Programmoptimierung mit Marktanalyse: Heiko Hilker und das gestutzte Sputnik Next Level
Bernd Reiher
28.08.2010
Sendezentrale des MDR.
Foto: Bernd Reiher
Etwas ist anders geworden, bei MDR Sputnik in den letzten Tagen. Der Grund: eine Programmreform, von der scheinbar nicht einmal der Rundfunkrat etwas wusste. Die Aufregung bei den Hörern ist groß. Erregt sich vor allem an der Musik und am umgestellten Programm.
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Wir haben in den letzten Tagen die Fühler ausgestreckt, um von einigen Rundfunkräten und Medienleuten zu erfahren, was es mit dieser Programmumstellerei auf sich hat und wie es damit weitergehen soll. Heute: Heiko Hilker vom MDR Rundfunkrat.
Der Mitteldeutsche Rundfunk hat seinem Jugendkulturradio MDR Sputnik eine weitere Programmreform verpasst - welche Umstellungen sind aus Deiner Sicht dabei vorgenommen worden?
Hilker: Bisher hatte ich nicht die Zeit, das gesamte Programm auf Veränderungen durchzuhören. Ich hätte zudem erwartet, dass man den Rundfunkrat vorab über die Veränderungen informiert. Schließlich wurde das frühere Konzept breit und ausführlich in den Gremien diskutiert.
Seit dem Relaunch im Jahr 2006 ist viel am Sputnik-Programm geschraubt worden, die aktuellen Veränderungen scheinen aber eher ein Rückschritt in Richtung Mainstream und Dudelfunk zu sein - mit welchen Argumenten wurden die jüngsten Programmumstellungen begründet?
Hilker: In einer MDR-Hausmitteilung heißt es dazu: „Nach einer strategischen Marktstudie folgen wir Empfehlungen, um die Akzeptanz von SPUTNIK bei allen jungen Menschen im Kernmarkt Sachsen-Anhalt weiter zu erhöhen und den positiven Trend der letzten Media Analyse (MA) weiter auszubauen. ... Die Programmoptimierungen basieren auf Marktanalysen und haben das Ziel, künftig mehr Hörer an das Programm zu binden.“ Leider wurde diese Marktstudie dem Rundfunkrat bisher nicht vorgelegt.
Jugendsender Sputnik.
Foto: Bernd Reiher
Trotz früherer Beteuerungen scheint es bei Sputnik jetzt wieder mehr um Quoten und breitere Akzeptanz zu gehen – woran ist das Sputnik Next Level gescheitert?
Hilker: Für mich ist „Sputnik Next Level“ nicht gescheitert. Anscheinend werden von Hörfunkdirektor Johann Michael Möller jetzt andere Ziele für Sputnik definiert. Sputnik soll nicht mehr das Experimentalradio sein, das Radio und Web verbindet. Sputnik wird zum Radio zurück gestutzt.
Der MDR hat für Sputnik immer weniger Geld, steckt aber andersrum wieder viel in Radio-Berater und Marktanalysen – warum wird das Geld nicht einfach für das Programm ausgegeben?
Hilker: Nun, es wäre erst einmal zu klären, wie viel für Berater und Marktanalysen ausgegeben wurde. Grundsätzlich ist es einfacher, bei Veränderungen auf Berater zu verweisen. Das macht die Auseinandersetzung für die Gegner der Veränderungen schwieriger, insbesondere wenn ihnen die Studien nicht bekannt sind.
Heiko Hilker.
Quelle: Heiko Hilker
Der Rundfunkrat scheint über die jüngste Programmreform nicht informiert gewesen zu sein – hätte er eingeschaltet werden müssen, wird er sich jetzt im Nachgang mit dem Thema beschäftigen?
Hilker: Es besteht keine gesetzliche Pflicht, den Rundfunkrat bei einer Programmreform einzubeziehen. Allerdings wurde die vorhergehende Reform in den Gremien sowie im Rundfunkrat ausführlich besprochen. Ich hätte deshalb erwartet, dass jede neue grundlegende Veränderung auch wieder dem Rundfunkrat vorab mitgeteilt wird.
Was wirst Du als Rundfunkrat für die Zukunft von Sputnik Next Level tun, was wünschst Du Dir für die neuerlich ins Wanken gekommene Zukunft von MDR Sputnik?
Hilker: Den Foren von Sputnik ist ein klares Urteil zu entnehmen. Die Mehrheit lehnt die Reform ab. Ich hoffe, dass dies die Mehrheit des Hörfunkausschusses auch so sieht. Dann muss die Reform zurückgenommen werden.
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