2010
Norman Volger (B90/Die Grünen)
Foto: Robert Weigel
Die Tage sah und sieht man nicht nur knipsende Touristen in den deutschen Städten. Mit Kameras bewehrte Autos fahren und fuhren dieser Tage auch durchs Land. Google Street View heißt das Zauberwort, bei dem Straßenzüge, Autos, Häuser und Menschen im großen Stil fotografisch dokumentiert werden und beim gleichnamigen Dienst von Google landen. Ein Dienst, der heute auch in der Stadtratsdebatte landete.
Anzeige
Es ist wohl das größte Projekt nach der Kartographierung der Welt seit dem 16. Jahrhundert. Natürlich werden Karten nicht mehr von Hand gezeichnet und als Drucke in Bücher geheftet. Im 20. Jahrhundert gab es Aufnahmen vom Flugzeug aus. Heute nimmt man Satellitenbilder. Nun soll das Weltbild im Detail ausgelegt werden und trifft auf die Privatsphäre von Menschen. Mit einer fotodokumentarischen Großaktion versucht der Internetanbieter Google, die heutige Erde abzubilden. Wo im 16. Jahrhundert ein roter Punkt ausreichte, um eine Stadt abzubilden, sieht man heute Luftaufnahmen von Straßen, Plätzen, Gebäuden und Landschaften. Google Earth zeigt das schon.
Schon jetzt nutzt Google Privatbilder mit Einwilligung der Nutzer für die Erweiterung des Dienstes "Maps". Nun treibt die Bundesregierung die Sorge um die Bundesbürger um, sie würden von Kriminellen und Terroristen ausgespäht. Die Presse berichtet seit Wochen ausführlich zu diesem Thema. In den Foren kocht das Thema schon viel länger. So erfährt man, dass bereits in den USA Google Street View Gesichter und Nummernschilder weggepixelt sind. Eine Praxis, die auch in Deutschland schon möglich ist, wenn unfreiwillig von der Presse abgelichtete Personen nicht gefragt wurden, ob sie denn wirklich irgendwo in den Medien landen wollten.
Norman Volger (B90/Die Grünen) heute im Stadtrat: "Wir fordern kein Verbot von Street View oder Google, sondern eine bessere Aufklärung von der Stadt."
Foto: Robert Weigel
Nun wollten am heutigen Tage Bündnis 90 / Die Grünen und die FDP die Stadt Leipzig dazu bewegen, mittels sogenannter "Widerspruchslisten" für die Bürger der Stadt geschlossen auf Google zuzugehen. Dieses Ansinnen wird seitens der Stadtverwaltung und Vertretern anderer Parteien seit Tagen als schwierig eingestuft, da es hier datenschutzrechtliche Bedenken gäbe. Immerhin erführe ja so auch die Leipziger Verwaltung, wer hier gegen Google Street View zu Felde zieht und wer nicht. Insbesondere solle so seitens der Stadt die Veröffentlichung von so genannten "detaillierten Bilddaten", also Daten, die Rückschlüsse auf Eigentümer und Benutzer von Autos, Grundstücken und Häusern zulassen, verhindert werden. FDP und Grüne sind sich in der Formulierungen des Antrages einig und wünschen, dass "die Stadt Leipzig Widerspruch gegen die Veröffentlichung aller der Stadt gehörenden Leipziger Gebäude und Liegenschaften bei Google Street View" einlegt.
Norman Volger von den Grünen dazu heute in der Debatte: "Wir fordern kein Verbot von Street View oder Google, sondern eine bessere Aufklärung von der Stadt." Volger betont, dass mit dem Vorstoß der beiden Fraktionen für mehr Aufklärung Personen angesprochen werden sollen, die mit Internet und Google nichts anfangen können und nichts davon wissen. Isabel Siebert (FDP) fragt: "Welche Pflichten hat die Stadt Leipzig, auch für Informationsleistungen? Bürger haben das Recht, geschützt zu werden. Wir erwarten von der Stadt Leipzig, auch diejenigen Bürger zu berücksichtigen, die kein Internet besitzen und nicht wissen, was Google Street View bezweckt." Auszuschließen davon seien beiden Fraktionen zufolge Gebäude, die touristische Wahrzeichen der Stadt sind und die nicht von Privatpersonen bewohnt werden. Nicht aber kommunale Gebäude und Liegenschaften, die verpixelt werden sollen.
Das findet Ansbert Maciejwski (CDU) absurd, hieße dies ja zum Beispiel auch, dass auch Schulen verpixelt werden müssen, weil der Hausmeister drin wohnt. Der Leipziger Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller findet darüber hinaus keine Gründe, für die Leipziger gesamt in Widerspruch zu gehen. Nur Privatpersonen können gegen Google Street View vorgehen. Es gäbe also keine rechtliche Grundlage für die Stadt Leipzig, das den Bürgern abzunehmen. Müller betont, die Bürger zu informieren und zur nächsten Amtsblattausgabe über Google Street View kurz aufzuklären und auf das private Widerspruchsrecht der Leipziger auch im Internet hinzuweisen.
Isabel Siebert (FDP) heute im Stadtrat: "Welche Pflichten hat Stadt Leipzig, auch für Informationsleistungen?
Foto: Robert Weigel
"Eine Broschüre sehen wir nicht als notwendig an." Widerspruchslisten werden laut Müller nicht kommen, weil das datenschutzrechtlich aus seiner Sicht bedenklich ist. Volger kritisiert, wenn die LVZ Widerspruchslistenvorlagen abdrucke, welche die Bürger ausschneiden könnten, warum dies nicht auch die Stadt Leipzig könne?
Angstmacherei auf kleinster, hier kommunaler Ebene? Die derzeitige Rechtslage schützt die Wohnung, wie auch das Recht auf das eigene Bild. Auf der anderen Seite steht das Presserecht, welches Google für sich in Anspruch nimmt - das Recht auf Panoramaaufnahmen in öffentlichen Bereichen. Google Street View ist nach geltendem Recht schon jetzt veranlasst, Gesichter und Autoschilder unkenntlich zu machen. Heißt der Vorschlag im Leipziger Stadtrat, dass dann auch Pressebilder und Privataufnahmen von diesem Verfahren betroffen sind?
Google verweist auf seinen Seiten derzeit auf die aktuellen Regeln: "Unsere Fahrzeuge sind leicht als Street View-Fahrzeuge erkennbar. Street View enthält Fotos, die dem entsprechen, was jedermann auf der Straße sehen kann. Die Fotos werden ausschließlich an öffentlichen, frei zugänglichen Orten angefertigt." Weiter heißt es: "In Einzelfällen befahren wir auch privates Gelände, sofern uns der Eigentümer dies ausdrücklich erlaubt hat. Straßenbilder mit Passanten werden zulässigerweise angefertigt und veröffentlicht, seit es die Fotografie gibt, und sind heute allgegenwärtig in Zeitungen, dem Fernsehen und dem Internet." Sollten Personen jedoch Gesichter oder Autokennzeichen finden, die Google übersehen haben soll, oder falls jemand aus persönlichen Gründen Einwände gegen einzelne Bilder hat, kann man das schnell mitteilen.
Der Leipziger Stadtrat tagt: Wie immer live auf L-IZ.de
Foto: Robert Weigel
Gleichzeitig kann niemand gehindert werden, aus privaten und beruflichen Gründen zu fotografieren was er will. Nur muss man spätestens dann die abgebildeten Personen fragen, ob sie ins Internet wollen oder nicht. Eines vergessen Grüne und FDP mit ihrem Antrag auf das Einschreiten der Kommune: Die Stadt Leipzig ist in der Person des Datenschutzbeauftragten kein Ansprechpartner.
Leipzig also eine verpixelte Stadt? In der folgenden Abstimmung sind sich FDP und Grüne hierin relativ einig und haben mit NPD und in der Linkspartei ebenfalls Befürworter. CDU und SPD lehnen dieses Ansinnen geschlossen ab. Damit ist das Verpixeln kommunaler Gebäude und Liegenschaften mit knapper Mehrheit abgelehnt.
Beschlossen ist hingegen, dass die Stadt Leipzig die Leipziger umfassend informiert und alle öffentlichen Einrichtungen über Google Street View und die möglichen Folgen detaillierter aufklären soll - inklusive der Auslegung von Widerspruchslisten in den Bürgerämtern. OBM Burkhard Jung teilt den Stadträten unmittelbar nach der Abstimmung seine Bedenken mit. "Ich sehe ein Problem mit den Widerspruchslisten und lasse das rechtlich prüfen."
Am Mittwoch, dem 23. Mai um 19:30 Uhr wird Wolfgang Tiefensee, MdB (SPD), im BüroCafé Tiefensee, Gottschedstraße/Ecke Zentralstraße in Leipzig, mit Günter Gloser, MdB (SPD), Staatsminister a.D., Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und Berichterstatter der SPD-Fraktion für den Nahen und Mittleren Osten, über den Aufstand in Syrien und die Auswirkungen auf die Region sowie den „Arabischen Frühling“ sprechen. mehr…
Eine Riesenanspannung auf dem Markt hat Frank Sennhenn, Vorstandschef der DB Regio AG, ausgemacht. Denn der Schienenpersonennahverkehr befinde sich inmitten einer „Vergabespitze“. Zwischen 2012 und 2014 werden insgesamt 260 Millionen Zugkilometer ausgeschrieben. Zwischen 2014 und 2017 werden weitere 100 Millionen folgen. mehr…
Am Donnerstag, dem 24. Mai, 19:00 Uhr begrüßt die Schaubühne zur Filmpremiere von "Aber das Leben geht weiter" die Regisseurin Karin Kaper. In ihrem Dokumentarfilm setzen drei polnische und drei deutsche Frauen, deren Familiengeschichte sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf dramatische Art kreuzte, bewusst persönlich zum Thema „Flucht und Vertreibung“ ein Zeichen der Annäherung. mehr…
Am Ende hat wieder der Finanzminister gewonnen. Nicht nur den anderen Ministern gegenüber hat Georg Unland (CDU) den längeren Hebel in der Hand und kann die Richtung per Finanzzuweisung dirigieren, auch gegenüber Städten, Gemeinden und Landkreisen in Sachsen gibt er die Richtung vor. Und so hieß es am Freitag, 18. Mai, wieder einmal im Unland-Stil: „Wir sorgen vor!“ mehr…
Die Freiwilligen-Agentur Leipzig lädt am Dienstag, 22. Mai, Bürgerinnen und Bürger, die sich für ein Ehrenamt interessieren, herzlich zum Ehrenamtscafé in ihre Räumlichkeiten am Dorotheenplatz 2 ein. Von 16:00 bis 18:00 Uhr stellen fünf gemeinnützige Einrichtungen ihre ehrenamtlichen Angebote vor: Bürgerverein Kolonnadenviertel e. V., Durchblick e. V., Bürgerverein Waldstraßenviertel e. V., Jugendpresse e. V. und Caritasverband Leipzig e. V. mehr…
Am 6. Juni 2012 lädt die Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL) gemeinsam mit der Firma Würth Elektronik zu einem Industrieseminar in die Hochschule ein. Von 09:00 bis 15:00 Uhr werden in diesem praxisnahen Seminar Themen der Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) diskutiert. mehr…
Am Donnerstag, 24. Mai, gibt es im Kulturclub „Horns Erben“, Arndtstraße 33, die nächste Show "Adolf Südknecht - The improvised alternative-history-show". Untertitel: Eine Kneipiersfamilie improvisiert die potenzielle Chronik des Südmeilen-Kiezes. Diesmal gibt's Folge 4: „Menschen, Messe, Megastadt!" mehr…
Tommi Sillanpää hat die SG LVB am Samstag vor 250 Zuschauern im letzten Saisonspiel zum 33:26 (19:10)-Sieg gegen die TSG Münster geschossen. Im Anschluss wählten ihn Fans, Mannschaft und Trainerteam sogar zum LVB-Spieler des Jahres - eines Jahres, in dem aus blaugelber Sicht vieles passte. mehr…
Zwei links, zwei rechts - wie langweilig! Mit Wolle kann man noch ganz andere Sachen machen. Mit Ruth Kindla hat der Buchverlag für die Frau jetzt eine Autorin ins Programm genommen, die das Stricken mit farbigen Garnen zu einer Kunst entwickelt hat. Ihre Geheimwaffe: verkürzte Reihen. Das Wichtigste, was man zum Funktionieren der verkürzten Reihen wissen muss, ist die Technik der Wendemasche. Rätsel über Rätsel. mehr…
In dem ca. 90 minütigen Solo-Programm wird der Roman „Nachdenken über Christa T.“ von Christa Wolf auf eine Sprecherin und eine Leinwand übertragen. Sprache wird ein Mittel des Bewusstseins, die handelnde Stimme wird ein aktives Medium, dass den Zuschauer verführen will, ihm auf seinem Erkenntnisweg zu folgen. mehr…
Das vorletzte Saisonspiel endete wieder mit einem Sieg für den SC DHfK. Nach sieben Auswärtsspielen ohne Sieg in Folge gewannen die Grünweißen mit 29:25 (14:11) beim TV Bittenfeld. Die Mannschaft von Trainer Uwe Jungandreas bestimmte das Spiel über weite Strecken und lieferte eine stabile Leistung ab. mehr…
Täglich gehts voran, man strebt und lebt nach vorn. Vollgas, Sommer wie Winter, keine Zeit zur Besinnung. Schön so eigentlich, bevor man noch auf dumme Gedanken kommt, einfach weiter, weiter, weiter. mehr…
Die Stadt Leipzig wird die Kampagne „Alle bleiben“ unterstützen, so beschloss es der Stadtrat am 16. Mai. Bei dieser Kampagne geht es vor allem um das humanitäre Bleiberecht für langjährig in Deutschland geduldete Roma aus den Teilrepubliken des ehemaligen Jugoslawien. Bei solch einem Thema rings um menschliche Schicksale konnte sich der NPD-Stadtrat Klaus Ufer nicht zurückhalten und meldete sich prompt zu einem Redebeitrag (siehe Audio). mehr…
Schock bei Lok Leipzig: Nur einen Tag nach dem Aufstieg in die Regionalliga ist Erfolgstrainer Willi Kronhardt von seinem Amt zurückgetreten. In einer Erklärung gab Kronhardt fehlende finanzielle Mittel für die Umsetzung seiner Vision von Fußball an. Außerdem soll auch Germania Halberstadt Interesse am 43-Jährigen haben. mehr…
Schon im Vorjahr gaben die Rasenballer nur das Gastspiel bei der Aufstiegsfeier in Chemnitz, wo ihre Niederlage die Himmelblauen jubeln ließ. Beim Auftritt in Halle hätte wegen der deutlichen Kieler Niederlage, auch ein Sieg der Leipziger den HFC nicht gestoppt. Es blieb beim torlosen, recht durchschnittlichen Spiel. mehr…